Subventionen von Bund und Land

Erst Steuer-Milliarden annehmen, dann verkaufen: Thyssenkrupp-Pläne sorgen für Empörung 

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Thyssenkrupp Steel stellt auf Stahlproduktion mit Wasserstoff um – und bekommt dafür Milliarden. Jetzt will ein Energie-Milliardär Teile der Stahlsparte kaufen. Das sorgt für Unmut.

Duisburg – Der Stahl ist zum Sorgenkind geworden: Thyssenkrupp denkt aktuell über den teilweisen Verkauf seiner Stahltochter Thyssenkrupp Steel (TKS) nach. Tatsächlich ist die Stahlindustrie traditionell sehr konjunkturabhängig, die Ergebnisse schwanken entsprechend stark. Zudem stehen in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen an, weil TKS in NRW seine Produktionsmethoden komplett erneuern will. Als möglicher Käufer gilt der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky. Der wirbt nun auch offiziell für einen Einstieg in die Stahlsparte, wie mehrere Medien berichten. Das mögliche Geschäft sorgt für Debatten, denn: TKS hat erst vor wenigen Monaten die Zusage über eine Förderung von Bund und Land in Milliardenhöhe bekommen.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Thyssen-Chef Miguel Ángel López Borrego, Stahl-Vorstand Bernhard Osburg, NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubauer (Grüne), und Betriebsratvorsitzender Tekin Nasikkol gemeinsam bei TKS: Ende Juli hatte es die Zusage der Milliarden-Förderung gegeben.

2,5 Milliarden an Steuergeldern für Thyssenkrupp Steel

Es geht um insgesamt zwei Milliarden Euro an Steuergeldern, NRW beteiligt sich allein mit 600 Millionen Euro. Die gigantische Finanzspritze soll TKS langfristig am Leben erhalten: Denn angesichts der bundesweit angestrebten Dekarbonisierung ist die herkömmliche Stahlerzeugung mit Kohlenstoff nicht mehr wettbewerbsfähig. Das TKS-Werk in Duisburg will deshalb künftig mithilfe von Wasserstoff Stahl erzeugen. „tkH2Steel“ heißt das Konzept. Dazu entsteht eine neue wasserstofffähige Direktreduktionsanlage mit zwei Einschmelzern und einer Produktionskapazität von 2,5 Millionen Tonnen direkt reduziertem Eisen pro Jahr. Das ist eine Innovation: Es ist die erste Anlagenkombination ihrer Art weltweit.

Duisburg will bundesweiter Hot Spot für Wasserstoff werden

► Nicht nur bei Thyssenkrupp Steel in Duisburg geht es um Wasserstoff. Tatsächlich will die NRW-Stadt zu einem bundesweiten Zentrum werden, was die Wasserstofftechnologie betrifft.

► „Duisburg wird in den nächsten Jahren eine Schlüsselrolle beim Thema Wasserstoff einnehmen“, sagte jüngst Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link.

► Bereits seit Jahren gibt es in der Stadt das Zentrum für Brennstoffzellentechnik, das Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff-Technologien testet.

► Der Duisburger Hafen Duisport schickt sich an, zum zentralen Drehkreuz von Wasserstoff in Deutschland zu werden: Dort entsteht das neue klimaneutrale Duisburg Gateway Terminal auf der ehemaligen Kohleinsel.

Die Nachricht vom möglichen Verkauf von Teilen der Stahlsparte sorgt nun für Unmut bei Arbeitnehmervertretern. Dass der tschechische Energie-Milliardär Daniel Kretinsky einen Anteil von 50 Prozent übernehmen und der Konzern diesen Deal schon bis Ende Oktober unter Dach und Fach bringen wolle, sei unseriös und ignoriere die Interessen der Belegschaft, heißt es in einem Flugblatt der IG Metall.

Duisburg-OB Sören Link: „Ich erwarte, dass Thyssenkrupp die richtige Entscheidung trifft“

Eine Sorge: Wird die Gesellschaft ihren Sitz in Deutschland belassen? Die IG Metall fordert entsprechend Aufklärung: „Für die rund 27.000 Beschäftigten von Thyssenkrupp Steel Europe steht viel auf dem Spiel“, betont die Gewerkschaft. „Wir fordern Verhandlungen über ein industrielles Konzept, Investitionen, Gesellschaftsstruktur und Mitbestimmung.“ Überdies steht der Vorwurf im Raum, dass nun ein Investor aus dem Ausland indirekt von Milliardensubventionen profitiert und die Förderung nicht ausnahmslos dem Standort und der Region zugutekommt.

Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD).

Das beschäftigt auch die lokale Politik. „Ich erwarte, dass Thyssenkrupp die richtige Entscheidung trifft“, sagte Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link jetzt am Rande einer Veranstaltung. Wie die genau aussehen sollte, sagte er nicht. Aber: „Ich gehe davon aus, dass die Förderung hier vor Ort passiert und eingesetzt wird.“ Unterdessen betonte Kretinskys Holding EPH, man wolle Thyssenkrupp bei der grünen Transformation helfen, heißt es unter anderem beim Handelsblatt. Man biete finanzielle Stärke und strategische Synergien, um langfristige Ziele zu erreichen. (pen, mit dpa)

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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