„Hat mich unglücklich gemacht“

„Zu viel Druck“: Mutter wendet sich von beliebter Erziehungsmethode ab

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Viele Eltern erziehen heute nach einer bestimmten Methode. Eine Mutter und Influencerin berichtet, warum sie sich davon distanziert hat.

Wer sich über Erziehung informieren möchte, landet heute oft bei einem bestimmten Konzept: dem bedürfnisorientierten Erziehen. Auf Social Media gibt es zahlreiche Eltern-Influencer, die sich mit der Methode beschäftigen und den Alltag mit ihren Kindern zeigen. Eine davon ist Marlies Johanna Heckner, die auf Instagram rund 300.000 und auf TikTok über 900.000 Follower hat. Bekannt wurde sie vor allem durch Videos, in denen sie einfühlsam auf ihre beiden Kinder im Alter von drei und fünf Jahren eingeht. Für viele Zuschauende war sie deswegen ein Vorbild für die bedürfnisorientierte Erziehung. Doch sie und ihr Mann distanzieren sich mittlerweile von dem Erziehungstrend.

„Wir erziehen nicht mehr so streng bedürfnisorientiert wie früher. Das Dogmatische daran haben wir schon vor etwa einem Jahr hinter uns gelassen“, sagt Heckner BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Viele Experten würden ihre Erziehungsmethoden trotzdem als bedürfnisorientiert einschätzen, wie die zweifache Mutter berichtet. Sie erklärt: „Eigentlich ist Bedürfnisorientierung eine Haltung: Die Bedürfnisse aller Familienmitglieder zählen und die des Kindes werden nicht übergangen“.

Mutter erklärt, wieso sie sich von bedürfnisorientierter Erziehung distanziert

Heckner und ihr Mann würden sich bereits seit rund einem Jahr von „bestimmten Ansätzen“ der bedürfnisorientierten Erziehung distanzieren. In einem Beitrag auf Instagram verkünden sie, dass sie „nicht mehr bedürfnisorientiert“ erziehen würden. „Ich nenne es so nicht mehr, weil mir der Begriff zu aufgeladen ist. Das war für mich sehr befreiend“, sagt die Influencerin. „Wenn ich öffentlich sage, ich erziehe nicht (mehr) bedürfnisorientiert, kann ich auf dem Spielplatz auch mal unperfekt reagieren, ohne mich sofort verurteilt zu fühlen.“

Nicht jeder kindlichen Laune müsse Raum gegeben werden. (Symbolbild)

Ihre Erziehungsmethoden in eine feste Kategorie einzuordnen, sei für Heckner mit „zu viel Druck“ verbunden gewesen. Sie sehe kein Problem darin, die Bedürfnisorientierung als ein dynamisches Konzept für sich zu nutzen. „Aber es gibt auch diese dogmatische Seite: Du musst stillen, tragen, niemals schreien lassen. Das hat mich unglücklich gemacht.“

Nicht hinter jedem Verhalten von Kindern steckt auch ein Bedürfnis

Besonders wichtig sei für die Mutter die Unterscheidung zwischen Wunsch und Bedürfnis. „Unser erstes Kind ist sehr kindzentriert und wunschzentriert aufgewachsen“, sagt Heckner. Sie habe auch im Alltag mit dem zweiten Kind erkannt: Nicht hinter jedem Wunsch oder Verhalten stecke ein Bedürfnis. „Wenn mein Kind sagt: ‚Mama, spielst du mit mir?‘, dann habe ich immer ja gesagt.“ Heute spiele sie kaum noch mit Spielzeug, sondern baue Spiele in den Alltag ein. Auch würde sie stärker auf ihre eigenen Bedürfnisse achten: „Früher hätte ich mir nicht erlaubt, mich tagsüber mit einem Buch aufs Sofa zu setzen. Jetzt sage ich: ‚Geht bitte ins Zimmer, ich will lesen‘“.

Wenn ständig die Wünsche der Kinder erfüllt würden, und seien es auch nicht-materielle Dinge, würden sie lernen, dass sich alles um sie drehe. „Heute gebe ich nicht mehr jeder Laune Raum. Wenn mein Kind einen Wutanfall hat, gehen wir trotzdem weiter spazieren“, sagt Heckner, „Kinder müssen lernen, dass andere Menschen Bedürfnisse und Grenzen haben.“

Rubriklistenbild: © IMAGO / Cavan Images

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