Reaktion auf Auftragseinbruch

Deutsches Traditionsunternehmen in Familienhand baut dreistellige Zahl an Stellen ab – „bedauern wir sehr“

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Das älteste noch existierende Familienunternehmen Baden-Württembergs reagiert auf den Auftragseinbruch in einer Sparte und baut Stellen ab. Ein Sozialplan steht.

Sigmaringendorf – Die Automobilkrise zieht weite Kreise und trifft längst nicht mehr nur die Hersteller und Tier-1-Zulieferer, sondern auch Betriebe im Mittelstand. Nachdem jüngst ein Familienunternehmen einen Stellenabbau angekündigt hatte, wovon sich die Unternehmerfamilie persönlich sehr betroffen fühlte, muss nun auch das älteste noch bestehende Familienunternehmen Baden-Württembergs Maßnahmen ergreifen. Laut einer am 3. Oktober verschickten Mitteilung, reagiert die Zollern GmbH & Co. KG mit einem Stellenabbau auf den Auftragseinbruch im Bereich Feinguss.

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

Die Firma Zollern geht auf die Einrichtung einer Eisenschmelze im Jahr 1708 durch Fürst Meinrad II. von Sigmaringen-Hohenzollern zurück, befindet sich zum Teil noch immer im Besitz des Hochadelsgeschlechts und ist Teil der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern. Am Hauptsitz in Sigmaringendorf-Laucherthal sowie am Werk Herbertingen (beide Kreis Sigmaringen, Baden-Württemberg) sollen der Mitteilung zufolge insgesamt 150 Stellen wegfallen. Die Standorte im Ausland sind nicht betroffen.

Traditionsunternehmen Zollern will betriebsbedingte Kündigungen vermeiden – schließt sie aber nicht aus

Laut der Schwäbischen Zeitung steckt das Traditionsunternehmen bereits seit langem in der Krise und wird im laufenden Geschäftsjahr in die roten Zahlen abrutschen. Besonders fatal ist der Mitteilung zufolge die Entwicklung im Bereich Feinguss, die dem gesamten Unternehmen einen Umsatzeinbruch beschert. Deshalb ist eine Neuorganisation notwendig, die an den Standorten Laucherthal und Herbertingen zu einem Stellenabbau führen wird. Ende 2024 hatte auch ein anderer traditionsreicher Feinguss-Spezialist aus Baden-Württemberg angekündigt, jede vierte Stelle streichen zu müssen.

Name Zollern GmbH & Co. KG (ZOLLERN)
Gründung 1708
Sitz Sigmaringendorf, Baden-Württemberg
Branche Metallverarbeitende Industrie
Mitarbeiter 1.850 weltweit

Mit dem Betriebsrat sei bereits ein Sozialplan erstellt worden und auf betriebsbedingte Kündigungen will Zollern nach Möglichkeit verzichten. Ganz ausgeschlossen ist dieser Schritt aber nicht. Zunächst soll aber auf die Mitarbeiter im Feinguss in Laucherthal und Herbertingen zugegangen werden und ihnen Abfindungen sowie ein Wechsel in eine Transfergesellschaft angeboten werden. Zollern beabsichtigt den Abbau von 150 Arbeitsplätzen im Bereich Feinguss. Wenn in anderen Unternehmensteilen Mitarbeiter freiwillig die Firma verlassen, könnten Mitarbeiter in diesem Bereich intern versetzt werden.

Das Traditionsunternehmen Zollern baut im Rahmen einer Neustrukturierung 150 Stellen ab (Archivbild).

Zollern-Geschäftsführer sehen Maßnahmen „als unvermeidbar“ an

Die Zollern GmbH & Co. KG, die gemeinsam mit der Friedrich Blickle & Co. GmbH in Winterlingen (Zollernalbkreis, Baden-Württemberg) sowie Standorten im Ausland die Zollern-Gruppe bildet, befindet sich seit einiger Zeit im Wandel weg von der kriselnden Automobilindustrie. Die Neuausrichtung war bislang aber offenbar noch nicht erfolgreich. Der Stellenabbau ist laut Mitteilung ausschließlich auf die genannten Standorte im Kreis Sigmaringen bezogen, die Standorte im Ausland – beispielsweise in Portugal, Rumänien und China – sind nicht betroffen.

Durch die anhaltende Entwicklung ist die Neustrukturierung den Geschäftsführern zufolge alternativlos. „Wir sehen die Restrukturierungsmaßnahmen für die Unternehmensgruppe als unvermeidbar an und bedauern sehr, dass diese unter anderem mit Personalanpassungen einhergehen“, werden Jerry Mackel und Mario Zirn zitiert. „Gleichzeitig ist die Transformation im Geschäftsfeld Feinguss zwingend erforderlich. Wir sehen in der Neuausrichtung eine große Chance, unser Unternehmen zukunftssicher aufzustellen.“

Rubriklistenbild: © Erich Merkler/Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Sigmaringen/Wikipedia/CC BY 4.0

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