Keine Gegenleistung nötig

Arbeitspflicht für Bürgergeld-Beziehende: Vorreiter-Stadt macht Rückzieher

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Schwerin war die erste deutsche Großstadt, die eine Arbeitspflicht für Bürgergeld-Beziehende und Asylsuchende einführen wollte. Jetzt folgt der Rückzieher. Warum?

Update von Mittwoch, 21. Mai: Die Stadt Schwerin hält eine Arbeitspflicht für Bürgergeld-Beziehende als rechtlich nicht umsetzbar. Ein entsprechender Beschluss des Stadtrats ist „nur eingeschränkt möglich“, heißt es in einem Konzept, das Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) am Montag, 19. Mai, präsentiert hat. Eine generelle Arbeitsverpflichtung sei verfassungswidrig, heißt es darin. „Da hier ein Grundrecht des Menschen berührt ist, verbleibt auf kommunaler Ebene wenig Handlungsspielraum in der Umsetzung.“

In beiden Gesetzen, denn neben den Bürgergeld-Beziehenden sollten auch Asylsuchende zur Arbeit verpflichtet werden, sei festzustellen, „dass der Gesetzgeber keine ausdrückliche Regelung geschaffen hat, die eine Gegenleistung zu den in Anspruch genommenen Sozialleistungen verlangt“, heißt es im Konzept.

Keine Arbeitspflicht für Bürgergeld-Beziehende und Asylsuchende: Gesetz sieht es nicht vor

Deshalb gebe es lediglich die Möglichkeit der Arbeitsgelegenheiten. Bei Asylsuchenden seien diese zur Betreibung der Gemeinschaftsunterkünfte und – nachrangig – für den Spracherwerb gedacht. Im zweiten Sozialgesetzbuch, also der Grundsicherung für Arbeitsuchende, zielt es auf die Heranführung an eine Beschäftigung ab – besonders bei Langzeitarbeitslosen. Hier sieht die Stadtverwaltung „gezielte Maßnahmen der Qualifizierung“ jedoch als „zielführender“ an.

Eine Frau betritt das Jobcenter in Schwerin. (Archivfoto)

Dennoch schlägt die Stadt vor, in Gemeinschaftsunterkünften für Asylsuchende Arbeitsgelegenheiten anzubieten und diese auf externe Anbieter zu erweitern. Einsatzgebiete könnten Vereine und Initiative sein, die das Miteinander fördern könnten. Die Mithilfe in Tafeln oder bei Nachbarschaftstreffs sei beispielhaft.

CDU-Stadtrat Rudolf übt Kritik: Gemeinnützige Arbeit von Leistungsbeziehenden „eine Frage der Fairness“

Die Schweriner CDU kritisiert das Konzept. Es sei noch nicht die Umsetzung des Beschlusses der Stadtvertretung, erklärte Fraktionschef Gert Rudolf. Die juristischen Bedenken des Oberbürgermeisters seien „ein politischer Vorwand, um sich vor einer unbequemen, aber richtigen Debatte zu drücken“, zitierte der Nordkurier aus einem Statement Rudolfs.

„Wer dauerhaft staatliche Leistungen erhält, sollte auch zu gemeinnütziger Arbeit bereit sein, das ist eine Frage der Fairness gegenüber allen, die mit ihrer Arbeit das System tragen“, erklärte Rudolf. Tatsächlich haben Bürgergeld-Beziehende jedoch eine Mitwirkungspflicht. Sie müssen also aktiv dafür sorgen, ihre Hilfebedürftigkeit zu überwinden. Gleichzeitig sichert die Grundsicherung ihr Recht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum. Eine Kürzung ist zwar möglich – über Sanktionen – jedoch mit hohen rechtlichen Hürden verbunden.

Bürgergeld-Arbeitspflicht: Stadtrat von Schwerin macht Druck

Erstmeldung von Sonntag, 18. Mai: Schwerin – Wer „Leistungen vom Staat“, wie etwa das Bürgergeld, erhalte, solle „für diese Leistung eine Gegenleistung“ erbringen, hatte Gerd Rudolf, Chef der CDU-Fraktion im Schweriner Stadtrat, erklärt. Die Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern wollte eine Arbeitspflicht für Bürgergeld-Beziehende sowie Asylsuchende einführen. Der Stadtrat hatte die Verwaltung aufgefordert, ein Konzept zu erarbeiten – und die Debatte um eine Arbeitsverpflichtung für sogenannte „Totalverweigerer“ angeheizt.

Nach dem Stadtratsbeschluss mit Stimmen der CDU, AfD und FDP und Unabhängigen Bürgern im Dezember hat nun Oberbürgermeister Rico Badenschier ein Konzept erarbeiten lassen. Damit ist jedoch klar: Eine Arbeitspflicht für Bürgergeld-Beziehende wird es wohl nicht geben.

Schwerin macht Abkehr von Arbeitspflicht für Bürgergeld-Beziehende – wegen rechtlicher Bedenken

Diese Verpflichtung sei rechtlich nicht möglich, heißt es laut NDR im Konzept, das Badenschier am Freitag, 16. Mai, vorgestellt hat. Es gebe keine Regelung des Gesetzgebers, eine Gegenleistung für Sozialleistungen zu verlangen. Das Konzept zeige, dass eine Arbeitspflicht rechtlich nicht möglich und wahrscheinlich verfassungswidrig sei, sagte der SPD-Politiker demnach.

Laut Grundgesetz dürfe niemand zur Arbeit gezwungen werden – außer bei einer für alle gleichen Dienstleistungspflicht. Für Asylsuchende gebe es Arbeitsgelegenheiten, häufig in den Unterkünften, wie etwa in der Hauswirtschaft, bei der Essensversorgung und als Übersetzer.

Essens Sozialdezernent fordert Pflicht zu gemeinnütziger Tätigkeit im Bürgergeld

Laut NDR-Bericht könne das Thema jedoch am Montag, 19. Mai, noch einmal auf die Agenda kommen. Denn dann findet die nächste Stadtvertretersitzung in Schwerin statt. Und auch abseits von Mecklenburg-Vorpommern findet die Idee Unterstützer. Peter Renzen, Sozialdezernent von Essen, forderte erneut eine Arbeitspflicht für Bürgergeld-Beziehende.

„Die neue Grundsicherung muss eine Allianz für Arbeit werden“, sagte Renzen, der für das städtische Jobcenter zuständig ist, der WAZ. Er möchte Leistungsberechtigte zur Gemeinwohlarbeit verpflichten. Zuvor hatte er in einem Arbeitspapier gefordert, Erwerbslose und Asylsuchende müssten mindestens drei Stunden täglich einer gemeinnützigen Tätigkeit nachgehen.

Arbeitsgelegenheiten für Grundsicherung-Beziehende in der Kritik

Das Instrument zur Umsetzung der Arbeitspflicht in Schwerin sollten sogenannte Arbeitsgelegenheiten sein, die auch umgangssprachlich als Ein-Euro-Jobs bezeichnet werden. Jobcenter können sie bereits verhängen. Zielgruppe dafür sind jedoch „besonders arbeitsmarktferne“ Langzeitarbeitslose, die mit „einfachen Tätigkeiten“ an den Arbeitsmarkt herangeführt werden dürfen. Sie müssen im öffentlichen Interesse liegen und dürfen nur zusätzlich sein und keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verdrängen. Immer wieder gab es Kritik daran, sie seien eine „Beschäftigungstherapie“.

Neue Wirtschaftsministerin Katherina Reiche: Hinter den Kulissen war sie die ganze Zeit dabei

Katherina Reiche (M.) ist schon lange dabei. 1998 kam sie erstmals in den Deutschen Bundestag und wurde 2002 von Edmund Stoiber (r.) als Expertin für Familienpolitik zusammen mit Angela Merkel ins Team geholt.
Katherina Reiche (M.) ist schon lange dabei. 1998 kam sie erstmals in den Deutschen Bundestag und wurde 2002 von Edmund Stoiber (r.) als Expertin für Familienpolitik zusammen mit Angela Merkel ins Team geholt. Damals war sie als Unverheiratete mit ihrem zweiten Kind schwanger, was innerhalb der christlich-konservativeren Seite der Union für Unmut sorgte. 2003 heiratete sie ihren Lebensgefährten Sven Petke.  © Thomas Koehler
Im Wahlkampf 2005 unterstützte Reiche die Kandidatur von Angela Merkel, die daraufhin Kanzlerin wurde.
Im Wahlkampf 2005 unterstützte Reiche die Kandidatur von Angela Merkel, die daraufhin Kanzlerin wurde. Nach der Wahl wurde sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag. Sie war für die Bereiche Bildung, Forschung, Umwelt, Naturschutz und Atomsicherheit zuständig.  © IMAGO
Katherina Reiche heiratete Sven Petke, der ebenfalls CDU-Abgeordneter war und der Vater ihrer drei Kinder ist. Seit Jahren sind die beiden aber getrennt.
Katherina Reiche heiratete Sven Petke, der ebenfalls CDU-Abgeordneter war und der Vater ihrer drei Kinder ist. © IMAGO
Katherina Reiche und Sven Petke
Hier besuchte Kaherina Reiche und Sven Petke ein klassisches Konzert im Grand Hyatt Hotel am Potsdamer Platz im Jahr 2003. Im selben Jahr gaben sich die Beiden auch das Ja-Wort. Mittlerweile leben sie aber getrennt voneinander. © imago
2009 wurde Katherina Reiche als Parlamentarische Staatssekretärin ins Bundesumweltministerium berufen (hier im Bundestag, 2010).
2009 wurde Katherina Reiche als Parlamentarische Staatssekretärin ins Bundesumweltministerium berufen (hier im Bundestag, 2010). Sie war damit im zuständigen Haus, als Deutschland den Atomausstieg beschloss. Sie hat die Nutzung der Kernenergie aber immer befürwortet und stimmte noch im Herbst 2010 für die Laufzeitverlängerung.  © Thomas Trutschel
Katherina Reiche, Norbert Röttgen und Ursuka Heinen
imago53568798.jpg © imago
Reiche ist mit ihren Positionen immer wieder angeeckt. Jahrelang hat sie sich zum Beispiel gegen die Ehe für alle ausgesprochen (hier im Bild bei Maischberger 2012).
Reiche ist mit ihren Positionen immer wieder angeeckt. Jahrelang hat sie sich zum Beispiel gegen die Ehe für alle ausgesprochen (hier im Bild bei Maischberger 2012). „Unsere Zukunft liegt in der Hand der Familien, nicht in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften […] Neben der Euro-Krise ist die demografische Entwicklung die größte Bedrohung unseres Wohlstands“, sagte sie 2012 zur Bild-Zeitung. Dafür wird sie bis heute scharf kritisiert. Seit 2017 ist die Ehe für alle in Deutschland möglich.  © IMAGO
2013 wechselte Katherina Reiche ins Verkehrsministerium, wo sie unter Alexander Dobrindt (CSU) Parlamentarische Staatssekretärin wurde.
2013 wechselte Katherina Reiche ins Verkehrsministerium, wo sie unter Alexander Dobrindt (CSU) Parlamentarische Staatssekretärin wurde. Heute darf sie wieder mit Dobrindt an einem Kabinettstisch sitzen – er wird Innenminister.  © Michael Gottschalk
Katherina Reiche, Boris Pistorius, Johann Wadephul, Alexander Dobrindt
Ihrem ehemaligen Vorgesetzten Alexander Dobrindt (r.) begegnet Katherina Reiche (l.) nun im Kabinett von Friedrich Merz wieder. Dobrindt vertritt dort als Innenminister auch die bayerische Schwesterpartei CSU. Ebenfalls regelmäßig auf der Regierungsbank Platz nehmen werden SPD-Politiker Boris Pistorius (2.v.l.) in seiner Rolle als Verteidigungsminister und Johann Wadephul (CDU), den Merz zu seinem Außenminister machte.  © imago
2015 entschied Reiche, dass sie in die Wirtschaft wechseln will und legte ihr Abgeordnetenmandat nieder. Sie wurde im Februar diesen Jahres zur Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen (VkU).
2015 entschied Reiche, dass sie in die Wirtschaft wechseln will und legte ihr Abgeordnetenmandat nieder. Sie wurde im Februar 2015 zur Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen (VkU).  © Imagos
Als Chefin des VkU hat sie die kommunale Wirtschaft vertreten. Hauptaufgabe des Verbands ist es, die 1592 Mitglieder, die vor allem in der Energie-, Wasser- und Abfallversorgung tätig sind, zu unterstützen.
Als Chefin des VkU hat sie die kommunale Wirtschaft vertreten. Hauptaufgabe des Verbands ist es, die 1592 Mitglieder, die vor allem in der Energie-, Wasser- und Abfallversorgung tätig sind, zu unterstützen.  © IMAGO
2018 hat sie zum Beispiel zusammen mit dem damaligen Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) eine Absichtserklärung unterzeichnet, dass die Nachrüstung aller Lkw-Flotten mit Abbiege-Assistenten ermöglichen sollte.
2018 hat sie zum Beispiel zusammen mit dem damaligen Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) eine Absichtserklärung unterzeichnet, dass die Nachrüstung aller Lkw-Flotten mit Abbiege-Assistenten ermöglichen sollte.  © IMAGO
Katherina Reiche in ihrer Funktion als Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen
Im Jahr 2017 begutachtete Katherina Reiche in ihrer Funktion als Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) die Bauarbeiten des Kreuzbergtunnels in Berlin. Begleitet wurde die heutige Wirtschaftsministerin von Jörg Simon, damals als Vorstand der Berliner Wasserbetriebe tätig. © IMAGO
Im Herbst 2019 machte Katherina Reiche bekannt, dass sie den VkU verlassen wird und an die Spitze des Energiekonzerns Westenergie wechseln wird.
Im Herbst 2019 machte Katherina Reiche bekannt, dass sie den VkU verlassen wird und an die Spitze des Energiekonzerns Westenergie wechseln wird. Diesen Job hatte sie seit 1. Januar 2020 inne.  © IMAGO
Ebenfalls 2020 wurde Reiche die Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrats, das am 10. Juni 2020 einberufen wurde.
Ebenfalls 2020 wurde Reiche die Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrats, das am 10. Juni 2020 einberufen wurde. Der Wasserstoffrat berät die Bundesregierung beim Ausbau von Wasserstoff als Energieträger der Zukunft.  © IMAGO
Als Vorsitzende von Westenergie hat sie NRW die Energiewende vorangetrieben und gestaltet. Dazu musste der Kontakt in die Politik intakt bleiben: Hier ist Katherina Reiche mit Wirtschafts- und Energieministerin Mona Neubaur (Grüne) bei einem Termin.
Als Vorsitzende von Westenergie hat sie NRW die Energiewende vorangetrieben und gestaltet. Dazu musste der Kontakt in die Politik intakt bleiben: Hier ist Katherina Reiche mit Wirtschafts- und Energieministerin Mona Neubaur (Grüne) bei einem Termin.  © Imago
Dann die Überraschung: Im April 2025 wird bekannt, dass Katherina Reiche für das Amt der Wirtschaftsministerin im Kabinett Merz gehandelt wird.
Dann die Überraschung: Im April 2025 wird bekannt, dass Katherina Reiche für das Amt der Wirtschaftsministerin im Kabinett Merz gehandelt wird. Zuvor hatte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann seine Absage erteilt – damit war der absolute Favorit aus dem Rennen. Am 28. April bestätigte Merz dann Reiche als designierte Ministerin.  © Florian Gaertner/IMAGO
Karl-Theodor zu Guttenberg und Katherina Reiche
Auch überraschend kam die Information, dass Reiche mittlerweile mit dem ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zusammen ist. Das Paar ist wohl schon seit einiger Zeit liiert, hatte aber bisher Gerüchte über eine Partnerschaft nie bestätigt. © Sebastian Gollnow/Kay Nietfeld/dpa
Katherina Reiche und Karl-Theodor zu Guttenberg
Öffentlich machten Katherina Reiche und Karl-Theodor zu Guttenberg ihre Beziehung im April 2025. Guttenberg ist aber nicht nur der neue Partner Reiches, er ist auch einer ihrer Vorgänger. Im Jahr 2009 bekleidete er für rund acht Monate das Amt des Wirtschaftsministers. Noch im selben Jahr wurde Guttenberg Verteidigungsminister und besuchte gemeinsam mit Reiche das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam. © imago
Katherina Reiche als Bundesministerin für Wirtschaft und Energie
Aus den Gerüchten wurde Gewissheit. Friedrich Merz holte Katherina Reiche als Bundesministerin für Wirtschaft und Energie in sein Kabinett. Am 06.05.2025, kurz nach der Kanzlerwahl von Merz, legte Reiche in dessen Beisein ihren Amtseid vor der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner ab. © Michael Kappeler/dpa
Friedrich Merz (l.) geht mit Reiche ein gewisses Risiko ein. In der Wirtschaft wird ihre Nominierung zwar gelobt, innerhalb der Partei gibt es aber Grummeln darüber.
Friedrich Merz (l.) geht mit Reiche ein gewisses Risiko ein. In der Wirtschaft wird ihre Nominierung zwar gelobt, innerhalb der Partei gibt es aber Grummeln darüber. Mehrere starke Landesverbände sind bei der Besetzung der Posten leer ausgegangen – stattdessen kommt eine aus der letzten Reihe zum Zug. Katherina Reiche wird liefern müssen, um sowohl die Partei als auch die Wirtschaft zu beruhigen.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz
Im 19-köpfigen Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz ist Katherina Reiche (4. v. l.) eine von acht Frauen. Sie ist außerdem die erste Frau, die in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zur Wirtschaftsministerin berufen wurde. © imago
Katherina Reiche erstmals als Chefin das Minsterium für Wirtschaft und Energie
Einen Tag nach ihrer offiziellen Vereidigung im Bundestag betrat Katherina Reiche erstmals als Chefin das Ministerium für Wirtschaft und Energie. Dort übergab der bisherige Wirtschaftsminister Robert Habeck offiziell die Amtsgeschäfte an seine Nachfolgerin. © Hannes P Albert/dpa
Übergabe des Bundeswirschaftsministerium von Robert Habeck an Katharina Reiche
In ihrer Antrittsrede vor der Belegschaft des Wirtschafsministeriums bedankte sich Katherina Reiche bei Robert Habeck. Den Grünen-Politiker überschüttete Reiche dabei mit Lobeshymnen. Er habe eine „fast übermenschliche Leistung“ in seiner Amtszeit erbracht, so Reiche. © IMAGO/Matthias Gränzdörfer
Katherina Reiche, die Wirtschafstministerin im Kabinett unter Kanzler Friedrich Merz
Unter den Namen der ehemaligen Wirtschaftsminister finden sich neben Katherina Reiches Vorgänger Robert Habeck und ihrem Lebensgefährten Karl Guttenberg weitere prominente Politiker. Unter anderem zwei spätere Bundeskanzler: Sowohl der zweite Bundeskanzler Deutschlands, Ludwig Erhard (CDU), als auch der fünfte Regierungschef, Willy Brandt (SPD), waren als Wirtschaftsminister tätig, ehe sie zu Bundeskanzlern aufstiegen. Ob auch Reiche in der Zukunft derartige Karrierepläne verfolgen wird, bleibt abzuwarten. © Michael Kappeler

Für die Gesamtheit der Bürgergeld-Beziehenden sind sie jedoch nicht geeinigt. Für „arbeitsmarktferne Personen“ erhöht sich laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zwar die Chance auf Integration in Arbeit. Andere Gruppen von Erwerbslosen hätten jedoch Nachteile. Die Maßnahmen sind demnach teuer und können andere Maßnahmen wie Sprach- und Integrationskurse behindern.

Arbeitsgelegenheiten behindern Job-Aufnahme von Bürgergeld-Beziehenden

Eine Verpflichtung in Arbeit über Arbeitsangelegenheiten seien nicht angemessen, hatte auch IAB-Forscher Joachim Wolff gegenüber IPPEN.MEDIA erklärt. Sie seien nur für Personen geeignet, die sonst nicht bereit seien, Arbeit aufzunehmen. Sie könnten so an die Arbeit herangeführt werden. Wer dagegen aktiv nach Arbeit sucht, könnte von der Suche abgehalten werden. Ihnen bleibe dadurch weniger Zeit, sich zu informieren. „Bei einer ‚intensivierten Ein-Euro-Job-Förderung‘ nehmen die Übergänge von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in reguläre Beschäftigung ab“, lautete auch das Fazit der IAB-Studie.

Grundsätzlich gibt es in der Grundsicherung ohnehin eine Mitwirkungspflicht. Die Erwerbslosen müssen damit aktiv mitarbeiten, dass sie nicht mehr vom Bürgergeld abhängig sind. Der Gesetzgeber darf die Mitwirkung über Sanktionen durchsetzen – doch die müssen verhältnismäßig sein.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa

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