Einbrecher im digitalen Zeitalter

"Zeit für nen Wachhund": Rätselhafte Symbole an Gebäudefassade – die verborgene Kommunikation von Dieben

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Ein Hauseingang in Berlin (Symbolbild).
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Diebesgruppen nutzen Techniken, um möglichst unentdeckt zu bleiben. Die Auswahl eines Hauses ist selten zufällig. Sie verwenden häufig geheime Kennzeichnungen.

Imst – Sommerzeit ist Einbruchszeit. Viele Menschen fahren in den Urlaub – und ihr Zuhause gerät ins Visier von Kriminellen. Professionelle Einbrecherbanden schlagen nicht einfach zu, sondern überwachen Wohngebäude zunächst. Um geeignete Objekte zu markieren und gefährliche auszuschließen, arbeiten die Kriminellen auch mit geheimen Codes an den Hauswänden, sogenannten „Gaunerzinken“. Doch das sind nicht die einzigen Tricks.

Gaunerzinken in Österreich entdeckt? Reddit-Nutzer rätseln über Bedeutung

Nutzer auf der Plattform Reddit diskutierten in der vergangenen Woche einen mutmaßlichen aktuellen Fall eines Gaunerzinkens. Ein mit einem Stift oder Kreide an eine Hauswand in der österreichischen Stadt Imst gemaltes Bild zeigt eine Art fünfarmiger Spinne. „Bitte Hilfe, was bedeutet diese Markierung am Haus? Heute waren zwei Bettlerinnen da. Verbrechen Incoming?“, so die Frage dazu. Schnell fällt in den Kommentaren die Antwort „Gaunerzinken“. Ein Nutzer rät: „Bedeutet, es ist Zeit für nen Wachhund.“

Seit dem 12. Jahrhundert kommunizieren Einbrecher und Bettler mit solchen Zeichen, die sich bis heute halten. Auch wenn deren Relevanz immer weiter abnimmt. Eine Zickzack-Linie bedeutet laut Polizei beispielsweise „bissiger Hund“, eine doppelte Raute „Hier gibt es Geld“. Das auf Reddit entdeckte Symbol ist nicht genau in der Liste zu finden. Am ehesten ähnelt es aber einem Kreis mit fünf Strichen, dieser hätte die Bedeutung: „Achtung Gefahr“. Unklar ist jedoch, ob es sich bei dem in Österreich entdeckten Symbol tatsächlich um einen Gaunerzinken handelt.

Bitte Hilfe, was bedeutet diese Markierung am Haus? Heute waren 2 Bettlerinnen da. Verbrechen Incoming?
byu/AfraidPossession745 inTirol

Diebesbanden im digitalen Zeitalter: Die unauffälligen Zeichen moderner Einbrecher

Der Polizei sind solche Zeichen längst bekannt. Doch das digitale Zeitalter ist auch bei Verbrechern längst angekommen. Einbrecherbanden greifen in der heutigen Zeit in aller Regel auf moderne Kommunikationswege und Kommunikationskanäle zurück, informiert die Kriminalpolizei. Kriminelle nutzen heute digitale Technologien wie etwa internetbasierte Nachrichtendienste, um sich auszutauschen und ihre Aktionen zu koordinieren. Heutzutage gibt es auch das sogenannte WarChalking, das Informationen über das WLAN eines Hauses oder sogar dazugehörender Passwörter angibt.

Modernere Methoden sind beispielsweise an Türen angebrachte hauchdünne Klebestreifen oder unsichtbare Plastikstreifen. Damit lässt sich schnell herausfinden, ob die Tür bewegt wurde – ob also jemand zu Hause ist oder nicht. Den gleichen Zweck erfüllen „schmale Papier- oder Plastikstreifen, zerschnittene Trinkhalme oder ähnliches, unauffällig zwischen Tür und Türstock gesteckt“, wie das österreichische Kriminalamt informiert. Auch Steine, Laub oder Äste können zwischen Rollläden oder Türen geklemmt, wie die Polizei warnt.

Neue Einbruchsmethoden: Diese Tipps helfen, Verbrechen vorzubeugen

Um Einbrüchen vorzubeugen, empfehlen Experten einbruchshemmende Außentüren und Fenster sowie eine Alarmanlage. Verdächtige Personen sollten umgehend der Polizei gemeldet werden. Fenster sollten niemals auf Kipp bleiben und Urlaubsreisen nicht in den sozialen Medien angekündigt werden. Wer länger im Urlaub ist, sollte Freunde oder Nachbarn bitten, den Briefkasten zu leeren und ab und zu nach dem Rechten zu schauen.

Gaunerzinken entdeckt: So gehen Sie vor

- Aufmerksam sein. Gaunerzeichen finden sich häufig am Rahmen der Eingangstür, Briefkästen, neben Klingelschildern oder bei Gegensprechanlagen
- Zeichen fotografieren
- Zeichen entfernen
- Vorfall an die Polizei melden
- Nachbarn informieren

Quelle: Kriminalpolizei

Nicht nur die Überwachung, auch die Einbruchsmethoden selbst verfeinern die Diebesbanden immer weiter. Unlängst berichtete die Polizei Berlin von Einbrüchen mit konzentrierter Salpetersäure. Damit zerstörten die Täter Schlösser und Wohnungstüren, die sich dann fast geräuschlos öffnen lassen. Insgesamt 318 solcher Taten mit Säure zählte die Polizei in der deutschen Hauptstadt von 2022 bis in den Frühsommer 2024. „Die mitgeführte Salpetersäure ist hoch ätzend und kann somit zur Verätzung der Hautoberfläche und Schleimhäute führen“, warnt die Polizei.

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