VonKlaus Ehringfeldschließen
Die Trump-Administration verhängt hohe Zölle auf Exporte aus Mexiko in die USA. Mexikos Präsidentin Sheinbaum bezeichnet die Gebühren als „beleidigend, diffamierend und unbegründet“ und strebt erneut einen Dialog mit Washington an.
Keines der von Donald Trump beleidigten und bedrohten Länder hat so viel Zugeständnisse gemacht wie Mexiko. Der südliche Nachbar, dessen Volkswirtschaft auf Gedeih und Verderb von den USA abhängig ist, hat seit Jahresbeginn fast alles dafür getan, damit der neue US-Präsident die exorbitanten Strafzölle von 25 Prozent auf in Mexiko gefertigte Waren nicht erhebt. Die Linksregierung hat 29 Kartellbosse ausgeliefert, die Nordgrenze mit Tausenden Nationalgardisten gesichert. Es hat die Droge Fentanyl in historischem Ausmaß beschlagnahmt, und das Land bremste die chinesischen Investitionen immer weiter aus.
So wähnte sich Mexiko gefeit vor der Verhängung der Sonderabgaben. Aber am Ende war alles nutzlos. Nun stehen also die beiden seit Jahrzehnten eng verbundenen Wirtschaftspartner vor einem Handelskrieg und nicht vor dem Ausbau der Zusammenarbeit im Rahmen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommen USMCA.
Mexiko hofft auf Kompromiss nach Trump-Zöllen: „Beleidigend und unbegründet“
Präsidentin Claudia Sheinbaum reagierte am Dienstag sichtlich verstimmt. Es gebe keine Rechtfertigung für die Zölle. Sie seien „beleidigend, diffamierend und unbegründet“ und verstießen gegen das Nordamerikanische Freihandelsabkommen USMCA, sagte sie auf ihrer morgendlichen Pressekonferenz. Mexiko wolle keinen „Handelskrieg, der den Menschen nur schadet“, unterstrich sie und kündigte an, dass ihre Regierung von Sonntag an mit „tarifären und nichttarifären Maßnahmen“ auf die verhängten Zölle reagieren werde. Zuvor wollte die Linkspräsidentin aber am Donnerstag noch einmal mit Trump sprechen, um zu sehen, ob sie ihn noch einmal umstimmen kann, so wie es ihr bereits im Februar gelungen war, als sie einen einmonatigen Aufschub der Zölle erreichte. „Mit der US-Entscheidung gewinnt niemand“, unterstrich sie. Aber vielleicht löst sich das Problem sogar schon früher.
US-Handelsminister Howard Lutnick deutete am Dienstag überraschend an, es könne eine rasche Einigung im Zollstreit mit Kanada und Mexiko geben. Er habe den ganzen Tag mit seinen Kollegen aus den beiden ehemaligen Partnerländern telefoniert, sagte Lutnick „Man werde sich wahrscheinlich ‚in der Mitte‘ treffen.
Ankündigungen der Trump-Zölle: Rezession droht in Mexiko
Mexiko liefert über 80 Prozent seiner Exporte an den nördlichen Nachbarn, vornehmlich Autos und Autoteile sowie Haushaltswaren. Mehr als 15 Prozent ihrer Einkäufe tätigen die USA in Mexiko. Für beide Seiten ist der jeweils andere Nachbar der wichtigste und größte Handelspartner. Sie tauschen im Jahr Waren im Wert von rund 740 Milliarden Dollar.
Für die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas wären die Strafzölle daher existenzbedrohend. Mit allgemeinen Aufschlägen von 25 Prozent auf alle Exporte des Landes steht das ganze mexikanische Wirtschaftsmodell auf der Kippe und das Land vor der Rezession, wie Analysten fürchten. Moody‘s Analytics schätzt, dass die jetzt erhobene Strafabgabe die mexikanische Wirtschaft bis 2025 um 0,5 bis ein Prozent schrumpfen lassen werde. Dabei war das Bruttoinlandsprodukt schon 2024 nur um magere 1,2 Prozent gestiegen.
Das Inkrafttreten eines allgemeinen Zolltarifs bremst nach Auffassung der Analysten die Exporte, reduziere zudem die ausländischen Direktinvestitionen und führe zu einer hohen Volatilität an den Finanzmärkten. Sollten darüber hinaus zusätzliche Zölle auf bestimmte Produkte wie Stahl und Aluminium in Kraft treten, hätte dies einen Kaskadeneffekt auf andere Branchen wie die Automobilindustrie, das verarbeitende Gewerbe, das Baugewerbe und den Technologiesektor.
Von den Folgen der Zölle werden auch Hunderte deutsche Unternehmen betroffen sein, die von hier in die USA exportieren, vornehmlich alle großen deutschen Autobauer, die in Mexiko große Werke haben. Bis zur Endfertigung wechseln die Komponenten eines Fahrzeugs oft mehrfach die Grenze, was die Anwendung der neuen US-Zölle extrem kompliziert macht.
