Wetter-Katastrophe in Kroatien-Region: „Das könnte einen Mann töten“
VonFlorian Zerhoch
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Die Balkan-Region wird von Dürre und Hitze heimgesucht. Seit Wochen herrscht absolute Trockenheit. Kroatiens Landwirtschaft drohen schwere Einbußen.
Osijek – Extreme Hitze und Trockenheit haben den Mittelmeerraum fest im Griff. In einigen Regionen Südeuropas sind in den vergangenen Tagen folgenschwere Waldbrände ausgebrochen. Bei Temperaturen von bis zu 40 Grad bietet selbst das Meer keine Abkühlung mehr – das Wasser hat an vielen Orten deutlich über 25 Grad.
Dürre im Osten Kroatiens: Landwirte bangen um Ertrag
Elende Dürre herrscht auch in der kroatischen Region Slawonien im Osten des Landes. Dass hier seit einer gefühlten Ewigkeit kein Tropfen Wasser mehr vom Himmel gefallen ist, bereitet der Bevölkerung besondere Sorgen. Denn die Region gilt als Kornkammer Kroatiens: Endlose Maisäcker und Sonnenblumenfelder prägen im eher unbekannten Osten des bekannten Urlaubslandes das Landschaftsbild. Erst kürzlich ist in der Region eine Schädlingsplage ausgebrochen.
Wie die kroatische Zeitung Dnevnik berichtet, wurden in Slawonien in diesem Jahr mehr Sonnenblumen gesät als in den Vorjahren. Waren im vergangenen Jahr noch rund 60.000 Hektar mit der Nutzpflanze bestückt, so haben die Landwirte in der kroatischen Region heuer um satte 11,7 Prozent zugelegt. 2025 sprießen auf satten 67.000 Hektar Sonnenblumen aus dem Boden Slawoniens – theoretisch zumindest. Die Realität sieht nämlich ganz anders aus:
Sonnenblumen in Kroatien leiden unter Dürre
Wie Dnevnik von einem Bauer aus dem Ort Đakovačka Satnica erfahren hat, sei seit dem 18. Mai kaum ein Tropfen vom Himmel gefallen. Ihre „wichtigste Kulturpflanze“, die Sonnenblume, habe erheblichen Schaden genommen – und das, obwohl sie die Sonne ihrem Namen entsprechend eigentlich gut wegsteckt. Keine fruchtbare Kornkammer, sondern ein „lebendiger Stein“ sei die Region derzeit, spielt der Bauer auf den von der Sonne ausgetrockneten und gehärteten Acker an: „Mit diesem Boden könnte ich einen Menschen töten, wenn ich ihn werfe“, so der Landwirt.
„Wenn es in diesem Jahr nicht in ein paar Tagen regnet, können wir getrost eine Naturkatastrophe ausrufen und der Ertrag wird um 70 Prozent sinken“, äußerst sich der Landwirt gegenüber der kroatischen Zeitung. Auch der gegenwärtige Einkaufspreis von Sonnenblumen sorge in Slawonien für lange Gesichter. Noch im Vorjahr habe der bei 410 Euro pro Tonne gelegen – heuer belaufe sich der Preis auf lediglich 360 Euro.
Sonnenblume als „wichtigste Kulturpflanze“ von Kroatien
Dass die eigentlich recht unempfindlichen Pflanzen zunehmend ihre Köpfe hängen lassen, beunruhigt auch Igor Mikulić von der kroatischen Wirtschaftskammer. Mikulić erklärt, Sonnenblumen seien in wirtschaftlicher Hinsicht die „wichtigste Kulturpflanzen“ Kroatiens. „Wir haben einheimisches Öl aus einheimischen Sonnenblumen“, betont er.
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Angesichts des Klimawandels findet auch in Kroatien mittlerweile ein Umdenken statt. Um Ernteausfälle und finanzielle Einbußen abzufedern, will man in Slawonien künftig auch auf andere Kulturen setzen, die einerseits den Spätfrost besser wegstecken und zugleich hitzebeständiger sind, schreibt das kroatische Nachrichtenportal HRT. Ferner soll eine geringere Bodenbearbeitung sowohl die Fruchtbarkeit verbessern als auch den Wasserverbrauch zurückdrehen. Neue Wege möchte man nach HRT-Informationen auch bei der Düngung gehen und chemische Mittel durch ökologische Alternativen ersetzen. Längerfristig könne man auf diesem Weg die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen in die Höhe treiben, schreibt HRT unter Berufung auf Aussagen von Željko Špoljarić, einem Experten für Fütterung und Schutz von Pflanzen- und Tieren (fz).