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Auf einer Insel im Ärmelkanal nahe Frankreich haben Archäologinnen und Archäologen 1600 Jahre alte Münzen ausgegraben. Eine zeigt das Abbild eines ermordeten Kaisers.
Frankfurt – Archäologische Entdeckungen sorgen immer wieder für Aufsehen und schließen bedeutende Wissenslücken. Kürzlich stießen Fachleute in Innsbruck auf eine einzigartige, 1500 Jahre alte Elfenbeindose. Jetzt haben Archäologinnen und Archäologen auf der Insel Alderney im Ärmelkanal zwei antike Münzen gefunden. Eine dieser Münzen zeigt den bekannten Kaiser Valens, der einem Attentat zum Opfer fiel, wie die Wissenschaftswebsite Live Science berichtet.
Historischer Fund auf Alderney: Bronzemünze mit Abbild des Kaisers Valens
Eine der gefundenen Münzen besteht aus Bronze und zeigt das Bildnis von Valens, einem Kaiser, der zwischen 364 und 367 n. Chr. den östlichen Teil des Römischen Reiches regierte. Valens wurde in der Schlacht von Adrianopel, in der heutigen Türkei, von einfallenden Goten getötet. Das Bild auf der Münze ist kaum noch zu erkennen, da diese Bronzemünzen nicht besonders hochwertig gefertigt waren, so der Archäologe Jason Monaghan. Zu dieser Zeit hatte der Niedergang des Römischen Reiches im Westen bereits begonnen.
Die zweite Münze ist eine Silbermünze namens „Antoninianus“ aus dem Jahr 255 n. Chr. Sie zeigt die Büste von Valerian II., dem Enkel des römischen Kaisers Valerian. Valerian II. starb jedoch zwei Jahre nach seiner Ernennung zum Kaiser unter verdächtigen Umständen.
Münzfunde im Ärmelkanal: Antike Inflation spürbar
Jason Monaghan beschreibt die Silbermünze als „etwas größer als mein Daumennagel“, „ziemlich dünn“ und nicht vollständig aus Silber. Aufgrund der damaligen Inflation hätten die Römer das Silber in ihren Münzen verdünnt, erklärt der Fachmann.
Alderney im Ärmelkanal: „Wie ein Miniatur-Pompeji“
Seit 2008 führen Archäologinnen und Archäologen auf Alderney Ausgrabungen durch und entdecken dabei zahlreiche Überreste. „Es ist wie ein Miniatur-Pompeji“, sagt Monaghan. Neben einer römischen Festung fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch andere Gebäudereste, zuletzt 2019. Sie vermuten, dass die Römer von der Insel aus die Handelsrouten vor der französischen Küste überwachten.
Auch im Rhein-Main-Gebiet wird immer wieder nach römischen Relikten gesucht – etwa bei der Planung des Neubaugebiets Marxheim II in Hofheim.
Rubriklistenbild: © Dig Alderney
