Suche nach sechster Person eingestellt

Skitouren-Drama mit fünf Toten in der Schweiz – tragisches Telefonat öffentlich geworden

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Ein Gipfelkreuz nähe Zermatt im Kanton Wallis in der Schweiz (Symbolbild).
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Bei einem Bergunglück in der Schweiz starben fünf Skitourengeher. Nach mehr als einer Woche stellten die Rettungskräfte nun die Suche nach der sechsten Person ein.

Zermatt – In den Schweizer Alpen gerieten am 9. März sechs Skitourengeher in einen Schneesturm. Im Rahmen einer großen Suchaktion fanden die Rettungskräfte am darauffolgenden Tag die Leichen von fünf der sechs Vermissten, wie die Kantonspolizei Wallis mitteilte. Zehn Tage nach dem Unglück stellten die Behörden nun die Suche nach der noch vermissten 28-Jährigen ein. Sie hatte am Unglückstag noch einen Notruf abgesetzt.

Unwetter trifft Skitourengruppe: Windstärken von bis zu 130 Kilometern pro Stunde

Das Unglück ereignete sich im Gebiet des 3706 Meter hohen Tête Blanche in der Nähe von Zermatt. Das Team sei erfahren gewesen, heißt es im Schweizer Medium Blick. Mindestens einer der Tourengänger hatte mutmaßlich bereits am legendären Rennen im Skibergsteigen „Patrouille des Glaciers“ teilgenommen. Die Strecke, die am Samstagmorgen vor der Gruppe lag, war anspruchsvoll: Etwa 2000 Höhenmeter galt es zu überwinden. Es wird spekuliert, dass sich die Gruppe auf den Wettkampf „Patrouille des Glaciers“ vorbereiten wollte, denn die Route der Skitourengänger lief entlang der ersten Etappe.

Im Laufe des Samstagnachmittags verschlechterten sich die Wetterverhältnisse zunehmend. Ein Unwetter mit viel Niederschlag und Windböen von bis zu 130 Kilometern pro Stunde zog auf. Die Temperaturen lagen bei etwa minus 15 Grad. „Für Samstag wurde ein starker Sturm mit heftigen Niederschlägen angekündigt. Die meteorologischen Bedingungen mit Lawinenstufe 4 waren für eine solche Tour nicht geeignet“, sagte Anjan Truffer, Profibergsteiger und Rettungschef von Zermatt, laut Tages-Anzeiger.

Drama in den Schweizer Alpen: 28-Jährige rief noch den Notruf

Die Skitourengeher sollen Berichten zufolge nur leicht bekleidet gewesen sein, die Route auf dem Tête Blanche habe keinerlei Schutzmöglichkeiten geboten. Mit Lawinenschaufel hätte die Gruppe mitten im Schneesturm noch versucht, sich behelfsmäßig eine Höhle zu graben, um der Kälte zu entkommen. Die 28-jährige Frau hatte noch die Schweizer Bergwacht verständigt und über den Notfall in Kenntnis gesetzt. „Die Stimme war ruhig, es gab keinen großen Stress. Die Person hat uns die Situation erklärt. Sie steckten im Sturm fest“, berichtete der Mann der Bergwacht, der den Notruf entgegennahm, dem Walliser Boten. Das Gespräch wurde laut Blick nach wenigen Minuten unterbrochen und konnte nicht wiederhergestellt werden.

Die Rettungskräfte hatten den Skitourengehern noch Tipps zum Kälteschutz gegeben, hieß es. Eine Suchaktion wurde umgehend eingeleitet, doch die Bedingungen waren schwierig. Am Sonntagabend fanden die Einsatzkräfte die fünf Männer der Gruppe im Alter zwischen 21 und 58 Jahren tot auf. Die drei Brüder, deren Cousin sowie ein Onkel seien mutmaßlich erfroren. Die 28-jährige Frau blieb indes verschollen. „Nach Rücksprache mit der Familie wurde die Suche nun eingestellt“, teilte die Polizei am vergangenen Donnerstag mit. Die Einsatzkräfte würden jedoch weiterhin punktuell im Unfallgebiet Kontrollgänge machen, so die Kantonspolizei Wallis in einer Mitteilung.

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