- VonMax Schäferschließen
Der Klimawandel trifft auch die Wirtschaft hart, wie eine Studie zeigt. Bei den Folgen der Krise offenbart sich eine massive Ungleichheit.
Potsdam – Mit der Klimakrise nehmen nicht nur die globalen Durchschnittstemperaturen zu. Trockenheit, Dürren, aber auch Starkregen und Überflutungen werden häufiger. Wie teuer die Folgen der Klimakrise für die Weltwirtschaft werden, haben nun Forschende des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) ermittelt. 2050 verliert die Weltwirtschaft demnach 19 Prozent im Vergleich zu einer Welt ohne Klimaveränderung. In einer konkreten Zahl sind das 38 Billionen Dollar.
„Unsere Studie zeigt, dass der Klimawandel innerhalb der nächsten 25 Jahre in fast allen Ländern der Welt massive wirtschaftliche Schäden verursachen wird“, zitiert das PIK die Studienleiterin Leonie Wenz in einer Mitteilung. „Es kostet uns weit weniger, das Klima zu schützen, als dies nicht zu tun.“ Die Kosten zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf zwei Grad betragen zur Mitte des Jahrhunderts knapp sechs Billionen Dollar, wie Wenz auf IPPEN.MEDIA-Nachfrage erklärt. Damit sind die Schäden sechsmal höher.
Der Klimawandel schadet der Wirtschaft durch niedrigere Erträge in der Landwirtschaft und verringerte Produktivität
Bei ihrer Studie haben die Potsdamer Forschenden empirische Erkenntnisse, wie Wetteränderungen und -extreme das Wirtschaftswachstum in 1600 subnationalen Regionen, in Deutschland die Bundesländer, in den letzten 40 Jahren beeinflusst haben, analysiert und mittels 21 Klimamodellen auf die nächsten 26 Jahre übertragen.
Anschließend haben sie verglichen, wie die Verringerung des regionalen Bruttoinlandsprodukts im Vergleich zu einer Welt ohne zusätzlichen Klimawandel ausfällt. Diese könnten auf verschiedene Arten durch den Temperaturanstieg und Niederschlagsänderungen oder -extreme verursacht werden. Auf Nachfrage nannte Wenz „verringerte landwirtschaftliche Erträge, verringerte Arbeitsproduktivität, Planungsunsicherheiten, Gesundheitseffekte oder Infrastrukturschäden“.
Die billionenschweren Schäden „resultieren hauptsächlich aus dem Temperaturanstieg, aber auch aus Veränderungen bei den Niederschlägen und der Temperaturvariabilität“, erklärte PIK-Forscher Maximilian Kotz in einer Mitteilung. Andere Wetterextreme wie Stürme oder Waldbrände sind in der Studie nicht berücksichtigt. „Ergebnisse anderer Studien legen aber nahe, dass diese die berechneten Schäden noch vergrößern können“, ergänzte Studienautorin Leonie Wenz auf IPPEN.MEDIA-Anfrage.
Billionenschwere Schäden für die Wirtschaft „sind ein Resultat unserer bisherigen Emissionen“
„Die Schäden, die uns bis dahin erwarten, sind ein Resultat unserer bisherigen Emissionen“, erklärte Wenz. „In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts unterscheiden sich die Schäden dann aber stark, je nachdem, wie viel Klimaschutz wir ab jetzt betreiben.“ In einem pessimistischen Szenario, das von einer globalen Erwärmung um etwa 4,4 Grad ausgeht, würden die Verluste knapp 60 Prozent betragen. Bei ambitioniertem Klimaschutz, um die Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, seien es 20 Prozent.
Deutschland liegt bei den wirtschaftlichen Schäden unter dem globalen Schnitt. Die bereits heute verursachten Emissionen führen im Jahr 2049 zu rund elf Prozent Einkommensverlust, erklärte Wenz gegenüber IPPEN.MEDIA. In Ländern wie Botswana, Namibia, Mali beliefen sich die Schäden auf rund 25 Prozent, in Vietnam und Thailand auf rund 23 Prozent.
Studie zeigt erhebliche Ungleichheit bei Folgen des Klimawandels auf die Wirtschaft
„Unsere Studie verdeutlicht die erhebliche Ungleichheit der Klimafolgen“, erklärte dazu Anders Levermann, der ebenfalls an der im Fachmagazin Nature veröffentlichten Studie beteiligt ist. Die tropischen Länder seien am meisten betroffen. „Die Länder, die am wenigsten für den Klimawandel verantwortlich sind, werden voraussichtlich Einkommensverluste erleiden, die 60 Prozent höher sind als in den Ländern mit höherem Einkommen und 40 Prozent höher als in den Ländern mit höheren Emissionen.“ Gleichzeitig verfügten sie über die geringsten Ressourcen, um sich an die Klimafolgen anzupassen. (ms)
Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Artikels war davon die Rede, dass die bereits heute verursachten Emissionen im Jahr 2024 in Deutschland zu rund elf Prozent Einkommensverlust führen. Das ist nicht korrekt. Richtig ist, dass Leonie Wenz auf Nachfrage erklärte, dass der Einkommensverlust im Jahr 2049 zu rund elf Prozent Einkommensverlust führen.
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