VonKathrin Reikowskischließen
Italien will Massentourismus weiter begrenzen. Neben Venedig oder Südtirol haben auch Regionen wie Ligurien Maßnahmen eingeführt – nicht ohne Widerstand.
Rom – Seit 2024 haben verschiedene Regionen in Italien ihre Maßnahmen verstärkt, um die negativen Folgen von Massentourismus abzumildern: In Venedig sind Gruppen über 25 Personen verboten, und ab 25. April müssen Besucher für Venedig ein Tagesticket kaufen, allerdings nur an bestimmten Tagen. Und in Südtirol gilt schon seit 2023 der sogenannte Bettenstop: „Wir haben die Grenze unserer Ressourcen erreicht, wir hatten Probleme mit dem Verkehr und die Bewohner haben Schwierigkeiten, bezahlbaren Lebensraum zu finden“, sagte der Südtiroler Landesrat Arnold Schuler im April 2023.
Wie das Portal Südtirol News schreibt, haben jetzt unter anderem die Cinque Terre in Ligurien neue Maßnahmen eingeführt, die den Besucheransturm stoppen sollen. Nicht alle davon sind unumstritten, auch nicht in den Regionen selbst.
Cinque Terre: Dörfer in Ligurien wollen Touristenmillionen fernhalten
Die Cinque Terre seien immer mehr zu einem „Tourismus des Augenblicks“ geworden, meint ein Bewohner im BR Fernsehen – Touristen kämen, um einmal da gewesen zu sein, oder davon auf Social Media zu posten, wie eine andere Einheimische meint. Wie Südtirol News schreibt, hätten alleine im Jahr 2023 über 2,5 Millionen Menschen die Dörfer besucht – die zusammen nur etwa 9.000 Einwohner haben.
Touristen müssten nun ab Mitte März an den Wochenenden und an Feiertagen sowie zwischen Juli und August doppelt so viel für Zugfahrten zwischen den Dörfern zahlen – Anwohner würden dagegen Vergünstigungen erhalten. Laut cinqueterre.eu muss man für das Wandern auf zwei Küstenwegen bereits Eintritt zahlen – in der teuersten Alterskategorie und Hauptsaison werden dafür 32,50 Euro fällig. Die Einführung der erhöhten Transportgebühren stößt laut Südtirol News vor Ort auf Unverständnis: Da die meisten Besucher von weit herkämen, würde die Maßnahmen niemanden abschrecken, aber Familien, seien sie einmal da, zu stark belasten.
Italien gegen den Massentourismus: Auch Lampedusa und Capri betroffen
Laut Südtirol News hat auch Capri seine Landegebühr für Schiffe erhöht. Und Ähnliches hat die Insel Lampedusa eingeführt: Hier können Touristen den berühmten „Kaninchenstrand“ nur noch gegen Gebühr betreten.
Für Italien bleiben alle Maßnahmen ein Spagat: Während der Klimawandel Südeuropa unattraktiver machen könnte, und die andauernde Inflation den Tourismus in günstigere Länder verschieben könnte, sind in Südeuropa immerhin 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf den Tourismus zurückzuführen. Reisebegeisterte sind dabei überzeugt: Abseits der Hauptsaison und Hotspots, lässt sich Italiens Dolce Vita auch in weniger bekannten Regionen erleben – wie etwa im familiären, italienischen Agritourismo. (kat)
