VonPatricia Huberschließen
Die EU prüft, ob chinesische Subventionen für Elektroautos den Markt verzerren. Die Untersuchung könnte zu Strafzöllen führen. Für die deutschen Autobauer steht viel auf dem Spiel, meint ein Experte.
Straßburg – Die Europäische Union richtet ihr Augenmerk auf die staatliche Unterstützung für chinesische Elektrofahrzeuge. Eine Untersuchung der Fördermittel für chinesische Autoproduzenten wurde von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch angekündigt. „Der Preis dieser Autos wird durch riesige staatliche Subventionen künstlich gedrückt – das verzerrt unseren Markt“, äußerte die deutsche Politikerin im Europaparlament in Straßburg. Dies sei inakzeptabel. Weltweite Märkte würden von preiswerteren chinesischen Elektroautos überflutet.
E-Autos aus China: EU-Untersuchung könnte zu Strafzöllen führen
Die Volksrepublik hat sich, nicht zuletzt aufgrund großzügiger Subventionen, zum größten Markt für Elektrofahrzeuge entwickelt. Viele innovative Start-ups sind entstanden, die laut Branchenexperten ausgezeichnete Elektroautos produzieren. Nach Angaben der Kommission sind chinesische Elektroautos in der Regel etwa 20 Prozent billiger als in der EU gefertigte Modelle. Es wird erwartet, dass der Anteil chinesischer Elektroautos von derzeit 8 auf 15 Prozent im Jahr 2025 ansteigen wird. Eine sogenannte Antisubventionsuntersuchung könnte zur Erhebung von Strafzöllen führen. In der Vergangenheit hat die EU bereits Antidumpingzölle auf Solarpaneele aus China eingeführt.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) begrüßte die Ankündigung einer Untersuchung. Es gehe nicht darum, leistungsfähige, günstige Autos aus dem europäischen Markt herauszuhalten, sondern zu prüfen, ob es Subventionen gebe, die den Wettbewerb unlauter verzerrten, sagte der Grünen-Politiker in Berlin.
Deutsche Autoindustrie fordert langfristige Strategien
Die Automobilindustrie äußerte die Meinung, dass die Untersuchung allein die bestehenden Herausforderungen nicht lösen würde. Es seien langfristige Strategien erforderlich, da der deutsche und europäische Standort unter hohen Energiekosten, Steuern, Abgaben, Umlagen und übermäßiger Bürokratie leide, so ein Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA) auf Anfrage.
Der Sprecher wies auch darauf hin, dass Antisubventionsuntersuchungen der EU sehr formale Verfahren auf Basis festgelegter Kriterien und Schritte seien. Schäden müssten bemessen werden können und zudem mögliche Gegenreaktionen aus China berücksichtigt werden.
Autopapst Dudenhöffer: „Bruch mit China würde deutsche Autoindustrie stark verletzen“
Insbesondere für die deutsche Autoindustrie stehe sehr viel auf dem Spiel, sagte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research, der dpa. Die Deutschen verkauften 30 bis 40 Prozent ihrer Autos auf dem chinesischen Markt und wären seiner Meinung nach das erste Ziel von Gegenmaßnahmen. Deutsche Autobauer äußerten sich zunächst zurückhaltend. BMW teilte mit, man wolle die Ankündigung nicht kommentieren, solange noch keine konkreten Eckpunkte vorlägen.
Europa sei offen für Wettbewerb, aber nicht für einen ungleichen Unterbietungswettlauf, erklärte von der Leyen. „Wir müssen uns gegen unfaire Praktiken wehren.“ Zugleich betonte sie, es sei unabdingbar, mit China im Dialog zu bleiben.
Mit Blick auf E-Autos hat die chinesische Führung schon vor Jahren das Ziel ausgegeben, Technologieführer zu werden. Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung Chinas warnte Dudenhöffer vor Strafzöllen: „Sollten Maßnahmen gegen chinesische Importe in Europa ergriffen werden, können wir mit absoluter Sicherheit erwarten, dass China reagiert. Ein Bruch mit China würde die deutsche Autoindustrie äußerst stark verletzen.“ Allein die Ankündigung aus Brüssel werde bei den Chinesen für Verärgerung sorgen.
Chinas Autohersteller auf dem Vormarsch
Gleichzeitig geraten deutsche Autohersteller durch die inzwischen teilweise überlegene Konkurrenz stark unter Druck. Jahrzehntelang profitierten sie vom rasanten Wachstum in China und freuten sich über ihre enormen Absatzzahlen von Verbrenner-Autos dort. Doch bei der Entwicklung von E-Autos zögerten sie zu lange. Erst kürzlich musste Volkswagen den Titel des größten Autoherstellers in China an das heimische Unternehmen BYD abtreten, das deutlich mehr Autos mit Elektroantrieb verkauft.
Der Autoexperte Dudenhöffer vermutet die französische Autoindustrie hinter dem nun angekündigten EU-Vorstoß. Dieser richte sich eigentlich gegen die deutsche Autoindustrie. Stellantis und Renault seien in China kaum präsent, fürchteten aber auf dem heimischen Markt die starke Konkurrenz chinesischer Autobauer wie BYD. (dpa/ph)
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