2000 Euro mehr durch Aktivrente: Merz-Regierung fördert Weiterarbeit – Rechnung zeigt Nutzen
VonCarmen Mörwald
schließen
Julia Hanigk
schließen
Bundeskanzler Merz entwirft die Aktivrente. Sie verspricht finanzielle Vorteile für arbeitende Rentner. Doch es gibt Hürden und Komplikationen.
Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) plant, dass Rentner länger im Berufsleben bleiben sollen. Ein konkreter Vorschlag sieht vor, ab 2026 finanzielle Anreize durch die sogenannte Aktivrente zu schaffen, um über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten. Diese Anreize umfassen steuerfreie Zusatzleistungen in Höhe von mehreren tausend Euro, die im Rahmen des Rentenpakets der schwarz-roten Koalition beschlossen wurden.
Bis zu 2000 Euro monatlich mehr für arbeitende Rentner
Ein zentrales Element der Aktivrente ist die großzügige Steuerbefreiung. Ab Januar 2026 können Rentner, die über die Regelaltersgrenze hinaus arbeiten, bis zu 2000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. Diese Regelung ergänzt die reguläre Rente und stellt eine steuerliche Entlastung des eigenen Einkommens dar, ohne dass es sich um eine staatliche Zusatzzahlung handelt.
Die Aktivrente richtet sich an Personen, die die Regelaltersgrenze erreicht haben. Diese liegt derzeit bei 66 Jahren und zwei Monaten und wird für die Jahrgänge ab 1963 schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Die Pläne der Merz-Regierung treffen auf eine Bevölkerung, die aus Angst vor Altersarmut ohnehin plant, über den Ruhestand hinaus zu arbeiten. Laut einer Umfrage sind mehr als die Hälfte (54,3 Prozent) der Befragten bereit, länger zu arbeiten.
Was ist die Aktivrente?
Die von der schwarz-roten Koalition geplante Aktivrente soll ältere Menschen motivieren, über das reguläre Rentenalter hinaus weiterzuarbeiten. Ab 2026 dürfen sie bis zu 2000 Euro im Monat steuerfrei zur regulären Rente dazuverdienen – ohne dass das Renteneinkommen gekürzt wird. Abgezogen werden nur Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Die Regelung gilt nur für Rentner, die die reguläre Altersgrenze erreicht haben.
Beispielrechnungen für Aktivrente zeigen Plus auf dem Konto
Andreas Irion, stellvertretender Präsident des Verbandes der Rentenberater, hat fürFocus OnlineBeispielrechnungen erstellt, um zu zeigen, wie Rentner die Aktivrente optimal nutzen können. Ein Rentner mit einem Bruttogehalt von 3000 Euro möchte 2026 in Rente gehen und mit der Aktivrente trotz Teilzeitarbeit das gleiche Nettoeinkommen wie zuvor erzielen. Seine reguläre Nettorente beträgt etwa 1200 Euro, sodass ihm 850 Euro zum früheren Einkommen fehlen. Um diese Lücke zu schließen, müsste er mit der Aktivrente nur etwa 950 Euro dazuverdienen, steuerfrei, jedoch mit Abzügen für Kranken- und Pflegeversicherung in gewohnter Höhe. Mit weniger als zwei Arbeitstagen pro Woche hätte er damit das gleiche Einkommen wie vor dem Renteneintritt, solange er weiterarbeitet.
Ein anderer Rentner plant, bereits mit 63 Jahren in Rente zu gehen und reduziert dafür seine Arbeitszeit, trotz Abschlägen. Da die Aktivrente erst ab dem regulären Rentenalter greift, muss er deutlich mehr arbeiten als im ersten Beispiel, um sein Nettogehalt zu erreichen: etwa 1690 Euro brutto monatlich, was 56 Prozent seines früheren Gehalts entspricht. Der höhere Betrag ergibt sich, weil er Steuern und alle Sozialabgaben zahlen muss. Zwar führt dies später zu einer Rentenerhöhung von etwa 100 Euro, jedoch bleibt seine Rente niedriger, da die Abschläge nicht ausgeglichen werden.
Rente für Auswanderer: Die begehrtesten Länder für Deutsche im Ruhestand
Bis 2000 Euro Renten-Extra: Merz Aktivrente ergänzt Flexirente
Die Einführung der Aktivrente ist eine Reaktion auf den demografischen Wandel in Deutschland. Der Fachkräftemangel und die Belastung der Rentenversicherung durch eine alternde Gesellschaft erfordern neue Lösungsansätze. Das Rentenpaket der Merz-Regierung zielt darauf ab, das Rentenniveau zu stabilisieren und gleichzeitig Anreize für längere Erwerbstätigkeit zu schaffen. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas von der SPDplant sogar, noch weiter zu gehen.
Die Aktivrente ergänzt die bereits bestehende Flexirente der Deutschen Rentenversicherung. Während Frührentner bei der Flexirente beliebig viel hinzuverdienen können, ohne dass ihre Rente gekürzt wird, bietet die Aktivrente zusätzliche steuerliche Vorteile für Rentner, die weiterarbeiten möchten. Allerdings profitieren vor allem diejenigen, die gesundheitlich und beruflich in der Lage sind, über das Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten. (cln/jh)