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Der Super-Vulkan bei Neapel hatte sich ein paar Tage ruhig verhalten. Doch erneut schüttelt er die Hafenstadt Pozzuoli durch. Anwohner riechen Schwefel.
Pozzuoli – Eine knappe Woche hatte der Super-Vulkan der Phlegräischen Felder die Bewohner der Hafenstadt Pozzuoli und der Nachbargemeinden im Westen von Neapel (Italien) in trügerischer Sicherheit gewogen: Die Zahl der Beben sank drastisch von über 140 am Tag auf einstellige Werte, und diese Erdstöße waren so schwach, dass sie kaum jemand bemerkte.
Nach den mittelschweren Beben der vergangenen Monate, die die Angst vor einem großen Erdbeben oder gar einem katastrophalen Ausbruch des Super-Vulkans nährten, schien Ruhe eingekehrt.
Super-Vulkan in Italien: Es donnert wieder kräftiger unter Pozzuoli
Mittlerweile rumort es wieder deutlicher unter der Erde, am Montag (9. Oktober) wurden innerhalb von 24 Stunden zwölf Erdstöße gezählt, drei davon über der Schwelle von 1 auf der Richterskala. Das sind keine Erdstöße, um die man an sich Gedanken machen sollte. Aber manche spüren die Beben, denen ein Donnern vorhergeht: „Es ist wie ein Zug, der schnell unter der Erde fährt und einen anderen Zug trifft, der in die entgegengesetzte Richtung fährt“, beschreibt es ein User bei Facebook.
„Es riecht nach Schwefel und faulen Eiern“
Viele Bürger berichten vor allem im Osten von Pozzuoli an mehreren Orten über bestialischen Schwefelgeruch: „9.18 Uhr Erdbeben in der Via Pisciarelli, es stinkt furchtbar“, schreibt ein anderer User. „Es riecht nach Schwefel und faulen Eiern.“ Eine Frau schreibt: „Es hat so gestunken, dass mein Sohn nichts frühstücken wollte.“
Dass es im Krater des Solfatara-Vulkans bei Pozzuoli nach Schwefel riecht, sind die Menschen gewohnt, doch derzeit riecht es auch außerhalb stark nach dem Vulkan-Gas. Das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) berichtet am Montag (9. Oktober) in seinem Monatsbericht für September, dass die vulkanische CO₂-Ausgasung aus dem Boden sich um ein Drittel erhöht hat. Auch die Temperaturen in den heißen Quellen des Solfatara-Kraters „zeigen einen leichten Anstiegstrend“, heißt es.
Meer zieht sich zurück – der Fischerhafen hat bald kein Wasser mehr
Außerdem beobachten die Einwohner von Pozzouli, dass das Meer sich immer mehr zurückzieht. Tatsächlich hebt sich der Boden unter ihren Füßen aus dem Meer, was man besonders gut am alten Fischerhafen an der Kirche Assunta a Mare beobachten kann. Wo vor Jahren noch Fischkutter ankern konnten, wächst Gras, nur noch ein paar alte Boote dümpeln im Schlamm.
Boden schwillt weiter an – Fotos dokumentieren Phänomen
Im benachbarten Fährhafen kann man auch sehen, wie die anlegenden Schiffe immer niedriger gegenüber den Auffahrtsrampen liegen. Seit Juli 2005 ist der Boden 1,15 Meter aus dem Meer empor gestiegen. Grund ist die Magmakammer unter dem Supervulkan, in der sich der Druck erhöht hat.
Bodenverformung beschleunigt sich – Ursache laut Experten unklar
Ob die Lava direkt nach oben drückt oder nur Vulkangas ausströmt und darüber liegendes Grundwasser erhitzt, das nach oben drückt, ist nicht ganz klar. Beides kann zu verheerenden Vulkan-Explosionen führen.
Den Behörden zufolge hat sich die Hebung in den vergangenen Wochen enorm beschleunigt. Waren zuletzt pro Monat im Durchschnitt 1,5 Zentimeter Hebung registriert worden, stieg Pozzuoli dem neuen Bericht des INGV Ende September innerhalb von nur drei Tagen einen ganzen Zentimeter aus dem Meer auf – das ist eine Beschleunigung um das 20-Fache!

