Coronavirus

Wie Corona das Herz dauerhaft schädigt: Jeder 3. von Herzproblemen betroffen

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Das Coronavirus schädigt bei schweren Infektionen das Herz. Bei jedem dritten Patienten kommt es zu Herzproblemen wie Herzmuskelentzündungen. Ein Forscherteam hat jetzt herausgefunden, welche Mechanismen diese Schädigungen verursachen.

Hannover/Bremen – Infektionen mit dem Coronavirus werden in erster Linie mit Schädigungen der Lunge und starken Beeinträchtigungen der Atmung in Verbindung gebracht. Doch schwere Infektionen mit Sars-Covid-19 greifen auch das Herz an – und zwar in einem erheblichen Ausmaß. Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover konnten nun die Mechanismen ermitteln, die für die Folgeschäden am Herzen verantwortlich sind. Diese können oft sogar lebensbedrohlich sein. Das Spektrum reicht von einer akuten Herzmuskelentzündung (Myokarditis) bis zu einer chronischen Einschränkung der Pumpfunktion des Herzens. Nach Angaben der Hochschule ist jeder dritte Patient nach einer schweren Covid-19-Erkrankung von Herzproblemen betroffen.

Nach schweren Coronainfektionen kommt es bei jedem Dritten zu Herzproblemen.

Long Covid: Jeder 3. hat nach schwerer Corona-Infektion mit Herzproblemen zu kämpfen

Die Verläufe bei Infektionen mit den hochansteckenden Omikronvarianten wie das sich aktuell stark ausbreitende XBB.1.5, der Variante BF.7, die laut Experten das Ende der Pandemie bedeuten könnte, oder der „Höllenhund“ Omikron BQ.1.1 sind zwar oft mild. Dennoch kommt es aber auch weiterhin zu schweren Erkrankungen mit Hospitalisierung durch Coronainfektionen – gerade bei Risikogruppen. Jeder dritte von ihnen könnte anschließend mit Herzproblemen zu kämpfen haben, wie das interdisziplinäre Forschungsteam um Professor Dr. Danny Jonigk, Christopher Werlein und Privatdozent (PD) Dr. Mark Kühnel vom Institut für Pathologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) herausfand.

Verläufe bei Omikronvarianten wie XBB.1.5, Omikron BQ.1.1 oder Omikron BF.7 zwar meist mild, für Risikogruppen besteht aber weiterhin Gesundheitsgefährdung

Mit neuartigen molekularen Verfahren und einem hochauflösenden Mikroskopieverfahren haben die Forschenden Herzgewebe von Patientinnen und Patienten mit schweren Covid-19-Verläufen untersucht, um die Mechanismen dieser lang anhaltenden Herzmuskelschädigung aufzuklären. Dabei haben sie Gewebeproben nach schweren Grippeinfektionen sowie nach schweren, durch andere Viren verursachten Herzmuskelentzündungen verglichen.

Die Wissenschaftler konnten dabei beobachten, dass bei Infizierten in den kleinsten Herzkranzgefäßen ein Umbau stattfindet, weil Vorläuferzellen des Immunsystems aus dem Blut in das Herz gelotst wurden. Dadurch lösten sie bestimmte Vorgänge aus, die kleinste Verstopfungen in den nur wenige Millimeter dicken Herzgefäßen entstehen ließen, sogenannte Ultrathromben. „Diese Ultrathromben verändern den Blutstrom erheblich und damit auch die Sauerstoffversorgung“, erklärt PD Dr. Kühnel. Das rufe die Monozyten auf den Plan, die sich an die inneren Gefäßwände heften und dort neue Verzweigungen ausbilden.

Nach Corona-Infektion: Gefäßumbau durch Coronavirus kann zu chronischen Herzproblemen und Long Covid führen

Diesen Gefäßumbau hat das Team bereits zuvor in anderen Organen von Covid-19 Betroffenen als charakteristisches Schädigungsmuster beschrieben. Die Experten vermuten, dass dies möglicherweise als kurzfristige Rettungsreaktion des Körpers gedacht ist, um den verminderten Blutfluss und die Unterversorgung mit Sauerstoff auszugleichen. Langfristig könnte es jedoch zur chronischen Schädigung des Herzens und zu Long Covid führen, wie die Untersuchungsergebnisse nahelegen, die in der Fachzeitschrift Angiogenesis veröffentlicht wurden.

Fehlaktivierte Entzündungszellen schädigen das Herz und können Herzmuskelentzündungen und andere Herzprobleme verursachen

Obwohl bei der Covid-19-Herzschädigung – anders als bei den Vergleichsproben – äußerlich keine klassische Entzündung des Herzgewebes festzustellen war, fand das Forschungsteam jedoch eine große Ansammlung von fehlaktivierten Entzündungszellen: sogenannte Makrophagen und ihre Vorläuferzellen, die Monozyten. „Diese Monozyten haben eine herausragende Bedeutung als Vorläuferzellen der Blutgefäßneubildung und können in kürzester Zeit das Blutgefäßsystem umbauen“, erklärt Christopher Werlein, Erstautor der Studie. 

„Sars-CoV-2 greift systemisch alle Gefäße im Körper an und baut diese langfristig um“

„Auf jeden Fall bestätigen die neuesten Untersuchungen unsere frühere Annahme, dass Sars-CoV-2 systemisch alle Gefäße im Körper angreift und diese langfristig umbaut“, betonte Professor Jonigk. Das exakte Ausmaß dieser Folgen muss nun weiter untersucht werden. Auch, ob möglicherweise bestimmte individuelle Risikofaktoren das Auftreten derartiger Schädigungen begünstigen. Denn das Coronavirus stellt auch wegen möglicher Folgeerkrankungen weiterhin ein Gesundheitsproblem dar, auch wenn zuletzt andere Atemwegserkrankungen wie Influenza oder das RS-Virus stärker im Vordergrund standen.

Aktuell gibt es 437.800 bestätigte Corona-Infektionen in Deutschland, 1214 Infizierte befinden sich derzeit in Intensivbehandlung. Die Hospitalisierungsrate pro 100.000 Einwohner beträgt 6,59. Laut der vorgelegten Studie könnte jeder dritte davon anschließend Herzprobleme zurückbehalten. Im Januar 2023 sind bisher 1.223 Menschen durch eine Coronainfektion gestorben – das sind nahezu doppelt so viele wie im Dezember.

Rubriklistenbild: © Isai Hernandez/IMAGO

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