Emissionshandel

CO₂-Preis von 300 Euro: Mit diesen Heizkosten müssen Sie bald rechnen

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Mit dem CO₂-Preis sollen Firmen und Verbraucher überredet werden, klimafreundlicher zu handeln. Doch damit das wirklich gelingen kann, müsste der Preis Experten zufolge deutlich höher liegen.

Berlin – Wer dem Klima schadet, soll dafür zahlen: Das ist die Kernidee hinter dem Emissionshandel. Alles, was mehr CO₂ in die Luft hineinbläst, trägt seit 2021 in Deutschland einen Preis, der Jahr für Jahr ansteigt. Zu Beginn betrug er 25 Euro pro Tonne CO₂, aktuell liegt er bei 30 Euro. Bis 2026 soll der Preis auf 65 Euro pro Tonne steigen – danach werden die Preise nicht mehr festgesetzt, der Markt soll es regeln.

Umstellung kommt plötzlich: 100 Euro pro Tonne denkbar

Die Umstellung ab 2027 erfolgt durch den Einstieg in den europäischen Emissionshandel. Wie hoch die Abgabe für Öl, Gas und Kraftstoffe dann sein wird, kann keiner genau sagen. Aber schon jetzt liegt der Preis für eine Tonne CO₂ bei rund 80 Euro. Aus Sicht mehrerer Experten und Expertinnen wird dieser in den nächsten Jahren über den dreistelligen Bereich klettern. Und das werden Verbraucher und Verbraucherinnen plötzlich ganz deutlich merken.

Im Mai 2023 ergab beispielsweise eine Untersuchung des Klima- und Wirtschaftsforschungsinstituts MCC in Berlin, dass bis 2030 die Abgabe für CO₂ auf 200 Euro bis 300 Euro pro Tonne steigen könnte. Im Jahr 2027 würde der Preis schon über 100 Euro liegen, so die Untersuchung. Eine weitere Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) hat berechnet, dass bis 2050 der CO₂-Preis bei 400 Euro pro Tonne liegen könnte. Bis 2030 berechnet das PIK einen CO₂-Preis von 120 Euro.

Für Verbraucher und Verbraucherinnen bedeutet das deutlich höhere Kosten im Alltag. Bei einem CO₂-Preis von 300 Euro pro Tonne würden die Kosten für eine Ölheizung beispielsweise um jährlich rund 1500 Euro in einem Einfamilienhaus steigen. Für eine Gasheizung stiegen sie um 1200 Euro im Jahr. Wer schon jetzt unter den Heizkosten ächzt, sollte daher schon jetzt über diese Szenarien Bescheid wissen.

Preise für Sprit, Heizöl, Gas werden deutlich steigen

Experten sehen hohen CO₂-Preis als Vorteil

Diese Preise sind aus Expertensicht auch notwendig, um die gesetzten Klimaziele zu erreichen. So schreibt ein Energieökonom in der FAZ: „Verschiedene Abschätzungen zeigen, dass zur Erreichung der deutschen Klimaziele im Gebäudebereich – ohne weiter gehende zusätzliche Maßnahmen – CO₂-Preise eher in der Größenordnung von etwa 200 bis 300 Euro je Tonne CO₂ bis 2030 nötig wären.“

Die Heinrich-Böll-Stiftung schreibt, dass im Gebäudebereich ein Preis zwischen 100 und 180 Euro reichen würde, um deutliche Einsparungen zu merken. Im Verkehr bräuchte es einen CO₂-Preis von mindestens 150 Euro, um einen deutlichen Umstieg von Verbrennern zu spüren.

Erst wenn diese Größenordnung erreicht wäre, würden die Mehrkosten für Gas, Öl und Kraftstoffe auf einmal sehr viele Menschen zum Handeln zwingen. Den sprunghaften Anstieg bewerten Experten und Expertinnen auch eher positiv, da dies schnelles Agieren anregt.

Klimageld der Bundesregierung fehlt noch

Um die gestiegenen Preise für Verbraucher und Verbraucherinnen abzufedern, soll ein Klimageld eingeführt werden, das aus den Einnahmen aus dem Emissionshandel besteht. Darauf haben sich SPD, Grüne und FDP in ihrem Koalitionsvertrag geeinigt. Wann es kommt und wie es ausgezahlt werden soll, ist noch unklar.

Im ersten Halbjahr 2023 hat die Bundesregierung 3,9 Milliarden Euro aus dem Emissionshandel eingenommen.  Die Summe liege 14 Prozent über dem Vorjahresergebnis und stelle einen neuen Bestwert dar, berichtete die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt). Insgesamt wurden 2022 13,2 Milliaden Euro aus dem Emissionshandel eingenommen.

Rubriklistenbild: © Manngold/Imago

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