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Bekanntes Krankenhaus ist insolvent: Für beliebte Urlaubsinsel eine „Herausforderung“

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Schock für eine beliebte deutsche Urlaubsinsel: Das einzige Krankenhaus musste einen Insolvenzantrag stellen. (Archivbild)
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Das einzige Krankenhaus auf der Nordsee-Insel Norderney muss Insolvenz anmelden. Für Angestellte, Einwohner sowie tausende Patienten ist es ein Schock.

Norderney – In Deutschland geht die Pleitewelle derzeit in jeder Branche um. Bei einem traditionsreichen Motorenhersteller sind 150 Mitarbeiter von der Insolvenz des Unternehmens betroffen, eine Traditionsbäckerei musste ebenso die Insolvenz anmelden wie eine traditionsreiche Pralinenmanufaktur. Und während ein beliebtes Skigebiet in Deutschland wegen des insolventen Liftbetreibers noch vor dem Start der Wintersaison zittern muss, treibt ein insolventes Krankenhaus eine beliebte Urlaubsinsel in der Nordsee um.

Krankenhaus auf beliebter Nordsee-Urlaubsinsel ist insolvent: Tausende Besucher werden auf Norderney versorgt

Denn auch die Not in der Pflegebranche ist groß. Und viele Krankenhäuser dürften ohne Reform „insolvent gehen“. Da bleibt der Insolvenzantrag für das einzige Krankenhaus auf der beliebten Nordseeinsel Norderney möglicherweise kein Einzelfall. Nach eigenen Angaben ist es das einzige Akutkrankenhaus auf der ostfriesischen Insel und versorgt jedes Jahr bis zu 6000 Patientinnen und Patienten.

„Es ist uns bewusst, dass diese Nachricht für unsere Mitarbeitenden, Patienten und die gesamte Insel Norderney eine große Herausforderung darstellt“, sagte der Geschäftsführer der Klinik, Uwe Peters, laut Mitteilung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zur Insolvenz des Krankenhauses. „Die Entscheidung zur Insolvenzantragstellung war notwendig, um die Zukunft des Krankenhauses zu sichern und eine geordnete Restrukturierung einzuleiten.“

Wichtiges Krankenhaus auf Nordsee-Insel Norderney meldet Insolvenz an: 75 Angestellte von Pleite betroffen

Gründe für die Insolvenz sind demnach die wirtschaftliche Schieflage, mit der die Klinik auf Norderney in den vergangenen Jahren zu kämpfen hatte. Die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg und die gestiegenen Betriebskosten haben diese Probleme in der Vergangenheit noch weiter verstärkt.

Das Krankenhaus Norderney, die einzige Akutklinik der Insel, hat Insolvenz angemeldet. „Völlig unerwartet“, wie die Stadt am Dienstag bekannt gab. (Archivbild)

Insgesamt sind 75 Angestellte von der Pleite der Klinik betroffen. Diese seien nach dpa-Informationen bei einer Versammlung von der Zahlungsunfähigkeit des Krankenhauses auf der Nordseeinsel informiert worden. Als Ziel sei aber ausgegeben worden, den Betrieb durch die Restrukturierung infolge des Insolvenzantrags weiter aufrechtzuerhalten.

Einzige Norderney-Klinik ist insolvent: Stadt auf der Nordsee-Insel übt nach Pleite deutliche Kritik

Die Stadt Norderney ist indes von der Insolvenz des Krankenhauses offenbar überrascht worden. Sie teilte mit, dass sie völlig unerwartet von dem Insolvenzantrag erfahren habe. Dadurch sei der Stadt die Möglichkeit verwehrt worden, rechtzeitig gegenzusteuern. Nun bleibe zunächst nur noch das Ziel, sich einen klaren Überblick über die aktuelle Lage zu verschaffen und den Krankenhausbetrieb zu stabilisieren. Eine Rettung scheint keineswegs aussichtslos, da die größte deutsche Klinik ihrer Art in Niedersachsen als positives Beispiel dienen könnte.

Der Stadt zufolge kam es bereits zu einem Treffen zwischen der Verwaltungsspitze der Stadt, der Krankenhausführung und dem vorläufigen Insolvenzverwalter, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Insolvente Norderney-Klinik: Insolvenz von Unternehmen in Deutschland auf Rekordhoch

Die Insolvenz der Norderney-Klinik ist ein weiteres Beispiel für eine besorgniserregende Reihe von Unternehmenspleiten in der jüngsten Vergangenheit. Denn nach Angaben des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), befindet sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland auf einem Rekordhoch.

Demnach sei die Zahl der Insolvenzen im dritten Quartal so hoch gewesen wie in keinem Quartal seit 2010.

Norderney-Krankenhaus meldet Insolvenz an: Ein weiteres Beispiel für düsteren Trend in Deutschland

Auch die Unternehmensberatung Falkensteg verfolgt diesen besorgniserregenden Trend bei Insolvenzen in Deutschland. „Das zweite Halbjahr verspricht einen Sturm von Firmenpleiten. Zumal die zweite Jahreshälfte immer deutlicher höhere Fallzahlen aufweist“, prognostiziert der Restrukturierungsexperte und Partner bei Falkensteg, Jonas Eckhardt.

Auch deshalb könnten das insolvente Krankenhaus, eine insolvente Bäckerei-Kette in Deutschland sowie der insolvente Fahrradproduzent oder der insolvente Mode-Riese nur die ersten Vorboten für einen düsteren Winter sein.

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