Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Wettermodelle schlagen Alarm: Sahara-Wärmeblase bringt im November bis zu 20 Grad nach Europa

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Eine neue Hitzewelle rollt aus der Sahara über Europa. Temperaturen wie im Frühling – und das mitten im November. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

München – Kaum ist die erste Wärmewelle im November vorbei, kündigt sich in Mitteleuropa schon die nächste außergewöhnliche Wärmephase an. Aus Nordafrika strömen subtropische Luftmassen direkt über das Mittelmeer und Frankreich bis nach Deutschland. In rund 1500 Metern Höhe erreichen die Temperaturen bis zu 12 Grad mehr als üblich – ein Niveau, das sonst im späten Frühjahr vorkommt.

Sowas sieht man in dieser Dimension auch nicht alle Tage: Eine heftige positive Temperaturanomalie erfasst mitten im November West- und Mitteleuropa, lokal ist es in rund 1500 m mehr als 10 Grad „zu warm“ für die Jahreszeit.

Wenn sich die Sonne durchsetzt, könnten in den Niederungen Werte von 16 bis 20 Grad erreicht werden. Besonders im Westen und Südwesten Deutschlands, etwa im Rheinland, im Saarland oder am Oberrhein, sind sogar noch einmal fast frühsommerliche Bedingungen möglich.

Eine Wetterlage wie aus dem Sommer: Auswirkungen auf Mensch und Natur

So angenehm die Sonne im November auch wirken mag – der Körper ist auf solch abrupte Temperaturschwankungen kaum vorbereitet. Viele Menschen klagen in solchen Phasen über Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen. Auch die Natur gerät durcheinander: Pflanzen, die eigentlich in die Winterruhe übergehen sollten, treiben erneut aus. Obstbäume bilden teils Knospen, und Insekten bleiben länger aktiv. Diese Verschiebung kann langfristig ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen, weil etwa die Nahrungszyklen zwischen Tieren und Pflanzen nicht mehr synchron verlaufen.

Klimawandel oder zufälliger Ausreißer?

Meteorologisch betrachtet sind solche Wärmewellen im November zwar selten, aber nicht völlig ausgeschlossen. Doch dass sie mittlerweile fast jedes Jahr auftreten, lässt Fachleute aufhorchen. Die Zunahme solcher Extremlagen gilt als ein klares Anzeichen des Klimawandels. Durch die allgemeine Erwärmung der Atmosphäre verstärken sich Strömungsmuster, die Warmluft aus der Sahara nach Norden transportieren. Statt eines einmaligen Ausreißers sehen Klimaforscher darin ein Symptom eines sich wandelnden Wettersystems, das Europa künftig häufiger erleben dürfte – mit allen Folgen für Umwelt, Gesundheit und Energieverbrauch.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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