Forderungen an Brüssel

Deutsche Autostädte richten strikte Forderungen an die EU

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Unter der Federführung der Autostädte Stuttgart, Wolfsburg, Friedrichshafen und Saarbrücken haben bislang 15 Rathauschefs eine Initiative gestartet und richten strikte Forderungen an die EU.

Stuttgart/Wolfsburg - Die Automobilindustrie steht im Zentrum von Wachstum, Innovation und Wohlstand in Europa, sieht sich jedoch durch zunehmende Deindustrialisierung bedroht. Mit der Initiative „Bürgermeister für einen starken Automobilstandort“ fordern zahlreiche Verwaltungschefs bedeutender deutscher Autostädte die Europäische Kommission auf, schnell Maßnahmen zu ergreifen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autoindustrie und die damit verbundenen Arbeitsplätze zu sichern, wie sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung ausführen.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Die Initiative wird von den Oberbürgermeistern Frank Nopper aus Stuttgart, Dennis Weilmann aus Wolfsburg, Simon Blümcke aus Friedrichshafen und Uwe Conradt aus Saarbrücken angeführt. Uwe Conradt hat die Initiative ins Leben gerufen. Insgesamt haben sich bislang 15 Städte der Kampagne angeschlossen, die über Parteigrenzen hinweg agiert. In diesen Regionen hängen mehr als 600.000 Arbeitsplätze von der Automobilindustrie ab.

Bürgermeister fordern ein klares Bekenntnis zum Automobilstandort Deutschland

Ein zentrales Element der Initiative ist ein Forderungspapier mit sieben Punkten, das an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gerichtet ist. Die Bürgermeister fordern unter anderem ein klares Bekenntnis zur Automobil- und Automobilzuliefererindustrie als Schlüsselbranche für den Wirtschaftsstandort. Sie plädieren für Offenheit bei der Antriebstechnologie und lehnen ein Verbot von Verbrennungsmotoren ab. Neben Elektromobilität sollen auch andere klimafreundliche Antriebsarten wie Plug-in-Hybride gefördert werden.

Die Bürgermeister betonen die Notwendigkeit, gleiche Wettbewerbsbedingungen in Europa zu schaffen, um Investitionen in eine exportorientierte Automobilwirtschaft zu fördern. Sie fordern faire Regeln für offene Grenzen und Märkte. Zudem sollen Strafzahlungen der Automobilhersteller an die EU wegen Nichterreichens der CO₂-Flottengrenzwerte ausgesetzt werden. Zuletzt hatten sich die Chefs der großen Autozulieferer auch mit einem Brandbrief an Bundeskanzler Scholz gewandt.

„Europa braucht wieder eine echte Leistungs- und Wettbewerbskultur“

Die Bürgermeister betonen, dass der Transformationsprozess nicht zulasten der Bürger und Kommunen gehen darf. „Marken wie Mercedes-Benz, BMW, Audi, Volkswagen und Porsche stehen nicht nur für wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch für die Leistungsfähigkeit und den Innovationsgeist unserer Unternehmen und Beschäftigten. Doch genau diese industrielle Substanz erodiert zunehmend“, schreiben Frank Nopper, Dennis Weilmann, Simon Blümcke und Uwe Conradt in ihrem Forderungspapier.

Harte Zeiten für Deutschlands Autoindustrie: Entgegen des langjährigen Trends schrumpfen Absatz und Rendite.

In der Vergangenheit sei viel Vertrauen in der Branche durch emotional aufgeladene Debatten und abrupte Änderungen der Förderkulissen zerstört worden. Hohe Kosten, übermäßige Bürokratie, lange Genehmigungsverfahren, ein Mangel an verfügbaren Flächen und der zunehmende Fachkräftemangel setzen den Automobilstandort Deutschland unter Druck. Diese Entwicklung müsse gestoppt werden.

„Wirtschaftliche Dynamik entsteht durch Innovationsfreude, nicht durch Verbote. Europa braucht wieder eine echte Leistungs- und Wettbewerbskultur. Europa braucht eine starke, wettbewerbsfähige Automobilindustrie. Dafür ist jetzt Ihr entschlossenes Handeln gefragt“, fordern die Verwaltungschefs aus Stuttgart, Wolfsburg, Friedrichshafen und Saarbrücken von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Breites Bündnis aus ganz Deutschland unterstützt Initiative bereits

Die Initiative „Bürgermeister für einen starken Automobilstandort“ wird in den kommenden Wochen weiter ausgebaut. Die Verwaltungschefs planen, den Dialog mit Automobilverbänden zu suchen und ihre Forderungen nach der Bundestagswahl bei der neuen Bundesregierung und den Landesregierungen zu platzieren. Die wichtige Debatte über die Zukunft der Automobilindustrie wird von der Initiative fortgeführt.

Ein breites Bündnis von Bürgermeistern unterstützt diese Initiative. Zu den Erstunterzeichnern gehören Eva Weber aus Augsburg, Armin Grassinger aus Dingolfing, Thomas Kufen aus Essen, Christian Scharpf aus Ingolstadt, Arne Moritz aus Lippstadt, Steffen Hertwig aus Neckarsulm, Monika Müller aus Rastatt, Richard Arnold aus Schwäbisch Gmünd, Sebastian Remelé aus Schweinfurt, Bernd Vöhringer aus Sindelfingen und Constance Arndt aus Zwickau. Vertreter weiterer Kommunen sind laut der Mitteilung eingeladen, sich der Initiative anzuschließen. (PM/jul)

Rubriklistenbild: © STPP/Imago

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