Deutsches Traditionsunternehmen in Familienhand baut dreistellige Zahl an Stellen ab – „bedauern wir sehr“
VonJulian Baumann
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Das älteste noch existierende Familienunternehmen Baden-Württembergs reagiert auf den Auftragseinbruch in einer Sparte und baut Stellen ab. Ein Sozialplan steht.
Sigmaringendorf – Die Automobilkrise zieht weite Kreise und trifft längst nicht mehr nur die Hersteller und Tier-1-Zulieferer, sondern auch Betriebe im Mittelstand. Nachdem jüngst ein Familienunternehmen einen Stellenabbau angekündigt hatte, wovon sich die Unternehmerfamilie persönlich sehr betroffen fühlte, muss nun auch das älteste noch bestehende Familienunternehmen Baden-Württembergs Maßnahmen ergreifen. Laut einer am 3. Oktober verschickten Mitteilung, reagiert die Zollern GmbH & Co. KG mit einem Stellenabbau auf den Auftragseinbruch im Bereich Feinguss.
Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg
Die Firma Zollern geht auf die Einrichtung einer Eisenschmelze im Jahr 1708 durch Fürst Meinrad II. von Sigmaringen-Hohenzollern zurück, befindet sich zum Teil noch immer im Besitz des Hochadelsgeschlechts und ist Teil der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern. Am Hauptsitz in Sigmaringendorf-Laucherthal sowie am Werk Herbertingen (beide Kreis Sigmaringen, Baden-Württemberg) sollen der Mitteilung zufolge insgesamt 150 Stellen wegfallen. Die Standorte im Ausland sind nicht betroffen.
Traditionsunternehmen Zollern will betriebsbedingte Kündigungen vermeiden – schließt sie aber nicht aus
Laut der Schwäbischen Zeitung steckt das Traditionsunternehmen bereits seit langem in der Krise und wird im laufenden Geschäftsjahr in die roten Zahlen abrutschen. Besonders fatal ist der Mitteilung zufolge die Entwicklung im Bereich Feinguss, die dem gesamten Unternehmen einen Umsatzeinbruch beschert. Deshalb ist eine Neuorganisation notwendig, die an den Standorten Laucherthal und Herbertingen zu einem Stellenabbau führen wird. Ende 2024 hatte auch ein anderer traditionsreicher Feinguss-Spezialist aus Baden-Württemberg angekündigt, jede vierte Stelle streichen zu müssen.
Name
Zollern GmbH & Co. KG (ZOLLERN)
Gründung
1708
Sitz
Sigmaringendorf, Baden-Württemberg
Branche
Metallverarbeitende Industrie
Mitarbeiter
1.850 weltweit
Mit dem Betriebsrat sei bereits ein Sozialplan erstellt worden und auf betriebsbedingte Kündigungen will Zollern nach Möglichkeit verzichten. Ganz ausgeschlossen ist dieser Schritt aber nicht. Zunächst soll aber auf die Mitarbeiter im Feinguss in Laucherthal und Herbertingen zugegangen werden und ihnen Abfindungen sowie ein Wechsel in eine Transfergesellschaft angeboten werden. Zollern beabsichtigt den Abbau von 150 Arbeitsplätzen im Bereich Feinguss. Wenn in anderen Unternehmensteilen Mitarbeiter freiwillig die Firma verlassen, könnten Mitarbeiter in diesem Bereich intern versetzt werden.
Zollern-Geschäftsführer sehen Maßnahmen „als unvermeidbar“ an
Die Zollern GmbH & Co. KG, die gemeinsam mit der Friedrich Blickle & Co. GmbH in Winterlingen (Zollernalbkreis, Baden-Württemberg) sowie Standorten im Ausland die Zollern-Gruppe bildet, befindet sich seit einiger Zeit im Wandel weg von der kriselnden Automobilindustrie. Die Neuausrichtung war bislang aber offenbar noch nicht erfolgreich. Der Stellenabbau ist laut Mitteilung ausschließlich auf die genannten Standorte im Kreis Sigmaringen bezogen, die Standorte im Ausland – beispielsweise in Portugal, Rumänien und China – sind nicht betroffen.
Durch die anhaltende Entwicklung ist die Neustrukturierung den Geschäftsführern zufolge alternativlos. „Wir sehen die Restrukturierungsmaßnahmen für die Unternehmensgruppe als unvermeidbar an und bedauern sehr, dass diese unter anderem mit Personalanpassungen einhergehen“, werden Jerry Mackel und Mario Zirn zitiert. „Gleichzeitig ist die Transformation im Geschäftsfeld Feinguss zwingend erforderlich. Wir sehen in der Neuausrichtung eine große Chance, unser Unternehmen zukunftssicher aufzustellen.“