Wird immer teurer: Studie verrät, wo Italien-Urlauber die günstigste Pizza bekommen
VonFabian Hartmann
schließen
Als Vertreter der „Cucina Povera“ ist Pizza in Italien eigentlich eine einfache Mahlzeit. Jenen Status büßt sie durch Preissteigerungen jedoch immer mehr ein.
Neapel/Rom – Als Pizza im 19. Jahrhundert in Neapel erfunden wurde, galt sie als Mahlzeit für die weniger Wohlhabenden. Als einfaches Gericht zählt Pizza zur „Cucina Povera“. Einer Küche, die in Italien für einfache Mahlzeiten aus kostengünstigen Zutaten steht. Weitere Gerichte aus der „Cucina Povera“ sind der toskanische Brotsalat „Panzanella“, Orecchiette mit Kichererbsen aus Apulien und „Risi e Bisi“ aus Padua – oder Venedig, wobei Historiker hier uneins sind.
Mit der Verbreitung der Pizza in vielen Ländern der Welt entstanden zahlreiche neue Varianten, darunter der Chicago- und Detroit-Stil in den USA. Auch die in Italien bis heute umstrittene Pizza Hawaii, die während des Wirtschaftswunders in Deutschland erfunden wurde, gehört dazu. Diese globale Expansion ließ den ursprünglichen Status der Pizza als Arme-Leute-Essen in Vergessenheit geraten. Die aktuellen Preise in Italien zeigen zudem, dass Pizza längst nicht mehr nur ein günstiges Gericht ist.
Am günstigsten ist Pizza in Italien nicht etwa in Neapel – sondern in einer Hafenstadt in der Toskana
Laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa sind die Durchschnittspreise für Pizza in Italien in den letzten sechs Jahren um 18,3 Prozent gestiegen. Der aktuelle Durchschnittspreis liegt bei etwa zwölf Euro. Diese Daten stammen aus einer Analyse des Centro di formazione e ricerca sui consumi (Crc), basierend auf Istat-Daten von Mimit. Der jährliche Umsatz im Pizzeria-Geschäft in Italien beläuft sich auf rund 25 Milliarden Euro, und der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei 7,8 Kilo pro Jahr.
Die Frage, wo in Italien die Pizza am günstigsten oder teuersten ist, dürfte besonders für Reisende von Interesse sein. Am unteren Ende der Preisskala überrascht das Ergebnis: Die günstigste Pizza Italiens lässt ich nicht etwa in ihrer Geburtsstätte, Neapel, finden. In Neapel boomt der Tourismus, und im Vorjahr wurden laut La Repubblica14,5 Millionen Touristen gezählt. Für das aktuelle Jahr erwartet man sogar 17 Millionen Besucher.
Die günstigsten Pizza-Preise in Italien findet man derzeit in Livorno, einer Hafenstadt in der Toskana. Diese Stadt, die wegen ihrer Kanäle als „Venedig der Toskana“ bekannt ist, hat eine historisch gewachsene linke politische Ausrichtung. Hier kostet eine Pizza mit Getränk im Durchschnitt nur 8,75 Euro. Dies zeigt, dass der Ursprung der Pizza als Gericht der Cucina Povera in Livorno noch nicht ganz vergessen ist.
Strände, Städte, kulturelle Highlights: Die schönsten Urlaubsorte in Italien
Auch in Kalabrien, im Süden des italienischen Festlands, sind die Preise moderat. In Reggio Calabria an der Straße von Messina zahlt man durchschnittlich 9,15 Euro für eine Pizza mit Getränk. In Catanzaro, ebenfalls in Kalabrien, liegt der Preis bei 9,96 Euro. Dagegen kostet in Pescara an der Adria eine Pizza mit Getränk im Durchschnitt 9,37 Euro.
Pizza ist in Italien um fast 20 Prozent teurer geworden – am teuersten ist sie im Norden
In Reggio-Emilia im Norden Italiens zahlen Gäste derzeit am meisten für eine Pizza. Der Durchschnittspreis für eine Mahlzeit, die eine Pizza und ein Getränk umfasst, liegt hier bei 17,58 Euro. Siena, eine bedeutende Universitätsstadt in der Toskana, folgt mit einem Preis von 17,24 Euro. An dritter Stelle steht Macerata in den Marken, wo der Preis bei 16,25 Euro liegt. Insgesamt wurden in der Analyse des italienischen Verbraucherzentrums die durchschnittlichen Pizzeria-Preise in 59 Provinzen untersucht. In sieben dieser Provinzen kostet eine Pizza mit Getränk 14 Euro oder mehr.
Furio Truzzi, Vorsitzender des Crc, erklärt, dass es für den Anstieg der Pizzapreise „eine Reihe von Faktoren“ gibt: „Zunächst führten die Covid-Pandemie und dann die hohen Energiekosten zu einem Kostenanstieg bei den Pizzerien, der über einen Anstieg der Einzelhandelspreise an die Endverbraucher weitergegeben wurde. Zweitens führten der Krieg in der Ukraine und die Krise bei einigen Rohstoffen, angefangen bei Mehl und Öl, die für die Herstellung von Pizza verwendet werden, zu weiteren Preiserhöhungen für die Öffentlichkeit, die nach Beendigung des Notstands nicht wieder rückgängig gemacht wurden.“
Und das liegt daran, dass – wie Truzzi noch einmal betont – die Pizza ein von den Italienern so geliebtes Lebensmittel ist, dass sie zu einem Produkt mit starrer Nachfrage geworden ist: „Mit anderen Worten, ihr Verbrauch ändert sich nicht, wenn der Preis schwankt, was den öffentlichen Einrichtungen zugutekommt“. Erst kürzlich bestellte Alt-Kanzlerin Merkel Pizza im Italien-Urlaub. (fh)