- VonBettina Menzelschließen
Im UNESCO-Welterbe in den Dolomiten unterstützte Regen die Arbeit der Wissenschaftler – der Niederschlag förderte unerwartete Funde zutage.
Aldein – Die Dolomiten genießen den Status UNESCO-Welterbe aufgrund ihrer atemberaubenden Landschaft und ihrer bedeutenden geologischen Merkmale. In den Felsen schlummern fossile Pflanzenreste und versteinerte Saurierfährten – und viele wissenschaftliche Erkenntnisse. Ein Forscherteam reiste in der vergangenen Woche in die Dolomiten, um eine moderne Technik zu testen und entdeckte „beiläufig“ neue Funde, wie eine Sprecherin des Geoparks Bletterbach am Montag (15. Juli) IPPEN.MEDIA bestätigte.
Außergewöhnlicher Fund in den Dolomiten – dank langanhaltender Regenfälle
Der Juni war in Südtirol in Italien außergewöhnlich regnerisch: Laut Angaben des Landesamts für Meteorologie und Lawinenwarnung fiel 30 Prozent mehr Niederschlag als üblich. Diese Witterungsbedingungen haben ganz zufällig zu neuen fossilen Funden geführt. Ein Forscherteam um Paläontologin Evelyn Kustascher vom Naturmuseum Bozen und Matteo Massironi von der Universität Ca‘Foscari in Venedig war vergangene Woche im Geoparc Bletterbach in Südtirol, um den Einsatz von multispektralen Analysen in den Dolomiten zu testen. Ebenfalls durch Zufall entdeckten Forscher einen Sensationsfund in Grabeskirche in Jerusalem.
Während ihrer aktuellen Forschungsexpedition entdeckten die Wissenschaftler bemerkenswerte Gesteinsblöcke, die durch die jüngsten, anhaltenden Regenfälle freigelegt worden waren, wie es in einer Pressemitteilung des Geoparc Bletterbach hieß. „Darunter mehrere riesige Blöcke, an denen man schöne fossile Äste und Baumstämme erkennen kann“, wie die Forscherin Kustascher erklärte. Solche Funde habe man im Bletterbach bisher noch nie gemacht, betonte die Expertin weiter. Peter Daldos, der Präsident des Geoparc Bletterbach sagte, es sei erstaunlich, „wie die Bletterbachschlucht immer wieder mit neuen Fossilien überrascht“.
Fund in Italien-Gebirge: Diese Technik macht versteckte Schätze im Gestein sichtbar
Die Wissenschaftler setzten die multispektrale Analysen ein, um das Gestein zu untersuchen und Pflanzenfossil-führende Schichten zu identifizieren. Diese fortschrittliche Technik ermöglicht nicht nur die Darstellung von normalem Licht, sondern auch von Infrarot- oder ultraviolettem Wellenlängen. Dadurch können die Forscher verborgene Fossilien im Gestein entdecken, die sich mit dem bloßen Auge nicht erkennen lassen. „Da unterschiedliche Materialien Licht bei verschiedenen Wellenlängen reflektieren und absorbieren, kann man anhand der Reflexionssignaturen unterschiedliche Materialien voneinander unterscheiden“, erklärt die Paläontologin Kustatscher bei IPPEN.MEDIA.
Zukünftig kann die Technologie die Grabungen effizienter gestalten, da die Forscher dank der multispektralen Analyse genauer wissen, wo sie nach besonderen Funden suchen müssen. Zugleich lassen sich die multispektralen Aufnahmen digital speichern, was weitere umfassende Analysen ermöglicht. „Es war ein glücklicher Zufall, dass wir sogleich wissenschaftlich verwendbare Aufnahmen dieses interessanten Materials machen konnten, zumal es unmöglich ist, diese Blöcke heil aus der Schlucht zu bergen und die Erosion freilich tagtäglich ihr zerstörerisches Werk fortführt“, erklärte Kustatscher weiter.
Die Paläontologin erklärt, wie es weitergeht: Man habe die Multispektralkamera an den neuen Fossilien ausprobiert, um die Signatur dieser Pflanzenfossilien dann auch in den Gesteinswänden wiederzufinden. „Ob es funktioniert hat, wird sich in ein paar Wochen zeigen, wenn die digitalen Datensätze vollständig ausgewertet sind.“ Ob und wie spektrale Aufnahmen im Dolomiten UNESCO-Welterbe Bletterbach in Zukunft eingesetzt werden können, werde sich in den nächsten Monaten zeigen, hieß es weiter. Derweil stellt die wahrscheinlich weltweit älteste Höhlenmalerei Forscher vor ein Rätsel.
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