- VonNicola de Paolischließen
Der einstige Immobilienmilliardär René Benko beschäftigt international mehrere Staatsanwaltschaften. Allein in der bayerischen Hauptstadt summieren sich die Vorwürfe auf einen immensen Betrag.
Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den in Österreich inhaftierten Immobilienmogul René Benko wegen des Verdachts von Betrug und Untreue in jeweils dreistelliger Millionenhöhe. Es geht dabei um zwei Tatkomplexe: Zum einen untersuchen die Ermittler, ob Benko und andere Manager der Signa-Gruppe einen saudi-arabischen Staatsfonds betrogen haben. Gleichzeitig wird geprüft, ob Benko und eventuelle Komplizen Gelder eines Unternehmens der Signa-Gruppe veruntreuten.
In beiden Fällen sollen die dreistelligen Millionenbeträge unmittelbar nach Geldeingang in den „Unternehmenskomplex“ Signa geflossen sein. Beide Investitionen stehen demnach im Zusammenhang mit dem Projekt „Franz“ in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs - mittlerweile eine Bauruine. Die Münchner Staatsanwaltschaft führt das umfangreiche Verfahren nach eigenen Angaben ergebnisoffen.
Ermittlungen gegen René Benko begannen im Herbst 2023
Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt zusammen mit dem Landeskriminalamt Bayern seit Herbst 2023. Ausgangspunkt für die Einleitung des Ermittlungsverfahrens waren mehrere Geldwäscheverdachtsanzeigen. „Ob und inwieweit die Geldbeträge für die genannten Objekte verwendet wurden, ist Gegenstand der Ermittlungen“, hieß es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft.
Dabei geht es unter anderem auch um eine Strafanzeige eines Catering-Unternehmens. Ein Geschäftsführer einer Münchener Signa-Projektgesellschaft soll demnach kurz vor Eintritt der Insolvenz ein Catering in der „Alten Akademie“ für über 100 Personen bestellt und letztlich nicht bezahlt haben.
René Benko ist nicht der einzige Beschuldigte in den deutschen Ermittlungen
Benko ist nicht der einzige Beschuldigte, das Münchner Ermittlungsverfahren wird demnach auch „gegen weitere noch nicht namentlich bezeichnete Verantwortliche der Signa-Gruppe geführt“. Benkos Anwalt äußerte sich in den vergangenen Tagen nicht zu den aktuellen Vorgängen, bisher hat der Anwalt alle Vorwürfe gegen seinen Mandanten bestritten.
Die Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hatte Benko vergangene Woche festnehmen lassen, mittlerweile sitzt er in Untersuchungshaft. Auch in der österreichischen Hauptstadt laufen Ermittlungen im Zusammenhang mit den Münchner Vorgängen. Seit Herbst 2024 arbeitet eine gemeinsame Ermittlungsgruppe der Staatsanwaltschaften in Wien, München und Berlin an dem Fall, um die Maßnahmen zu koordinieren und sichergestellte Beweismittel leichter untereinander austauschen zu können.
Deutschland, Österreich und Italien: Benko beschäftigt Ermittler in drei Ländern
Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug und Insolvenzverschleppung. Auslöser des seit 2023 laufenden Münchner Ermittlungsverfahrens waren mehrere Geldwäscheverdachtsanzeigen. Benko beschäftigt Ermittler in mindestens drei Ländern: Auch die italienische Justiz ist mit dem Skandal befasst und hat unabhängig von dem Wiener Verfahren einen Haftbefehl erlassen.
Der österreichische Unternehmer hatte in Zeiten billiger Kreditzinsen mit der Signa-Gruppe ein Immobilienimperium aufgebaut, zu dem unter anderem die Kaufhausgruppen KaDeWe und Galeria gehörten. Steigende Zinsen, Energiepreise und Baukosten hatten das Firmengeflecht zum Einsturz gebracht. Nach Angaben des Insolvenzverwalters summieren sich die Forderungen der Gläubiger an Benko auf etwa 2,4 Milliarden Euro. (mit Material von dpa)
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