VonAndreas Hößschließen
Laut einer Umfrage sind kurze Stromausfälle bei deutschen Unternehmen offenbar häufiger als gedacht. Weshalb es die Ausfälle gibt, bleibt allerdings etwas unklar. Einige Firmen schützen sich mit Notstromaggregaten und Speichern vor Engpässen.
Das deutsche Stromnetz gilt als stabil. Trotz Energiewende und Abschaltung der Atomkraftwerke gab es anders als häufig befürchtet bislang keine flächendeckenden Stromausfälle, tagelangen Blackouts oder komplette Netzzusammenbrüche. Kleinere Aussetzer sind aber scheinbar häufiger als gedacht. Diesen Schluss legt eine Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) nahe, die Ippen.Media vorliegt. „Die Bedeutung von Stromausfällen im Jahr 2023 in Deutschland war erheblich“, erklärte der DIHK zu der Umfrage, über die zuerst die Welt am Sonntag berichtet hatte. Die Zahlen würden zeigen, „dass Stromausfälle in Deutschland häufig vorkommen“.
Unternehmen machen sich Sorgen um Stromausfälle
Demnach klagten 42 Prozent der mehr als 1000 befragten Unternehmen, dass sie 2023 von mindestens einem Stromausfall betroffen waren, der weniger als drei Minuten gedauert hat – in der Industrie waren es offenbar sogar rund die Hälfte. 28 Prozent der Firmen berichteten zudem von länger andauernden Stromausfällen. Mehrfachnennungen waren dabei möglich. Bei ebenfalls 42 Prozent gab es hingegen keinen Stromausfall, 16 Prozent machten keine Angaben.
Um Produktionsausfälle durch Engpässe im Stromnetz zu vermeiden, investieren einige Firmen selbst in Energieinfrastruktur. Sieben Prozent der Betriebe richteten zur Abdeckung der Spitzenlast Notstromaggregate ein und elf Prozent Energiespeicher. „Die Sorge vor Stromausfällen ist also häufig Ursache für eigene Absicherungsmaßnahmen“, erklärte die DIHK und verwies dabei auch auf das hauseigene Energiewende-Barometer. Dort hatten 46 Prozent der Befragten angegeben, sich auf irgendeine Art gegen Stromausfälle abzusichern.
Während die DIHK indirekt den „zunehmenden Anteil witterungsabhängiger Erneuerbarer Energien“ für die Ausfälle verantwortlich macht, lassen die Umfragedaten keine klaren Schlüsse zu. 13 Prozent der Umfrageteilnehmer nannten Kabelschäden und Bauarbeiten als Ursache für die Unterbrechung im Netz, elf Prozent gaben die Netzbetreiber als Verantwortliche an, bei acht Prozent waren Gewitter schuld und bei drei Prozent Netzschwankungen. Zwei Drittel der Unternehmen konnten hingegen keine Ursache identifizieren, die Netzbetreiber müssen diese bei kurzen Störungen auch nicht melden.
Stromausfälle führen zu teuren Schäden - bis zu 100.000 Euro
Ärgerlich seien die kurzen Aussetzer dennoch, wie die DIHK erklärt. Sie könnten die Produktion kurzzeitig stilllegen, Daten vernichten und im schlimmsten Fall sogar Maschinen beschädigen. Die konkreten Konsequenzen bei den befragten Firmen, die meist aus dem Mittelstand stammten, sind jedoch überschaubar. Fast die Hälfte gab an, keine Schäden gehabt zu haben, bei etwa einem Viertel waren es weniger als 10.000 Euro, nur 19 Betriebe berichteten von mehr als 100.000 Euro Schaden, wobei unklar ist, wie groß die betreffenden Firmen sind.
Auch wenn sie einen weitgehend blinden Fleck bei der Stromversorgung beleuchtet: Wirklich repräsentativ dürfte die Umfrage nicht sein. Das räumt auch die Industrie- und Handelskammer ein. Die Teilnahme sei für die Mitglieder nicht verpflichtend gewesen. Deshalb sei es wahrscheinlich, dass eher jene Unternehmen ihren Unmut geäußert hätten, die tatsächlich Probleme mit der Stromversorgung haben oder sich grundsätzlich für das Thema interessieren. Dennoch seien die „Ergebnisse für diesen Ausschnitt der Wirtschaft bemerkenswert“, so die DIHK. Der häufige Bedarf für Speicher und Notstromaggregate „spricht für flächendeckende Probleme“.
Für die Zukunft wünscht sich die Handelskammer deshalb Verbesserungen. Der Strombedarf steige, und wenn „die Infrastruktur nicht Schritt hält, können Spannungsabfälle bis hin zu Ausfällen zunehmen.“ Die Übertragungs- und Verteilernetze müssten deshalb schnell ausgebaut und modernisiert werden, die Stromnetze leistungsfähiger. Smarte Netze, in denen Erzeugung, Speicherung und Verbrauch von Strom besser aufeinander abgestimmt werden, müssten schneller kommen. Gleichzeitig sollten Netzbetreiber verpflichtet werden, bessere Auskünfte über kurze Ausfälle zu geben, bessere Stichproben seien dabei angebracht. Auch neue Entschädigungsregelungen von Verbrauchern gegenüber Netzbetreibern bei Stromausfällen fordert die DIHK auf Basis der Umfrage.
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