- VonBettina Menzelschließen
Der Gründer des Milliardenkonzerns S.Oliver sieht die Arbeitsethik der jüngeren Generation kritisch und wundert sich, dass am Freitagnachmittag der Firmenparkplatz fast leer ist.
Rottendorf – Deutschland hat sich zu einem Arbeitnehmermarkt gewandelt – das gefällt nicht jedem. Bernd Freier, Gründer der Modemarke S.Oliver und einer der reichsten Deutschen, geht in einem vergangene Woche veröffentlichten Interview mit dem Spiegel hart mit der Generation Z ins Gericht. Die jungen Leute seien nicht ehrgeizig genug, hätten keinen Biss und vielen gehe es zu gut, meint der 76-Jährige.
Milliardär Bernd Freier findet „Arbeit geil“ und hält junge Generation für verwöhnt
Arbeiten müsste Bernd Freier eigentlich nicht mehr. Das Wirtschaftsmagazin Forbes beziffert sein Vermögen auf rund 1,1 Milliarden Euro. Nach 50 Jahren gab der Geschäftsmann 2019 die Führung seines im Jahr 1969 gegründeten Unternehmens S.Oliver ab – arbeitet aber auch heute noch mit, zwischenzeitlich sogar wieder im Chefsessel. Die jungen Mitarbeiter in seinem Unternehmen seien wirklich großartig, doch sie „wollen mehr Freizeit, und wenn ich freitagnachmittags über unseren Firmenparkplatz gehe, stehen da kaum noch Autos“, beklagte der ehemalige Firmenchef, der auch mit 76 Jahren noch gerne ins Büro geht. „Ich finde Arbeit geil“, betonte Freier im Gespräch mit dem Spiegel.
Der Milliardär ist um Selbstreflexion offenbar nicht verlegen und glaubt zu wissen, wie die „jungen Leute“ im Gegenzug über ihn denken: „Vermutlich halten sie mich für verrückt, weil ich so viel arbeite“, mutmaßte der Firmengründer. Er selbst sei in einem Bunker ohne Fenster aufgewachsen, in dem zehn Personen lebten und habe mit sechs Jahren bereits gearbeitet. Zusammen mit seiner Schwester habe er Zeitungen ausgetragen und sei dafür täglich um halb drei Uhr morgens aufgestanden, so Freier.
Das entspricht glücklicherweise nicht der Lebensrealität vieler junger Menschen heutzutage, doch der Geschäftsmann sieht das auch kritisch. „Vielen geht es zu gut. Der Papa zahlt die Miete, und es wird viel zu viel vererbt.“ Die Modemarke hatte der Gründer nach Charles Dickens‘ Romanheld Oliver Twist „Sir Oliver“ benannt, einem Waisenjungen, der unter ärmlichen Bedingungen aufwächst.
S.Oliver-Gründer: Jungen Menschen in einer gesättigten Gesellschaft „fehlt es an Biss“
Die Gesellschaft in Deutschland sei gesättigt, deshalb fehle „es häufig an Biss“, meint Freier. „Die 20- bis 30-Jährigen sind besser ausgebildet als jede Generation vor ihr, und sie sind mit einer Selbstverständlichkeit international unterwegs, an die Menschen meines Alters sich erst gewöhnen müssen. Aber sind sie auch ehrgeizig genug? Was ist ihre Motivation?“, fragt der Milliardär. Seine Motivation neben einer Ausbildung noch in einer Modeboutique zu jobben, sei in den Sechzigerjahren der Kauf eines Fiat 1300 gewesen – für damals 2000 Mark. „Heute wollen die Jungen nicht mal mehr ein eigenes Auto, und mit Blick auf den Klimawandel haben sie damit mehr als recht.“
Den Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten kann Freier nachvollziehen, dies sei jedoch nicht immer praktikabel. Ein Spitzenmanager bei S.Oliver habe einmal nur drei Tage die Woche arbeiten wollen, das ginge doch nicht, so Freier ungläubig. „Man muss doch bei seinen Mitarbeitern sein! An der Front sein, immer!“
Studien darüber, dass eine Viertageswoche nicht nur gesünder, sondern auch effizienter wäre, kenne er durchaus und sei dem Thema gegenüber aufgeschlossen, wenn Textilunternehmen weiterhin zwischen drei und fünf Prozent Gewinn machen würden. Bei manchen Mitarbeitern habe er aber jetzt schon das Gefühl, sie hätten nur eine Viertageswoche. „Sie verbringen den halben Freitag damit, ihr Wochenende zu planen. Den halben Montag lang erzählen sie dann, was sie alles erlebt haben.“