VonPatrick Freiwahschließen
Während deutsche Hersteller über Gewinnschwund klagen, freut sich Audi in China über einen Rekordstart des E5 Sportback. Das steckt hinter dem E-Auto-Erfolg.
Shanghai/Ingolstadt - Mit rund 10.000 Vorbestellungen in einer halben Stunde in China hat Audis neue Submarke vergangene Woche für Furore gesorgt. Der elektrische Kombi AUDI E5 Sportback, entwickelt und gebaut im Reich der Mitte, ist verglichen mit Neuwagen in der Heimat günstiger zu haben – und bleibt deutschen Kunden dennoch verwehrt.
Was steckt hinter diesem Erfolg und was kann die kriselnde deutsche Autoindustrie daraus lernen? „Autopapst“ Ferdinand Dudenhöffer spricht von einem Weckruf für die Branche.
AUDI E5 Sportback: Ein Elektroauto aus China für China
Der AUDI E5 Sportback steht für einen radikalen Wandel in der China-Strategie der Ingolstädter. Das neue Elektroauto ist nicht nur ein technisches Highlight mit bis zu 776 PS, über 600 Kilometern Reichweite und einem riesigen Cockpit-Display – es ist vor allem ein Symbol für Audis neue Offensive in der Volksrepublik.
Entwickelt wurde der E5 Sportback in gerade mal zwei Jahren, gemeinsam mit dem chinesischen Joint-Venture-Partner SAIC. Die Plattform stellt der heimische Autobauer, die Software ist konsequent auf die Bedürfnisse der chinesischen Kundschaft zugeschnitten.
Günstiges Elektroauto von Audi wird in China zur Realität
Mit einem Einstiegspreis von umgerechnet etwa 28.000 Euro ist der AUDI E5 Sportback in China deutlich günstiger, als es ein neues Modell der Marke in Deutschland wäre. Hierzulande könnte das sportliche E-Auto des Premiumherstellers das Doppelte kosten.
Doch der Traum von diesem günstigen Elektroauto bleibt deutschen Autofans verwehrt. Audi verkauft den E5 Sportback unter einer eigenen Submarke, die auch im Hinblick auf das Design eine Besonderheit aufweist. Zum einen ist der Preis in China natürlich dem niedrigeren Einkommensniveau in Fernost geschuldet.
Warum gelingt Audi in China, was in Deutschland unmöglich scheint?
Damit ist der Erfolg des Audi-Elektroautos in China jedoch nicht gänzlich beantwortet. Warum kann Audi dort ein Hightech-Auto zum halben Preis anbieten? Experte Ferdinand Dudenhöffer erklärt gegenüber ntv.de, dass es nicht nur an den Löhnen liegt. Die Arbeitskosten machen in China kaum mehr als zehn Prozent der Gesamtkosten aus, schildert der „Autopapst“.
Wichtiger seien ihm zufolge „günstigere Batterien, niedrige Energiepreise, eine effizientere Fertigung – und vor allem: die Bereitschaft, mit geringeren Margen zu arbeiten“. China demonstriere Tempo und Kostenkontrolle, während Deutschland unter starren Strukturen leidet.
Preispolitik deutscher Autobauer: Renditeproblem und Jobverlust
In Deutschland und anderen Ländern setzen die sogenannten Premiumhersteller weiterhin auf kostspielige Elektroautos, die sich weltweit schlechter verkaufen als erhofft. Die Folge: Gewinnschwund und Rendite-Probleme sowie ein aufgrund der Produktionskosten massiver Stellenabbau, der die Branche und den Wirtschaftsstandort erfasst hat.
Laut einer EY-Studie sind alleine 2024 mehr als 50.000 Stellen in der deutschen Autoindustrie verloren gegangen.
Weckruf durch China? AUDI E5 macht deutscher Konkurrenz Druck
Der Rekordstart des AUDI E5 Sportback dient laut Dudenhöffer als Signal an die gesamte Branche: „Die Konkurrenten BMW und Mercedes stehen jetzt unter Druck“, glaubt der 74-Jährige. Wenn die Preisdifferenz zu groß wird, würden Kunden zu Audi und Co. abwandern – erst in China, dann vielleicht auch in Europa.
Chinesische Hersteller wie BYD oder Xiaomi drängen mit bezahlbaren, hochwertigen Modellen auch auf den europäischen Markt. Für die deutschen Autobauer heißt das: Sie müssen ihre Kosten senken und effizienter werden – auch beim Thema Preis. „Wir können China zuschauen und sagen: In diesen schamlosen Preiskampf steigen wir nicht ein. Oder wir sagen: wir brauchen eine China-Strategie“, ergänzt Dudenhöffer.
Audi-Elektroautos für China: Zwei weitere Neuheiten geplant
Was den AUDI E5 Sportback betrifft, gibt es derweil auch Skepsis: Die beeindruckenden Vorbestellungszahlen in China sind laut Automobilwoche mit Vorsicht zu genießen.
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Oft würden solche Zahlen als Marketinginstrument genutzt, weil die Hürden für eine Reservierung niedrig sind und die Kautionen gering. Wie viele der 10.000 Vorbestellungen also wirklich zu Verkäufen werden, bleibt abzuwarten. Die Ingolstädter planen für die kommenden zwei Jahre mit zwei weiteren Elektro-Neuheiten für den chinesischen Markt. (PF)
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