VonJohannes Nußschließen
Drei Buchstaben und zwei Zahlen lassen Europa zittern. Die Corona-Variante XBB.1.5 schwappt aus den USA zu uns herüber. Was das für Deutschland bedeutet.
Bremen/Washington – Sie ist extrem ansteckend und sie ist bereits in Deutschland angekommen: Die Corona-Variante XBB.1.5 – aufgrund ihrer extrem ansteckenden Eigenschaft im Internet bereits auf den Namen „Kraken“ getauft - ist aktuell die dominierende Variante in den USA und dem Rest von Nordamerika. Bei dieser Corona-Mutante kommen erstmals zwei Omikron-Varianten zusammen, die sich verbunden haben. Die Variante ist laut Expertenmeinungen und verschiedenen Medienberichten zufolge so ansteckend wie keine Corona-Variante zuvor. Sie zeichnet sich durch eine Mutation im Spike-Protein aus, mit dem sich das Coronavirus an menschliche Zellen bindet.
Corona-Variante XBB.1.5: „Kraken“ ist bereits in Deutschland nachgewiesen worden
In Deutschland wurde die Corona-Variante XBB.1.5 beziehungsweise Kraken bereits nachgewiesen. Wenngleich sie noch nicht dominierend in unseren Breitengraden ist, rechnen Experten damit, dass sich der Anteil der neuen Variante im Laufe des Januars noch auf drei bis sechs Prozent steigern könnte. Danach ist davon auszugehen, dass die Variante das Infektionsgeschehen langsam aber sicher dominieren wird. Inzwischen wurde die Corona-Variante XBB.1.5 beziehungsweise Kraken auch in Pakistan nachgewiesen
„Man kann mit einiger prognostischer Sicherheit sagen, dass die Variante auch bei uns die dominante Variante werden wird“, sagt der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb. Anlass zu großer Sorge gebe es aber nicht. „Wir sehen zwar etwas mehr Fälle in den USA, aber da läuft keine gigantische Welle ab.“
XBB.1.5 beziehungsweise Kraken habe im Nordosten der USA schnell an Häufigkeit zugenommen und dominiere dort seit Mitte Dezember das Infektionsgeschehen, sagte Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien am Biozentrum der Universität Basel. Außerhalb des Nordostens der USA sei die Variante noch seltener verbreitet, der Anteil nehme aber zu.
Seit Oktober ist Corona-Variante XBB.1.5 oder „Kraken“ in Deutschland bekannt
„Die grundsätzliche Variante ist seit Oktober bekannt“, sagte Zeeb, Leiter des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen. „Da wurde erstmalig gesehen, dass die Kombination von Untervarianten aufgetreten ist.“ Die Besonderheit von XBB.1.5 beziehungsweise Kraken sei eben die noch mal höhere Infektiosität. „Die war bei Omikron schon entwickelt, XBB.1.5 toppt das jetzt noch mal.“
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Die Sublinie sei so leicht übertragbar wie keine der bisher bekannten Varianten, hatte die Corona-Spezialistin Maria van Kerkhove von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Mittwoch in Genf gesagt. Es werde angenommen, dass XBB.1.5 beziehungsweise Kraken einen „großen Wachstumsvorteil“ gegenüber den zuvor zirkulierenden Linien in Nordamerika und Europa habe, teilte die EU-Gesundheitsbehörde ECDC am Donnerstag mit. Diese Annahme sei aber noch mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) äußerte sich bereits besorgt. Am Donnerstag twitterte er: „Hoffentlich kommen wir durch den Winter, bevor eine solche Variante sich bei uns ausbreiten kann.“
Corona-Variante XBB.1.5: Bis jetzt wenig Erkenntnisse über schwere Verläufe mit „Kraken“ in Deutschland
Neher zufolge gibt es bisher wenig Informationen über den Schweregrad von Erkrankungen mit der neuen Sublinie. Fälle und Krankenhausaufenthalte hätten in den gesamten USA zugenommen, nicht nur in Regionen, in denen XBB.1.5 beziehungsweise Kraken vorherrsche, sagte der Experte. Das sei zumindest ein erster Hinweis darauf, dass sich der Schweregrad von XBB.1.5-Infektionen nicht wesentlich von dem anderer aktuell kursierender Varianten unterscheide.
Und was bedeutet die Sublinie für Deutschland? „XBB.1.5 trifft auf eine wieder nachlassende Immunität von Menschen, deren Impfung oder Infektion schon länger zurückliegt“, erklärte Zeeb. „Erst in den USA und in der Folge dann auch bei uns in Deutschland.“ Allerdings sei die Zahl der Nachweise von XBB.1.5 beziehungsweise Kraken in Deutschland zurzeit noch sehr gering. „Da muss man noch nicht über neue Maßnahmen nachdenken.“
Corona-Variante XBB.1.5: „Kraken“ wurde in Deutschland erstmals im November in einer Stichprobe gefunden
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts wurde die Sublinie Ende November das erste Mal in einer Stichprobe in Deutschland gefunden. Laut ECDC könnte sie zunehmenden Einfluss auf die Zahl der Corona-Fälle in Europa haben, allerdings nicht schon innerhalb des nächsten Monats, da sie derzeit erst in geringem Umfang vorkomme. Die Häufigkeit von XBB.1.5 beziehungsweise Kraken habe sich etwa jede Woche verdoppelt, teilte Neher mit.
Wichtig sei, die Entwicklung genau zu beobachten, sagte Zeeb. Die fortlaufende Sequenzierung von Proben sei sehr wichtig und müsse auf hohem Niveau beibehalten werden. Dafür müsse man europaweit zusammenarbeiten. „Es sollte ein guter Anteil von Fällen aus allen Ländern sequenziert werden. Das ist wichtig, um dann wirklich relevante Veränderungen möglichst frühzeitig zu erkennen“, so der Bremer Zeeb.
Trotz der zu erwartenden hohen Ansteckungsraten ist derzeit noch nicht viel bekannt darüber, wie sich die Verläufe von Corona bei der Infektion mit der Variante XBB.1.5 beziehungsweise Kraken in Deutschland gestalten. Der Virologe Luka Cicin-Sain vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, empfiehlt Senioren und Vorerkrankten, deren Impfung oder Corona-Infektion mehr als sechs Monate zurückliegt, eine Booster-Impfung mit dem auf Omikron angepassten Impfstoff. (mit Material der dpa)
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