Größte Stadt des Landes

Warschau: Die Hauptstadt von Polen

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Warschau, Hauptstadt von Polen.

Warschau, die Hauptstadt und größte Stadt von Polen, wurde während dem Zweiten Weltkrieg gänzlich zerstört, aber im Anschluss beinahe ident aufgebaut.

Warschau ist die Hauptstadt und größte Stadt von Polen. Es ist Sitz der Regierung, des Parlaments, diplomatischer und anderer internationaler Vertretungen, aller hohen Verwaltungseinrichtungen, zahlreicher Hochschulen und anderer wissenschaftlicher, pädagogischer und kultureller Institutionen. Warschau ist die administrative, politische und finanzielle Hauptstadt Polens.

Geschichte von Warschau

Erstmals erwähnt wurde Warschau im Jahr 1282, allerdings gewann die Stadt erst 1596 durch den damaligen König Sigmund III. an Bedeutung, als dieser das Königreich Polen und das Großfürstentum Litauen vereinigte und Warschau zur Hauptstadt ernannte.

1655–1657 wurde Warschau von Schweden besetzt und zerstört. 1697 wurde Kurfürst Friedrich August von Sachsen zum polnischen König gekrönt. Ihm folgte mit seinem Sohn August III. ein weiterer Wettiner auf dem polnischen Thron, der die politischen und kulturellen Verbindungen zwischen Warschau und Dresden weiter festigte.

1772 wurde Polen zum ersten Mal unter Russland, Preußen und Österreich geteilt – Warschau stand unter russischem Protektorat. 1788–1792 tagte der vierjährige „Große Sejm“ in Warschau, der 1791 die Konstitution vom 3. Mai verabschiedete, die damals modernste Verfassung Europas. Ein bedeutungsvoller Tag nicht nur für Polen, sondern für ganz Europa. Diese Niederschrift darf als die erste und damals modernste Europas bezeichnet werden. Der erhoffte Effekt, nämlich der Aufteilung unter Österreich, Preußen und Russland zu entgehen, blieb aus.

Im Zuge der zweiten Teilung Polens wurde Warschau 1793 russisch besetzt. Ab 1794, unter Stanisław August Poniatowski, dem letzten polnischen König, erlebte die Stadt eine kulturelle Hochzeit in Kunst und Architektur, deren Bauwerke und gestalterische Einflüsse das Stadtbild bis heute prägen. Zugleich war dies die Zeit des Niedergangs des polnischen Staates, der 1795 von der europäischen Landkarte verschwand und zwischen Russland, Preußen und Österreich aufgeteilt wurde (Dritte Teilung Polens). Im Dreißigjährigen Krieg wurde Warschau beinah vollständig zerstört, aber schon im 18. Jahrhundert wieder aufgebaut.

Warschau wurde zur Hauptstadt des von Napoleon geschaffenen Herzogtums Warschau und nach dem Wiener Kongress zur Hauptstadt des Königreichs Polen mit dem russischen Zaren als König. 1830 scheiterte der sogenannte Novemberaufstand gegen die Teilungsmacht und eine starke Russifizierungspolitik setzte ein. Nach dem ebenfalls gescheiterten Januaraufstand von 1863 war Warschau nur noch eine unbedeutende Gouvernementstadt am Westrand des Russischen Reichs.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Industrie und Warschau wurde an das Eisenbahnnetz auf der Strecke Wien – St. Petersburg angeschlossen. In den 1880er Jahren strömten vermehrt Zuwanderer nach Warschau. Die Stadt wurde zum Zentrum der polnischen Arbeiterbewegung. 1882 gründete Ludwik Waryński die erste sozialistische Partei („Großes Proletariat“ – Wielki Proletariat).

Im Ersten Weltkrieg verdrängten die deutschen und österreichischen Truppen Ende August 1915 die Russen aus Kongresspolen. Zentralpolen gelangte als zivil verwaltetes „Generalgouvernement Warschau“ unter deutsche Ägide. Am 5. November 1916 proklamierte der Warschauer Generalgouverneur Hans von Beseler das sogenannte Regentschaftskönigreich Polen. Mit der Unabhängigkeitserklärung vom 11. November 1918 erlangte das wiedervereinigte Polen die staatliche Souveränität zurück. Warschau wurde Hauptstadt der Zweiten polnischen Republik.

Die folgenden Jahre wurden durch politische und wirtschaftliche Stabilität dominiert, die mit dem Einmarsch der deutschen Armee im Jahr 1939 ein Ende fand. Warschau beugte sich der Besatzung nicht ohne Kampf. Warschau musste aber am 26. September 1939 kapitulieren. Im Oktober 1940 wurde das jüdische Ghetto mit einer drei Meter hohen Mauer errichtet, das aus zwei nur durch eine Brücke verbundenen Teilen bestand. Bis 1942 wurden von hier aus 300.000 Juden nach Treblinka deportiert und dort vergast. 1942 wurde parallel ein „deutsches Wohngebiet“ am Łazienki-Park errichtet.

Am 19. April 1943 gab es im Ghetto einen Aufstand der verbliebenen Juden, bekannt als der „Warschauer Ghetto-Aufstand“. Am 16. Mai 1943 wurde der Aufstand niedergeschlagen und das Ghetto vollständig zerstört. 1944 erhob sich ein Teil der polnischen Bevölkerung und leistete den deutschen Besatzern 63 Tage lang Widerstand, ehe sie besiegt wurden. Am 5. August 1944 befahl der „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler, alle nicht-deutschen Einwohner ohne Rücksicht auf ihr Alter und Geschlecht zu erschießen und Warschau dem Erdboden gleichzumachen.

Fehlende Lebensmittel, Wassermangel, Erschöpfung und die Übermacht der deutschen Einheiten führten dazu, dass am 2. Oktober 1944 der Kapitulationsvertrag zwischen der deutschen Wehrmacht und der polnischen Heimatarmee geschlossen wurde, die Kampfhandlungen wurden eingestellt. Überlebende des Warschauer Aufstands wurden zum Teil in Konzentrationslager transportiert und die Stadt systematisch zerstört. Nach 1945 wurde Warschau zur Hauptstadt der Volksrepublik Polen als Satellitenstaat der Sowjetunion. Die Stadt wurde erneut aufgebaut, die Altstadt sogar originalgetreu.

Der Warschauer Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen wurde am 7. Dezember 1970 unterzeichnet. Darin stellten beide Seiten fest, dass die Oder-Neiße-Linie „die westliche Staatsgrenze der VR Polen bildet“.

1976 kam es zu Streiks und Protesten, das Komitee zur Verteidigung der Arbeiter (KOR) wurde in Warschau gegründet. 1979 kam der polnische Papst Johannes Paul II. (1920–2005) – Hoffnungsträger der Opposition – erstmals nach Polen und Warschau. Am 13. Dezember 1981 rief General Wojciech Jaruzelski das Kriegsrecht in Polen aus, das bis zum 22. Juli 1983 dauern sollte. Im Oktober 1984 wurde Jerzy Popiełuszko, Priester der Warschauer Stanisław-Kostka-Gemeinde, vom Sicherheitsdienst ermordet. Im selben Jahr 1984 wurde der Wiederaufbau des Königsschlosses in Warschau fertiggestellt, für den Jahrzehnte lang in ganz Polen Spenden gesammelt worden waren.

1989 fanden im Warschauer Palais Radziwiłł die Verhandlungen am „Runden Tisch“ statt, die zu den ersten teilweise freien Wahlen in Polen seit dem Zweiten Weltkrieg führten und für ganz Osteuropa zum Modell für die Wende zu Demokratie und Marktwirtschaft einleiteten. Zum ersten Mal gab es im Juni 1989 zum Teil freie Wahlen, die „Transformation“ des Systems begann. Erster nicht-kommunistischer Ministerpräsident der Republik Polen wurde Tadeusz Mazowiecki.

Der Deutsch-Polnische Grenzvertrag vom 14. November 1990 und der Deutsch-Polnische Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17. Juni 1991 stellten die Zusammenarbeit auf eine neue Grundlage. Am 1. Mai 2004 trat die Republik Polen der Europäischen Union bei.

Sehenswürdigkeiten in Warschau

  • Altstadt von Warschau (UNESCO-Weltkulturerbe)
  • Schlossplatz mit Sigismundsäule
  • Palast unter dem Blechdach
  • Marktplatz mit Skulptur der Flussjungfrau Syrenka
  • Fundamente der Patrizierhäuser
  • Königsschloss
  • Schlosskapelle
  • Wilanow Palast
  • Lazienki-Park
  • Museum des Warschauer Aufstands
  • Grabmal des Unbekannten Soldaten
  • Johannesdom
  • Museum der Geschichte der polnischen Juden

Politik in Warschau

Als Hauptstadt Polens ist Warschau das politische Zentrum des Landes. Fast alle zentralen Regierungsinstitutionen haben ihren Sitz in Warschau, darunter die Präsidentenkanzlei, beide Kammern des polnischen Parlaments, die Kanzlei des Ministerpräsidenten, das Verfassungsgericht, der Oberste Gerichtshof und das oberste Verwaltungsgericht. Die Stadt ist im Parlament durch 20 Sejm-Abgeordnete (von 460) und 4 Senatoren (von 100) vertreten. Darüber hinaus wählt Warschau zusammen mit der Metropolregion zwei Mitglieder des Europäischen Parlaments (MEP).

Die gesetzgebende Gewalt in Warschau wird von einem Einkammerrat ausgeübt, der aus 60 Mitgliedern besteht. Die Ratsmitglieder werden alle fünf Jahre direkt gewählt. Wie die meisten Legislativorgane, gliedert sich der Stadtrat in Ausschüsse, die die Aufsicht über verschiedene Funktionen der Stadtverwaltung haben. Der Bürgermeister übt die Exekutivgewalt in der Stadt aus, er ist der Vorgesetzte aller nicht gewählten Beamten und Angestellten auf Gemeinde- oder Kreisebene und beaufsichtigt alle nachgeordneten Einrichtungen der Stadt.

Das Warschauer Gesetz schreibt der Stadt eine obligatorische Unterteilung in 18 Hilfseinheiten vor, die Quartiere genannt werden. Obwohl die Stadtteile integraler Bestandteil der Stadt sind, verfügen sie über ein gewisses Maß an Autonomie, die ihnen durch eine Art lokaler Selbstverwaltung garantiert wird, die einige von der Stadt per Gesetz übertragene Befugnisse ausübt. Sie haben die Aufgabe, den Bürgermeister und den Stadtrat bei ihren Aufgaben zu unterstützen, z. B. bei der Aufsicht über einige städtische Unternehmen, städtisches Eigentum oder Schulen. Jeder der 18 Stadtbezirke hat einen eigenen Rat, der einen Vorstand wählt. Dieser wird der von einem Bezirksbürgermeister geleitet, der vom Rat aus mehreren Kandidaten gewählt wird, die der Warschauer Bürgermeister aus den Reihen der Ratsmitglieder benennt.

Bevölkerung von Warschau

Demografisch gesehen war Warschau die vielfältigste Stadt Polens, mit einer beträchtlichen Anzahl von im Ausland geborenen Einwohnern. Neben der polnischen Mehrheit gab es eine große und blühende jüdische Minderheit. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Warschau nach New York die zweitgrößte jüdische Bevölkerung der Welt – etwa 30 % der Gesamtbevölkerung der Stadt in den späten 1930er Jahren. Es gab auch eine nennenswerte deutsche Gemeinschaft. Die ethnische Zusammensetzung des heutigen Warschaus ist mit der Vielfalt, die fast 300 Jahre lang bestand, nicht zu vergleichen. Der größte Teil des heutigen Bevölkerungswachstums ist auf Binnenmigration und Urbanisierung zurückzuführen. 1925 lebten über 1 Million Menschen in Warschau, aber durch den zweien Weltkrieg sank die Zahl vorübergehend auf ca. 400.000. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2020 wurden ca. 1,8 Millionen Menschen gezählt.

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