Italiens Supervulkan meldet sich zurück: Neue Erdbebenserie schreckt Bürger auf
VonJohannes Welte
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Der Supervulkan der phlegräischen Felder bei Neapel hatte nach Monaten hoher Erdbebenaktivität eine Pause eingelegt. Seit Donnerstag jagt wieder ein Beben das nächste. Die Angst vor einem Ausbruch ist zurück.
Pozzuoli - Im Sommer hatte der Supervulkan der phlegräischen Felder im Süden Italiens die Anwohner der Bucht von Pozzuoli am westlichen Stadtrand von Neapel mit schier endlosen Beben terrorisiert. Immer wieder trieben die Stöße mitten in der Nacht die Menschen auf die Straßen. Im Juni und im August wackelte die Erde in der Region über 1000 Mal, im September über 600 Mal. Es gab Tage, das bebte es über 100 Mal. Die Stöße erreichten eine Stärke von 4,2. Gott sei Dank gab es nur kleinere Schäden.
Italienischer Supervulkan hat Potential für Mega-Katastrophe
Die phlegräischen Felder sind ein riesiger Vulkankrater aus der Eiszeit mit einem Durchmesser von 16 Kilometern, der in vorgeschichtlicher Zeit mehrfach verheerend ausgebrochen ist, dabei die ganze heutige Provinz von Kampanien schwer verwüstet und Leben im Umkreis Dutzender Kilometer vernichtet hat.
Sogar das Klima hatte er weltweit beeinflusst und soll einer wissenschaftlichen Theorie zufolge das Aussterben der Neandertaler beschleunigt haben. Seit rund 40000 Jahren gab es innerhalb dieses Riesenkraters dann nur relativ kleine Ausbrüche, von denen Dutzende Seen und Hügel zeugen – zuletzt im Jahr 1538.
Neben der unaufhörlichen Erdbebenschwärme sorgte auch eine kontinuierliche Hebung der Erdoberfläche rund um die Hafenstadt Pozzuoli für große Sorge. Die Behörden erklärten das aber nicht mit unmittelbar unter der Erdoberfläche aufsteigendem Magma, sondern mit heißen Gasen und Wasser, die über einer tieferen Magmakammer erhitzt würden. Im Oktober wurde es dann plötzlich merkwürdig still um den Supervulkan. Die Erde bebte manchmal nur einmal am Tag und das meistens so schwach, dass es die Menschen nicht spürten.
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Doch Donnerstagabend meldete sich der Supervulkan wieder mit einem heftigen Stoß zurück, seitdem jagt ein Beben das nächste: Gegen 19:41 Uhr spürten die Bewohner der Region das Beben, das vom Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) eine Stärke von 3,1 auf der Richterskala hatte. Vor allem in Pozzuoli, aber auch in der Nachbarorten Quarto und Bacoli spürte man den Stoß und auch in einigen Stadtteilen von Neapel. Und wie so oft zuvor wurde das Beben von einem lautem Getöse begleitet. Das Epizentrum lag in der Nähe des für seine heißen Quellen als Touristenattraktion bekannten Vulkankraters Solfatara an der Grenze zwischen Pozzuoli und Neapel. Eine Überwachungskamera zeichnete auf, wie auf einer Terrasse alles wackelte.
Der Stoß war bereits von kleineren Beben angekündigt worden, bis zum Freitag (24. November) um elf Uhr wurden dann 22 Erdbeben innerhalb von 24 Stunden registriert, sieben davon lagen über der Stärke eins. Über 1145 Bürger des Gebiets meldeten dem INGV, dass sie die Stöße gespürt haben.
„Wie ein Ballon, der kurz vor dem Platzen ist“
In der Facebook-Gruppe „Die aus der Roten Zone der phlegräischen Felder“ macht sich wieder Angst breit: „Das bedeutet, dass die Aktivität leider wieder aufgenommen wurde“, schreibt eine Userin. „Tatsächlich geht's wieder los“, so ein User. Ein Carlo C.: tippt: „Es ist irgendwie wie etwas, das eine Tür schiebt. Lange war der Druck stark, dann ging er zurück, aber er hörte nicht auf. Früher oder später wackelt die Tür wieder“.
Die Verlangsamung das Aufsteigen des Bodens der vergangenen Wochen könne dadurch verursacht worden sein, dass dieser der jetzt an Elastizität verloren habe. Und so sei auch bei immer konstanten Druck die Steifheit des Bodens nicht mehr wie bisher gegeben. „Wie ein Ballon, der, wenn er aufgeblasen ist, das Volumen erhöht, aber dann an einem bestimmten Punkt angelangt, wo er sich nicht mehr weiter aufbläht.“ Jeder weiß, dass der Ballon dann kurz drauf platzt...
Experten warnen, dass die phlegräischen Feldern wie der benachbarte Vesuv reif für einen Ausbruch sind.