Arbeitssuche für Bürgergeld-Empfänger – Chancen „auf historischem Tiefstand“
VonMax Schäfer
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Bürgergeld-Beziehende sollen zügig Arbeit aufnehmen. Ihre Perspektiven liegen jedoch auf einem historischen Tiefstand – erklärt ein Ministerium.
Berlin – Bürgergeld-Beziehende sollen möglichst schnell in Arbeit kommen. Doch die Vorzeichen sind gerade alles andere als vorteilhaft. Im Gegenteil erschwert die stagnierende Wirtschaft die Jobsuche. „Sie führt dazu, dass die Chance von Arbeitslosen, eine Beschäftigung aufzunehmen, sich aktuell auf einem historischen Tiefstand befinden“, sagte eine Sprecherin des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) IPPEN.MEDIA.
Bürgergeld-Beziehende mit sehr schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt
„Die Zahl der monatlich neu gemeldeten offenen Stellen ist so gering wie seit Jahrzehnten nicht mehr“, erklärte die Sprecherin weiter. „Zudem richten sich 80 Prozent der gemeldeten Arbeitsstellen an Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung.“ Zwei Drittel der Arbeitslosen im Bürgergeld hätten das jedoch nicht.
Die Regierung von Friedrich Merz will Bürgergeld-Beziehende schnellstmöglich in Arbeit bringen, doch deren Chancen sind laut Arbeitsministerium „auf einem historischen Tiefstand“. (Montage)
Das ist eine entscheidende Hürde der Erwerbslosen bei der Jobsuche – und ein Grund, weshalb Bürgergeld-Beziehende keine Arbeit finden. Denn für sie kommen lediglich sogenannte „Helfertätigkeiten“ infrage. Lediglich etwa 160.000 Stellenanzeigen waren 2024 laut einer Analyse der Stellendatenbank Index Research für IPPEN.MEDIAauf ungelernte Kräfte ausgerichtet. Weitere Faktoren, die eine Arbeitsaufnahme erschweren, sind etwa körperliche und psychische Krankheiten oder Behinderungen oder die Pflege von Angehörigen.
Schlechte Chancen der Erwerbslosen am Arbeitsmarkt treiben Bürgergeld-Kosten nach oben
Der Arbeitsmarkt hat damit auch Folgen für die Kosten des Bürgergelds. Bisher läuft das Regierungshandeln auf Basis einer vorläufigen Haushaltsführung, weil der Bundeshaushalt 2025 noch nicht vom Bundestag verabschiedet wurde. Grund ist der Bruch der Ampel-Koalition. Im noch von Hubertus Heil (SPD) erstellten Entwurf waren – gemeinsam mit dem Budget der Arbeitsförderung im Dritten Sozialgesetzbuch – 45,33 Milliarden Euro für die Grundsicherung vorgesehen.
Die neue Regierung unter Kanzler Friedrich Merz arbeitet derzeit an einem neuen Entwurf. Dieser soll am 25. Juni vorgelegt werden. „Die Ausgaben für das Bürgergeld und die Bundesbeteiligung an den Kosten der Unterkunft werden auf der Grundlage der Frühjahrsprognose zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung neu veranschlagt“, erklärte das Arbeitsministerium auf Anfrage zum Budget der Grundsicherung.
CSU-Politiker warnt vor Bürgergeld-Kosten von 51 Milliarden Euro
Durch eine zunehmende Zahl von Arbeitslosen könnten die Bürgergeld-Kosten jedoch deutlich steigen. Davor warnte Alexander Hoffmann, CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, in der Bild. Nach seiner Prognose werde die Grundsicherung im laufenden Jahr 51 Milliarden Euro kosten – und damit mehr als zehn Prozent des Bundeshaushalts ausmachen. Hoffmann sprach vom Bürgergeld als „unkontrollierten Sprengsatz für den Bundeshaushalt“.
Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“
„Es ist für eine Volkswirtschaft, in der Millionen Arbeitskräfte gesucht werden, nicht hinnehmbar, dass es zu wenig Anreize für den Einstieg oder Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt gibt“, sagte Hoffmann – trotz der oben beschrieben Diskrepanz zwischen den Qualifikationen der Bürgergeld-Beziehenden und den gesuchten Fachkräften. Dennoch solle die Arbeitsaufnahme der Erwerbslosen zur „obersten Priorität“ werden.
Sanktionen oder Qualifizierung: Unterschiedliche Ansätze bei Bürgergeld-Auswegen
„Eine Integration in Arbeit kann daher auch eine stärkere Qualifizierung von Arbeitslosen erfordern“, sagte die BMAS-Sprecherin mit Blick auf den Arbeitsmarkt. Die neue Regierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU), an der auch Hoffmanns CSU beteiligt ist, will die Vermittlung in Arbeit laut Koalitionsvertrag tatsächlich stärken. So sollen die Jobcenter ausreichend Mittel für die Eingliederung in Arbeit erhalten.