Märkte mit Rezessionsangst

Aktienpreise weltweit fallen: Fuest, ifo-Chef, sieht Europas Situation kritisch

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„Die Börsen erleben jetzt einen Realitätsschock“, sagt ifo-Chef Clemens Fuest.
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Die Sorge über einer Rezession in den USA geht um - und die Börsenwerte lassen nach. Aus der Perspektive des ifo-Chefs steckt besonders Europa in einer kritischen Lage.

München – Der Dow Jones verlor am Freitag 1,52 Prozent, während der Nikkei am Montag um 12,4 Prozent einbrach – der tiefste Stand seit November 2023. Auch der deutsche Leitindex Dax sank am Montagmorgen um drei Prozent und setzte damit den Kursrutsch der vergangenen Woche fort. Hintergrund der Abverkäufe war die Sorge über eine Rezession in den USA. Clemens Fuest, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo) sieht die aktuellen Kursentwicklungen entspannter, warnt aber vor einer anderen Gefahr.

US-Wirtschaftslage beeinflusst Aktienkurse: „Letztendlich stabilisierend“

Schwankungen an den Börsen liegen in der Natur der Sache. „Dass es nach der positiven Entwicklung an den Aktienbörsen zwischenzeitlich zu Korrekturen kommt, ist unvermeidlich und letztlich eher stabilisierend“, kommentierte ifo-Chef Fuest im Gespräch mit dem Handelsblatt die aktuellen Entwicklungen. „Das allein würde ich noch nicht als Indiz für eine heraufziehende größere Krise sehen“, so der Top-Ökonom weiter. Bislang sei das Verhalten der US-Börsen angesichts der Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed eher untypisch gewesen.

Die US-Wirtschaft habe die Phase der Zinserhöhungen ohne einen größeren Dämpfer überstanden. „Die Börsen erleben jetzt einen Realitätsschock und stellen fest, dass die Zinserhöhungen doch Wirkungen erzielen“, so der Experte. Das sei überfällig gewesen. Prinzipiell sei die aktuelle Abkühlung der US-Wirtschaft genau das, was die Fed beabsichtigt hatte. In den fallenden Kursen sieht der Experte ein Indiz dafür, dass die Märkte dabei sind, „das einzupreisen.“ Neben der US-Konjunktur bereitet auch die hohe Verschuldung der USA Sorgen: Finanzexperten warnten auch deshalb zuletzt vor einer Finanzkrise.

Europa steht schlechter da als die USA – das sind die Hauptursachen

Das Sorgenkind ist aus Sicht des ifo-Chefs aber Europa. „Europa befindet sich in einer schlechteren Lage als die USA. Es besteht Unsicherheit durch den Ukraine-Krieg und das Risiko bröckelnder Unterstützung durch die USA. Europa ist stärker als die USA und China vom Außenhandel abhängig und leidet unter dem verstärkten weltweiten Protektionismus“, erklärte Clemens Fuest gegenüber dem Handelsblatt.

Zusätzlich zu diesen Herausforderungen seien auch die Bürokratie, hohe Steuerlasten und technologische Rückstände problematisch. Dennoch scheint es einen Hoffnungsschimmer zu geben: „Die Bundesregierung hat einen Katalog an Maßnahmen vorgelegt, die in die richtige Richtung weisen. Das ist nur ein erster Schritt, aber besser als nichts“, so der ifo-Chef. An der deutschen Börse trübte sich der Ausblick am Montagmorgen hingegen ein: Das Börsenbarometer rutschte unter die 200-Tage-Durchschnittslinie, die oft als Indikator für den langfristigen Trend dient.

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