Neue Strategie

Audi in China: Warum mit anderer Strategie der Erfolg winkt

  • schließen

Während deutsche Hersteller über Gewinnschwund klagen, freut sich Audi in China über einen Rekordstart des E5 Sportback. Das steckt hinter dem E-Auto-Erfolg.

Shanghai/Ingolstadt - Mit rund 10.000 Vorbestellungen in einer halben Stunde in China hat Audis neue Submarke vergangene Woche für Furore gesorgt. Der elektrische Kombi AUDI E5 Sportback, entwickelt und gebaut im Reich der Mitte, ist verglichen mit Neuwagen in der Heimat günstiger zu haben – und bleibt deutschen Kunden dennoch verwehrt.

Was steckt hinter diesem Erfolg und was kann die kriselnde deutsche Autoindustrie daraus lernen? „Autopapst“ Ferdinand Dudenhöffer spricht von einem Weckruf für die Branche.

AUDI E5 Sportback: Ein Elektroauto aus China für China

Der AUDI E5 Sportback steht für einen radikalen Wandel in der China-Strategie der Ingolstädter. Das neue Elektroauto ist nicht nur ein technisches Highlight mit bis zu 776 PS, über 600 Kilometern Reichweite und einem riesigen Cockpit-Display – es ist vor allem ein Symbol für Audis neue Offensive in der Volksrepublik.

Entwickelt wurde der E5 Sportback in gerade mal zwei Jahren, gemeinsam mit dem chinesischen Joint-Venture-Partner SAIC. Die Plattform stellt der heimische Autobauer, die Software ist konsequent auf die Bedürfnisse der chinesischen Kundschaft zugeschnitten.

Günstiges Elektroauto von Audi wird in China zur Realität

Mit einem Einstiegspreis von umgerechnet etwa 28.000 Euro ist der AUDI E5 Sportback in China deutlich günstiger, als es ein neues Modell der Marke in Deutschland wäre. Hierzulande könnte das sportliche E-Auto des Premiumherstellers das Doppelte kosten.

Für den chinesischen Markt hat Audi den elektrischen E5 Sportback entwickelt. Die Produktion erfolgt im Rahmen eines Joint-Ventures mit SAIC.

Doch der Traum von diesem günstigen Elektroauto bleibt deutschen Autofans verwehrt. Audi verkauft den E5 Sportback unter einer eigenen Submarke, die auch im Hinblick auf das Design eine Besonderheit aufweist. Zum einen ist der Preis in China natürlich dem niedrigeren Einkommensniveau in Fernost geschuldet.

Warum gelingt Audi in China, was in Deutschland unmöglich scheint?

Damit ist der Erfolg des Audi-Elektroautos in China jedoch nicht gänzlich beantwortet. Warum kann Audi dort ein Hightech-Auto zum halben Preis anbieten? Experte Ferdinand Dudenhöffer erklärt gegenüber ntv.de, dass es nicht nur an den Löhnen liegt. Die Arbeitskosten machen in China kaum mehr als zehn Prozent der Gesamtkosten aus, schildert der „Autopapst“.

Wichtiger seien ihm zufolge „günstigere Batterien, niedrige Energiepreise, eine effizientere Fertigung – und vor allem: die Bereitschaft, mit geringeren Margen zu arbeiten“. China demonstriere Tempo und Kostenkontrolle, während Deutschland unter starren Strukturen leidet.

Preispolitik deutscher Autobauer: Renditeproblem und Jobverlust

In Deutschland und anderen Ländern setzen die sogenannten Premiumhersteller weiterhin auf kostspielige Elektroautos, die sich weltweit schlechter verkaufen als erhofft. Die Folge: Gewinnschwund und Rendite-Probleme sowie ein aufgrund der Produktionskosten massiver Stellenabbau, der die Branche und den Wirtschaftsstandort erfasst hat.

In China setzt Audi seit diesem Jahr auf eine eigene Submarke. Statt der vier Ringe prangt der Schriftzug AUDI auf den Modellen (Archivbild).

Laut einer EY-Studie sind alleine 2024 mehr als 50.000 Stellen in der deutschen Autoindustrie verloren gegangen.

Weckruf durch China? AUDI E5 macht deutscher Konkurrenz Druck

Der Rekordstart des AUDI E5 Sportback dient laut Dudenhöffer als Signal an die gesamte Branche: „Die Konkurrenten BMW und Mercedes stehen jetzt unter Druck“, glaubt der 74-Jährige. Wenn die Preisdifferenz zu groß wird, würden Kunden zu Audi und Co. abwandern – erst in China, dann vielleicht auch in Europa.

Chinesische Hersteller wie BYD oder Xiaomi drängen mit bezahlbaren, hochwertigen Modellen auch auf den europäischen Markt. Für die deutschen Autobauer heißt das: Sie müssen ihre Kosten senken und effizienter werden – auch beim Thema Preis. „Wir können China zuschauen und sagen: In diesen schamlosen Preiskampf steigen wir nicht ein. Oder wir sagen: wir brauchen eine China-Strategie“, ergänzt Dudenhöffer.

Audi-Elektroautos für China: Zwei weitere Neuheiten geplant

Was den AUDI E5 Sportback betrifft, gibt es derweil auch Skepsis: Die beeindruckenden Vorbestellungszahlen in China sind laut Automobilwoche mit Vorsicht zu genießen.

So lange ist das her? Diese 15 Autos feiern 2025 ein rundes Jubiläum

Die vierte Generation des BMW 5er
30 Jahre BMW 5er (E39): Mit einer Neuauflage des BMW 5ers (vierte Generation) konterte der Münchner Autobauer ab 1995 die gleichzeitig erneuerte Mercedes E-Klasse (W210). Die Touring-Version folgte im März 1997, das Sportmodell M5 im Herbst 1998. © BMW
Ein Toyota RAV4
30 Jahre Toyota RAV4: Mit dem Japaner feiert ein früher Vertreter des Kompakt-SUV Jubiläum. Zunächst wurde der RAV4 nur als Dreitürer angeboten – die fünftürige Version mit deutlich besserem Platzangebot wurde jedoch bald nachgeschoben. © Heritage Images/Imago
Ein Toyota MR2
40 Jahre Toyota MR2: Noch ein Japaner feiert Geburtstag. Der keilförmige Mittelmotorsportwagen mit Klappscheinwerfern wurde in Frankreich nur als MR bezeichnet. Weil sich „MR2“ dort ausgesprochen nach einem Fäkalwort anhört. © Toyota
Ein VW Polo der ersten Generation
50 Jahre Volkswagen Polo: Noch vor Ford Fiesta und Opel Corsa brachte der erste Polo den modernen deutschen Kleinwagen in Fahrt – dies allerdings als Parallelmodell zum Audi 50. © VW
Fahraufnahme eines Porsche 924
50 Jahre Porsche 924: Nachfolger des VW-Porsche 914 und Auftakt zu einer Serie erfolgreicher Sportwagen in Transaxle-Bauweise. Wegen seiner vom Volkswagen-Konzern stammenden Teile wurde er oftmals nicht als vollwertiger Porsche angesehen. Spötter bezeichneten das Modell auch als „Hausfrauenporsche“. © Porsche
Ein AMC Pacer
50 Jahre AMC Pacer: Das Design des kompakten Dreitürers darf vorsichtig wohl als „eigenwillig“ bezeichnet werden. Wegen der großen Glasflächen bekam er auch den Spitznamen „rollendes Aquarium“. Ein filmisches Denkmal wurde dem Wagen durch seine Rolle in der Komödie „Wayne‘s World“ (1992) gesetzt. © Dreamstime/Imago
Ein Mercedes W123
50 Jahre Mercedes 200 D bis 280 E (W123): Ein Bestseller mit dem Ruf fast unzerstörbarer Robustheit. Bis zum Januar 1986 liefen fast 2,7 Millionen Fahrzeuge der Baureihe vom Band. © Mercedes
EIn Opel Manta B
50 Jahre Opel Manta B: Nach nur fünf Jahren Bauzeit des Opel Manta A kam 1975 der Opel Manta B auf den Markt. Der hatte einen längeren Radstand und große Rechteck-Scheinwerfer. Das Foto zeigt ein Exemplar aus dem Jahr 1985. Kult-Status erlangte der Opel Manta B durch den Film „Manta, Manta“ (1991) mit Til Schweiger und Tina Ruland in den Hauptrollen. © Sebastian Geisler/Imago
Ein Rallye-Opel-Ascona-B
50 Jahre Opel Ascona B: Und noch ein Opel feiert 2025 einen runden Geburtstag. Rallyechampion Walter Röhrl gewann mit der Mittelklasse-Limousine Opel Ascona B 1982 sogar die Fahrer-Weltmeisterschaft. © Opel
Ein BMW 3er der ersten Generation
50 Jahre BMW 3er (E21): Die kompakte Sportlimousine ersetzte ab 1975 die BMW 02-Typen und avancierte zur bis heute erfolgreichsten Modellreihe des Münchner Autobauers. Das Sportmodell M3 kommt aber erst 1986 mit der nächsten 3er-Generation (E30) auf den Markt. © BMW
Toyota Corolla der 3. Generation
50 Jahre Toyota Corolla (3. Generation): Im März 1975 kam die dritte Corolla-Generation in Deutschland auf den Markt. Mit dem 1,2-Liter-Motor (55 PS) kostete der Corolla damals ab 8.490 D-Mark. © Depositphotos/Imago
Ein Peugeot 403
70 Jahre Peugeot 403: Im Jahr 1955 wurde der Peugeot 403 erstmals in Paris der Öffentlichkeit vorgestellt. Es war das erste Modell der Franzosen, dass sich mehr als eine Million mal verkaufte. Bekannt wurde die Cabrio-Version des 403 vor allem durch die 1970er-Jahre-Serie Columbo, in der der Hauptdarsteller (Peter Falk) einen solchen Wagen fuhr.  © Pond5 Images/Imago
Ein Fiat 600
70 Jahre Fiat 600: Auf dem Genfer Autosalon 1955 feiert der Fiat „Seicento“ Premiere – noch im selben Jahr startete die Prodktion. Die ersten Modelle – im Gegensatz zum Fahrzeug auf dem Foto – hatten noch sogenannte Selbstmördertüren, die hinten angeschlagen waren. © Depositphotos/Imago
Eine BMW Isetta
70 Jahre BMW Isetta: Im Jahr 1955 startete das Rollermobil BMW Isetta. Das ungewöhnliche Konzept mit der Fronttür ist heute Kult – und findet mit dem elektrischen Microlino sogar eine Art Neuauflage.  © Imagebroker/Imago
Ein Citroën DS
70 Jahre Citroën DS: Auf dem Pariser Salon 1955 feierte die futuristische Limousine ihre Weltpremiere – mit gigantischem Erfolg. Angeblich wurden am ersten Abend nach der Präsentation 12.000 Bestellungen aufgenommen, bis Messeende 80.000 Kaufverträge abgeschlossen. Der Spitzname des damals technisch herausragenden und außergewöhnlich designten Fahrzeugs lautete in Deutschland „die Göttin“. © DS

Oft würden solche Zahlen als Marketinginstrument genutzt, weil die Hürden für eine Reservierung niedrig sind und die Kautionen gering. Wie viele der 10.000 Vorbestellungen also wirklich zu Verkäufen werden, bleibt abzuwarten. Die Ingolstädter planen für die kommenden zwei Jahre mit zwei weiteren Elektro-Neuheiten für den chinesischen Markt. (PF)

Rubriklistenbild: © NurPhoto/Imago

Kommentare