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In Amsterdam kämpfen Bewohner und Regierung gegen den Massentourismus. Eine Verordnung führt nun dazu, dass strenge Maßnahmen greifen.
München – Die niederländische Hauptstadt Amsterdam hat weitere Maßnahmen für die Bekämpfung des Massentourismus beschlossen. Deshalb sagt die Stadtverwaltung nun „Nein zu neuen Hotels“, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Die Liste der Maßnahmen der Stadt ist lang.
Regierung von Amsterdam beschließt Maßnahmen gegen Massentourismus
Im Juni vor rund drei Jahren haben Bewohner von Amsterdam die Volksinitiative „Amsterdam hat die Wahl“ ins Leben gerufen. Ziel war es, den Massentourismus zurückzudrängen. Die Stadtverwaltung hatte daraufhin die Verordnung „Tourismus in Balance Amsterdam“ beschlossen. Seitdem ist es für die Regierung Pflicht, einzugreifen, wenn die Besucherzahl pro Jahr 18 Millionen übersteigt. Die Obergrenze für Touristen liegt daher inzwischen bei 20 Millionen Übernachtungen jährlich.
Alleine im Jahr 2023 verzeichnete die Stadt aber rund 21 Millionen Hotelübernachtungen, wobei Übernachtungen in Ferienwohnungen, Bed and Breakfasts und auf Kreuzfahrtschiffen nicht mitgezählt wurden. Deshalb wird die Stadtverwaltung laut eigenen Angaben nun aktiv. Auch in Italien werden mehrere Urlaubsregionen gegen den Massentourismus aktiv.
Die Stadtverwaltung betont in einer weiteren Mitteilung, dass der Tourismus in Amsterdam nicht zur Belästigung der Einwohner werden darf. Um dies zu verhindern, hat die Stadt eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, um der Entwicklung des Massentourismus entgegenzuwirken. Das Ziel ist eine „Balance zwischen Besucherandrang und Lebensqualität für die Bewohner“.
Maßnahmen der Stadt Amsterdam gegen Massentourismus
- „Lästige“ Junggesellenabschiede und organisierte Kneipentouren „bekämpfen“
- Flusskreuzfahrten einschränken
- Hotels wandeln sich zu Gebäuden mit Wohn- oder Bürofunktion
- Neue Hotels nur noch unter bestimmten Voraussetzungen
- Verbot für neue Touristengeschäfte
- Beschränkung von Ferienvermietungen
- Schließungszeiten der Gastronomiebetriebe
- Rauchverbot in Teilen der Innenstadt
- Imagekampagne seit 2023
Angesichts der hohen Touristenzahlen im vergangenen Jahr hat die Regierung jetzt weitere Schritte eingeleitet, um den Massentourismus einzudämmen. Schon zuvor gab es ein Verbot für neue Touristengeschäfte und eine Beschränkung für Ferienvermietungen und neue Hotels. Jetzt wurden die Regularien für neue Hotels nochmals verschärft.
Amsterdam beschließt: Neue Hotels nur noch unter bestimmten Voraussetzungen
Die Richtlinien für Hotels waren bereits streng. Im Jahr 2017 hätten nur drei Pläne für neue Hotels den Anforderungen der Stadt entsprochen, so die Stadtverwaltung. Trotzdem befinden sich immer noch neue Hotels im Bau, da viele bereits vorher ihre Genehmigungen dafür erhalten haben. Daher bleiben 26 Hotelprojekte weiterhin aktiv.
Für zukünftige Hotelgründer wird es nun noch schwieriger, da die Maßnahmen erneut verschärft wurden. „Ein neues Hotel darf nur unter bestimmten Voraussetzungen gebaut werden, wenn ein Hotel anderswo schließt“, erklärt die Stadtverwaltung. Die Anzahl der Schlafplätze darf nicht erhöht werden. Das Hotel muss zudem moderner und/oder nachhaltiger sein. Andernfalls ist ein Neubau ausgeschlossen. Darüber hinaus rät die Stadt Hotelbesitzern, einen Standort außerhalb des Stadtzentrums zu wählen.
Regierung in Amsterdam kritisiert: Unternehmen „missbrauchen das Image der Stadt“
Amsterdam ist als „freie und offene Stadt“ bekannt, die ihren kulturellen Reichtum gerne mit Besuchern aus aller Welt teilt. In den letzten Jahren wurde diese Freiheit jedoch für kommerzielle Zwecke ausgenutzt, so die Stadtverwaltung. Unternehmen „missbrauchen das Image der Stadt und verkaufen Amsterdam als einen Ort der grenzenlosen Möglichkeiten“. Dies erweckt bei Touristen den Eindruck, dass in Amsterdam alles möglich und erlaubt ist. Die Maßnahmen sollen dazu beitragen, dieses Image zu korrigieren.
Der Kampf gegen den Massentourismus ist nicht nur in den Niederlanden derzeit ein führendes Thema. Auch an Stränden von Griechenland gelten für Touristen neue Regeln. In Venedig müssen Besucher dagegen zu bestimmten Zeiten jetzt Eintritt zahlen. (bk)
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