Beamte sollen länger arbeiten: Vorschlag zur Rentenreform tritt Debatte los – „Absurde Idee“
VonSandra Sporer
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Eine Untersuchung zeigt zwei Wege für mögliche Rentenreformen auf. Eine davon betrifft Beamte. Die Kritiker reagieren mit Protest.
Frankfurt – Das Pestel-Institut aus Hannover hat mit einem radikalen Vorschlag zur Rentenreform für Aufsehen gesorgt: Beamte sollen künftig fünfeinhalb Jahre länger arbeiten als Arbeiter, weil sie statistisch gesehen deutlich länger leben. Der Vorschlag ist Teil einer Studie, die eine grundlegende Reform des deutschen Rentensystems fordert.
Institut mit Reform-Vorschlag für die Rente: Eintrittsalter an Lebenserwartung koppeln
Die Argumentation des Instituts stützt sich auf Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die erhebliche Unterschiede in der Lebenserwartung verschiedener Berufsgruppen belegen. Männliche Beamte haben demnach ab dem 65. Lebensjahr eine durchschnittliche Lebenserwartung von weiteren 21,5 Jahren, während männliche Arbeiter nur auf 15,9 Jahre kommen. Angestellte erreichen im Schnitt 19,4 Jahre.
„Überdurchschnittlich viele Arbeitnehmerinnen und Arbeiter erreichen die Rente nicht einmal, weil sie früher sterben“, erklärte Matthias Günther, Chefökonom des Pestel-Instituts. In der Studie heißt es: „Wenn wir über eine längere Lebensarbeitszeit reden, dann sollten vor allem die Menschen länger arbeiten, die eine höhere Lebenserwartung aufweisen.“ Diese Aspekte würden in der bisherigen Rentendiskussion „kaum oder gar nicht berücksichtigt“.
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Das Institut schlägt zudem eine „soziale Staffelung“ vor: Die Renten von Geringverdienenden müssten mit Blick auf deren statistisch geringere Lebenserwartung „unbedingt angehoben werden“, so Günther. Umgekehrt wäre bei Besserverdienenden auch eine „soziale Dämpfung“ der Rentenhöhe durchaus vertretbar. Auch Joachim Rock vom Paritätischen findet die Pension von Staatsbediensteten nicht mehr „zeitgemäß“.
Beamte sollen laut Studie länger arbeiten – Beamtenbund und Polizeigewerkschaft sagen nein
Der Deutsche Beamtenbund reagierte erwartungsgemäß scharf auf den Vorschlag und sprach von einer „absurden Idee“. Verbandschef Volker Geyer argumentierte: „Kein Mensch hat eine durchschnittliche Lebenserwartung. Beamte, Arbeitnehmende, Selbstständige, Männer, Frauen, Akademiker, Hauptschüler, Übergewichtige, Sportler – bei jeder Gruppe käme eine andere Lebenserwartung raus.“
Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) lehnte den Vorschlag „rundherum ab“. „Meine Kolleginnen und Kollegen im Schicht- und Einsatzdienst liegen schon heute unter der durchschnittlichen Lebenserwartung, obwohl sie zu Beginn überdurchschnittlich fit und gesund eingestellt werden“, kritisierte ein GdP-Sprecher.