ADAC: Billige Elektroautos aus China sind nicht immer ein Schnäppchen
VonMarkus Hofstetter
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China drängt mit seinen Elektroautos auf den europäischen Markt. Doch sind die Modelle aus Fernost wirklich günstiger als ihre Pendants von VW, Opel oder BMW? Eine Untersuchung des ADAC bringt Licht ins Dunkel.
München – China ist auf dem besten Weg, Autoexportweltmeister zu werden. Im vergangenen Jahr exportierten die chinesischen Autobauer 3,1 Millionen Fahrzeuge, 54 Prozent mehr als im Vorjahr. Im ersten Quartal dieses Jahres verließen fast 1,07 Millionen Fahrzeuge das Land. Der bisherige Spitzenreiter Japan kam nur auf 955.000 exportierte Autos.
E-Auto-Modelle aus Fernost überschwemmen den Markt
Doch sind chinesische Elektroautos wirklich Schnäppchen? Dieser Frage ist der ADAC nachgegangen. Der Verkehrsclub hat einige Modelle europäischer Hersteller direkt mit entsprechenden Modellen der chinesischen Konkurrenz verglichen. Das Ergebnis: In den meisten Fällen sind die Elektroautos aus Fernost tatsächlich günstiger als die aus Europa.
ADAC vergleicht Elektroautos aus China und Europa: Preisunterschied ist teilweise drastisch
Deutlich zeigt sich dies beim MG4 und dem Opel Astra. Beide gehören zur gleichen Fahrzeugklasse und haben gleich große Batterien. Doch beim Preis liegen Welten dazwischen. Während der MG4 laut ADAC 32.000 Euro kostet, sind es beim Opel Astra 42.000 Euro.
Ähnlich sieht es in der Oberklasse aus. Der Nio ET7 kostet 91.000 Euro, der Mercedes EQS 109.500 Euro. Das ist eine Differenz von fast 20.000 Euro, obwohl der ET7 im ADAC-Test kaum schlechter abschneidet als der EQS: Das Stuttgarter Modell kommt auf die Gesamtnote 1,7, das chinesische auf 1,9.
ADAC vergleicht Elektroautos: Nur ein Modell von VW ist günstiger
Allerdings sind die chinesischen Stromer nicht generell deutlich billiger. So sind die Kompakt-SUVS Zeekr X und BMW iX1 ähnlich teuer, bei Aiways U5 und VW ID.4 ist die Differenz sogar noch geringer.
Bei den verglichenen Modellen gibt es in der direkten Gegenüberstellung nur eine Ausnahme. Der Ora Funky Cat kostet laut ADAC 4.500 Euro mehr als der vergleichbare VW ID.3.
Elektroautos aus China und Europa: Nicht alle Marken werden Wettbewerb überleben
Allerdings schränkt der ADAC das Ergebnis seines Vergleichs ein. Der Kaufpreis sei nur ein Teil der Gesamtkosten. „Bei den meist günstigeren Kaufpreisen der chinesischen Modelle darf man den voraussichtlich hohen Wertverlust und die Unsicherheiten bei neuen Marken bezüglich Ersatzteilverfügbarkeit und Wartung nicht vergessen“, sagt Florian Hördegen, Leiter Fahrzeugtechnik ADAC Technikzentrum. Am Ende könnte sich ein vermeintliches Schnäppchen als teurer erweisen. Denn bei der Vielzahl neuer Marktteilnehmer sei klar. „Nicht alle Hersteller, die jetzt auf den E-Auto-Markt drängen, werden den Wettbewerb überleben.“
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Chinesische E-Autos seien im Schnitt meist günstiger in der Anschaffung als europäische, bilanziert der ADAC. Ob ein günstigeres Fahrzeug am Ende aber auch günstiger ist, hängt stark vom Einzelfall ab.