Senioren müssen oft im Alter schuften - obwohl viele früher in Rente gehen wollen
VonDavid Holzner
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Momir Takac
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Die Zahl der Menschen, die wegen einer zu geringen Rente arbeiten muss, steigt. Geht es nach der Ampel-Koalition, soll sich das künftig mehr lohnen.
Berlin – Wer es sich leisten kann, geht vor dem regulären Eintrittsalter in Rente. Einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) zufolge planen das 31 Prozent der Erwerbstätigen ab 50 Jahren. Doch viele Menschen können sich das nicht leisten und müssen teilweise auch noch im Ruhestand arbeiten.
Weil sie arbeiten: Hälfte der berechtigten Rentner erhielt keinen Zuschlag zur Grundrente
Das tun in Deutschland immer mehr, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtszeigen. Während 2012 nur elf Prozent der 65- bis 69-Jährigen in der Rente einer Arbeit nachgingen, waren es 2022 19 Prozent. Laut der Deutschen Rentenversicherung waren es 2022 1,36 Millionen Rentnerinnen und Rentner. Knapp eine Million von ihnen waren Minijobber, die übrigen gut 300.000 waren in Voll- oder Teilzeit tätig. Erschreckend: Weil das Einkommen angerechnet wird, erhielt 2023 die Hälfte der Anspruchsberechtigten keinen Zuschlag zur Grundrente.
Die Motivation ist nicht immer von einer zu geringen Rente oder drohender Altersarmut getrieben. Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten rund 40 Prozent der Erwerbstätigen ab 65 Jahren, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Mehrheit lebte in erster Linie von ihrer Rente beziehungsweise ihrem Vermögen.
Keine kleine Rente: Viele Menschen wollen in ihrem angestammten Job als Rentner weiterarbeiten
Auch soziale Gründe können Menschen antreiben, die sich im Alter noch fit und leistungsfähig fühlen. Sie arbeiten, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. So arbeiten laut dem Malteser Hilfsdienst Rentnerinnen und Rentner etwa als Reinigungs- oder Putzhilfe, Hausmeister, Briefzusteller, oder nehmen Fahrertätigkeiten wahr. So bleiben sie mit anderen in Kontakt.
Die Top 10 der besten Länder für die Rente im Ausland
Angesichts des Fachkräftemangels und der Aussicht auf einen körperlich weniger anstrengenden Job lohne sich für viele aber auch, auf ihrer früheren Arbeitsstelle weiterzumachen. Viele würden sich daher mit ihrem Arbeitgeber auf eine Weiterführung des Arbeitsverhältnisses einigen.
Arbeitsminister Heil will Steuer-Bonus für arbeitende Rentner
Damit Rentner länger arbeiten, plant die Bundesregierung Steuererleichterungen. „Wir diskutieren darüber, ob es finanzielle Anreize gibt, zum Beispiel, bei der Besteuerung dafür zu sorgen, dass es sich noch mehr lohnt für die, die wollen und können, zu arbeiten“, sagte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) der Bild am Sonntag. Der SPD-Politiker sprach von einem Steuer-Bonus.
Menschen, die eine Hinterbliebenenrente beziehen, profitieren bereits. Gerade erst wurden die Einkommensgrenzen um rund 45 Euro von 992,64 EUR auf 1.038,05 Euro netto im Monat erhöht. Bei der Witwenrente änderte sich zum 1. Juli 2024 noch mehr. (mt)