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Die Neuwagen-Preise werden im Hause VW schon bald wieder anziehen. Dabei befindet sich die Branche in Schwierigkeiten. Kritik gibt es offenbar intern und von den Händlern.
Wolfsburg/München - Diese Maßnahme sorgt für Zündstoff bei Autohändlern, und ist offenbar auch in der Management-Ebene bei Volkswagen umstritten: Europas größter Autobauer dreht dem Vernehmen nach bei Neuwagen schon bald wieder an der Preisschraube - trotz dunkler Wolken am (Absatz-)Horizont mit drohenden Umsatzeinbußen.
Doch die Führung von VW Pkw sieht sich gezwungen, die Rendite zu erhöhen, als ein Hauptanliegen der massiv vorangetriebenen Umstrukturierung. Das manager magazin bezieht sich auf interne Quellen und spricht von Preissteigerungen, die bei der Kernmarke zum 31. August vollzogen werden. Das betreffe zunächst bestimmte Verbrenner-Modelle wie zum Beispiel den Polo oder auch den Crossover VW T-Roc. Bei letzterem handelt es sich laut Jato Dynamics um das zuletzt dritt-beliebteste Modell in Europa, nach dem Tesla Model Y sowie dem Dacia Sandero.
VW: Neuwagen-Preise der Verbrenner-Modelle steigen - Nicht bei E-Autos
Die Notiz der abermaligen Preissteigerung kommt für viele überraschend: Die Bestellungen im Hause Volkswagen sind rückläufig, auf dem Automarkt wird zunehmend mit härteren Bandagen um das Neuwagen-Geschäft gekämpft. Die Nachfrage geht angesichts der schwachen Konjunktur sowie teuren Neuwagen zurück, bei VW wurde die weltweite Absatzprognose kürzlich von ursprünglich 9,5 Millionen auf nun „9,0 bis 9,5“ Mio. Pkw abgeschwächt.
Dem Bericht zufolge werden die Preise bei Verbrenner-Neuwagen um durchschnittlich 3,6 Prozent angehoben. Bestimmte Modellreihen seien davon zunächst nicht betroffen – und zwar jene, bei denen in nächster Zeit ein Facelift ansteht. Wenn die VW-Modelle Golf, Tiguan, Passat und T-Cross dann überarbeitet werden, dürften diese jedoch ebenfalls teurer werden.
Komplett außen vor bleiben dem Portal zufolge die Elektroautos der Marke: Das liege an Rivale Tesla, der den Druck auf Volkswagen und Co. zuletzt mit Preissenkungen erhöhte und seine Stromer höchst erfolgreich auch in Europa unter das Volk bringt.
Volkswagen macht Neuwagen teurer: Für viele Händler „nicht nachvollziehbar“
Als Grund für die anstehenden Preiserhöhungen benennt VW einerseits Faktoren wie gestiegene Rohstoff- und Energiepreise in der Produktion. Eine wesentliche Rolle spielt jedoch angeblich die angestrebte Verbesserung des Überschusses: Der soll angetrieben von Markenchef Thomas Schäfer in den nächsten Jahren quasi verdoppelt werden, von derzeit 3,6 auf 6,5 Prozent. Die anstehende Teuerungsrunde bei Neuwagen sei ursprünglich zum Jahreswechsel geplant gewesen, wird nun aber vorgezogen. Das stoße sowohl intern als auch bei Vertragshändlern der Volkswagen AG auf Unverständnis, führt das manager magazin aus.
Diverse Verantwortliche im Bereich Verkauf sollen die Maßnahme kritisch sehen, die offenbar auf das Konto der Vertriebschefs für Deutschland (Achim Schaible) und Europa (Manfred Kantner) gehe. Der Bericht zitiert einen VW-Händler anonym: „Der Hersteller hat jeglichen Bezug zur Realität verloren“, erklärt der Mann. Eigentlich sei es „Zeit für bezahlbare Autos“, in Zeiten zurückgehender Verkaufszahlen. „Man kann das alles nicht mehr nachvollziehen“, lautet sein ernüchterndes Fazit. (PF)
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