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Schattenflotten verhalfen Putin, Ölgeschäfte weiterzuführen. Die USA greifen mit neuen Sanktionen stärker dagegen ein. Die Maßnahmen beginnen sie zu wirken.
Moskau – Die USA erhöhen den Druck auf Russland: Im Visier der jüngsten Sanktionen stehen unter anderem Geisterschiffe von Wladimir Putin. Die Regierung von Joe Biden will damit härter gegen Putins Taktiken vorgehen, die Ölsanktionen zu umgehen. Inzwischen haben die USA 14 Tanker der staatlichen russischen Reederei Sovcomflot auf eine schwarze Liste gesetzt. Die Folgen bekommt Putins Schattentanker jetzt zu spüren.
Putins Geisterflotte im Visier der US-Sanktionen – Folgen bereits spürbar
So ist der Aktienkurs der Sovcomflot an der Moskauer Börse um mehr als 8 Prozent gesunken, nachdem das US-Finanzministerium Sanktionen gegen das Unternehmen verhängt hatte. Nach jüngstem Stand liegt der Kurs der Sovcomflot–Aktien bei 131,2 Rubel, wie die staatliche Nachrichtenagentur tass.ru unter Berufung von Handelsdaten berichtet.
Für Putin könnten die Sanktionen zudem Möglichkeiten des Öl-Handels und der Sanktionsumgehung massiv einschränken: „Sovcomflot ist als Muttergesellschaft in Verstöße gegen die Preisobergrenzen und in betrügerische Aktivitäten verwickelt“, zitierte der Spiegel ein Ministerialbeamter.
Schiffe, die mit Sovcomflot und ihrer sanktionierten Einheit „Sun Ship Management“ verbunden sind, haben Indien laut der Plattform Energy Intelligence seit Januar 2023 mit mindestens 100 Millionen Barrel Rohöl beliefert. Im Jahr 2023 hat Indien mindestens 142 Ladungen russischen Rohöls von Schiffen erhalten, die jetzt unter US-Kontrolle stehen, wie indische Beamte und Schiffsverfolgungsdaten belegen. 74 dieser Ladungen wurden laut Energy Intelligence von den neu sanktionierten Schiffen mit Verbindungen zu Sovcomflot geliefert.
USA verhängen 500 neue Sanktionen gegen Russland – Jagd auf Putins Geisterflotte
Auf der schwarzen Liste stehen laut der britischen Plattform Riviera Maritime Media zudem ein Bohrschiff, ein Trio von Stückgutfrachtern und Forschungsschiffe aus der Flotte des staatlichen Unternehmens Rosgeologia. Das Unternehmen, das den russischen Schiffbaukomplex Zvezda kontrolliert, wurde ebenfalls mit Sanktionen belegt. Das Finanzministerium begründet dies mit der Rolle der Werft in Russlands militärisch-industrieller Produktionsbasis.
Zum Hintergrund: Die USA haben am Freitag (23. Februar) 500 neue Sanktionen gegen Russland verhängt. „Zusammen mit den Maßnahmen des US-Außenministeriums ist dies die größte Zahl von Sanktionen, die seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine verhängt wurden“, teilte das US-Finanzministerium mit. Der stellvertretende US-Finanzminister Wally Adeyemo kündigte unter anderem weitere Sanktionen im Zusammenhang mit dem westlichen Preisdeckel für russische Ölexporte in Drittstaaten an. Die Verschärfung ziele darauf ab, „die Einnahmen des Kremls zu schmälern und gleichzeitig zu ermöglichen, dass Öl auf den Markt gelangt“.
Als Reaktion auf Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hatten die EU und ihre G7-Partner einen Ölpreisdeckel beschlossen. Der Deckel soll Moskau eigentlich dazu zwingen, Öl für höchstens 60 US-Dollar (55 Euro) pro Barrel (159 Liter) zu verkaufen, also unter dem Weltmarktpreis. Experten zufolge hapert es aber bei der Umsetzung der Maßnahme. Auch neue Ausfuhrbeschränkungen für fast 100 Unternehmen, die Russlands Kriegsmaschinerie durch die Hintertür unterstützten, seien geplant, kündigte die US-Regierung an.
Trotz Sanktionen gegen Putin – Experten warnen vor ausgefeilteren Umgehungstaktiken
Seit Oktober 2023 haben die USA Sanktionen gegen mehr als 50 Schiffe verhängt, die direkt oder über ihre Eigner russisches Rohöl transportieren, weil sie gegen die Ende 2022 eingeführte Preisobergrenze von 60 US-Dollar pro Barrel verstoßen haben. Mit Verhängung der Strafmaßnahmen gegen Russland wuchs Experten zufolge allerdings auch die Sorge, dass Putin auf andere Umgehungstaktiken mithilfe seiner Geisterflotte zurückkommen könnte.
„Russlands Programm zur Umgehung von Sanktionen im industriellen Maßstab wird immer komplizierter und ausgefeilter“, warnten die Schifffahrtsexperten von „Lloyd’s List Intelligence“ im Dezember 2023. Dazu gehörten „eine immer größer werdende ‚dunkle Flotte‘ und ein nebulöses Netzwerk von Scheinfirmen und Mittelsmännern, die sich den westlichen Maßnahmen entziehen“, so die Experten. Doch bislang sieht es so aus, als müsste Putin anderer Prioritäten setzen, damit seine Wirtschaft nicht noch verwundbarer wird. (bohy)
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