Heizungsgesetz

Ausländische Wärmepumpen drängen auf den Markt – wird Deutschland schon wieder abgehängt?

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Das Wärmepumpen-Geschäft bereitet sich auf einen neuen Boom vor. Die deutschen Hersteller müssen die Produktion erst hochfahren, während Hersteller aus Asien ihre Chance wittern.

Berlin – Aktuell sieht es in der Heizungsbranche zwar nicht sehr rosig aus. Doch es gibt Grund zur Hoffnung, dass sich die Lage bald wieder dreht. Mit dem Beschluss des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) am Freitag sollte zumindest eines klar werden: Die Wärmepumpe wird in Deutschland an Bedeutung gewinnen. Und damit rechnen auch die Hersteller, die überall ihre Produktion hochfahren. Doch mal wieder hat Deutschland zu lange an alten Technologien festgehalten – und droht abgehängt zu werden.

Vaillant, Viessmann, Bosch: Zu lange auf Öl- und Gasheizungen spezialisiert

Traditionelle deutsche Heizungsbauer wie Vaillant, Viessmann, Wolf, Weishaupt und Bosch waren bisher hauptsächlich auf Öl- und Gasheizungen spezialisiert. All diese Unternehmen bieten mittlerweile auch Wärmepumpen an, oft auch andere Optionen wie die Solarthermie. Doch ob die Produktionskapazitäten dieser Firmen für die anvisierten 500.000 Wärmepumpen pro Jahr ausreichen, das wird sich erst noch zeigen.

Die Konkurrenz aus Asien steht aber schon in den Startlöchern. LG, Daikin, Mitsubishi und Samsung zum Beispiel können schon jetzt riesige Mengen Wärmepumpen herstellen, da sie in Asien die wichtigsten Bauteile dafür schon millionenfach produzieren – nämlich für Klimaanlagen. Da Wärmpumpen vereinfacht gesagt nichts anderes sind, als eine „umgekehrte“ Klimaanlage, haben diese Hersteller schon den Fuß in der Tür.

In einem Interview mit der Wirtschaftswoche sagt beispielsweise der Europa-Chef für Klimalösungen von LG, Peter Verkempynck, dass LG in diesem Jahr schon 100.000 Wärmepumpen in Europa verkauft haben will. „Mittelfristig haben wir das Ziel, eine halbe Million Systeme für den europäischen Markt zu produzieren“, so Verkempynck weiter.

Asiatische Hersteller bieten günstigere Wärmepumpen an

Die hohen Produktionskapazitäten schaffen den asiatischen Herstellern noch einen weiteren Vorteil: Die Preise können niedriger sein als bei den deutschen Konkurrenten. Während Viessmann-Wärmepumpen zum Beispiel für zwischen 11.000 und 25.000 Euro (ohne Installationskosten) angeboten werden, können Anbieter wie Samsung oder Daikin auch Angebote unter 10.000 Euro machen.

Hersteller wie LG drängen mit Wärmepumpen auf den deutschen Markt

Entsprechend haben große Heizungsinstallateure hierzulande auch nicht mit deutschen, sondern mit asiatischen Herstellern Partnerschaften abgeschlossen. Thermondo beispielsweise installiert nur Wärmepumpen von LG, Octoupus Energy ausschließlich solche von Daikin. Entsprechend konnten diese Firmen auch während der Boom-Monate im letzten Jahr immer liefern – während andere Hersteller mit den Aufträgen kaum hinterherkamen.

Und auch Peter Verkempynck von LG sagt: „Ohne unsere Produkte und unsere Produktionskapazitäten, davon bin ich überzeugt, wird Deutschland die Ausbauziele von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck für Wärmepumpen nicht erreichen können.“

Deutschland darf Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen

Das Ganze erinnert an eine ähnliche Situation in Deutschland vor etwa zehn Jahren: Auch die hiesige Solarindustrie hatte in den 2000er Jahren viel Potenzial, wurde dann aber vom chinesischen Markt völlig überrollt, als es um die Skalierung der Produktionskapazitäten ging. Jetzt spielen deutsche Solarmodulhersteller kaum eine Rolle auf dem Weltmarkt. Ein weiteres Beispiel spielt sich gerade in der Autobranche ab: Deutsche Autobauer haben zu lange am Verbrenner festgehalten – sodass es jetzt die USA und China sind, die bei E-Autos die Nase vorn haben.

Wenn deutsche Wärmepumpen-Hersteller also noch eine Chance haben wollen, müssen sie und auch die Bundesregierung wohl oder übel aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Das passiert schon, wenn auch etwas verspätet: Vaillant zum Beispiel nahm im Mai 2023 eine neue Wärmepumpen-Fabrik in der Slowakei in Betrieb, die jährlich 300.000 Wärmepumpen herstellen kann. Und auch Bosch investiert massiv in den Ausbau seiner Kapazitäten: In Polen wird ab 2024 ein neuer Fertigungsstandort gebaut, der ab Ende 2025 mit der Produktion starten soll. Das Unternehmen investiert dafür 255 Millionen Euro. Der Hochlauf hat also schon begonnen – jetzt müssen nur noch die Absatzzahlen wieder steigen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/mix1press

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