VonUlrike Hagenschließen
Experten prognostizieren, dass die Sozialabgaben in den nächsten Jahren auf über 50 Prozent ansteigen könnten. Dies würde für Arbeitnehmer eine erhebliche Mehrbelastung bedeuten.
Frankfurt – Die Sozialabgaben in Deutschland sind bereits hoch – und werden weiter steigen: 2025 werden voraussichtlich 41,7 Prozent des Bruttolohns für die Sozialversicherung fällig. Die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze ist ebenfalls zu erwarten. Experten haben in unterschiedlichen Modellen berechnet, dass sich Arbeitnehmer jedoch in den kommenden Jahrzehnten auf weitere Anhebungen – und damit weniger Netto vom Brutto einstellen müssen. Nach den Studien könnten die Sozialabgaben auf mehr als 50 Prozent steigen.
Weniger Netto vom Brutto: Das passiert, wenn die Sozialabgaben auf mehr als 50 Prozent steigen
Steigende Sozialabgaben belasten deutsche Arbeitnehmer und Unternehmen zunehmend. Schon heute fließen 40,9 Prozent des Bruttolohns in die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Ökonomen warnen, dass die Abgaben in den kommenden Jahren weiter drastisch steigen könnten. Studien der Düsseldorfer WHU Otto Beisheim Scholl of Management prognostizieren, dass im ungünstigsten Fall die Sozialabgaben auf über 50 Prozent angehoben werden könnten; bis 2050 seien sogar Anstiege bis 60 Prozent denkbar.
Für Arbeitnehmer, die davon prozentual jeweils die Hälfte zu tragen haben, bedeutet dies: 20,85 Prozent bei der für das nächste Jahr geplante Erhöhung; bei einem Satz von 50 Prozent stiege dieser Anteil auf 25 Prozent.
| Versicherungssystem: | Sozialversicherung |
| Versicherte Risiken: | Krankheit, Mutterschaft, Pflegebedürftigkeit, Arbeitsunfall, Berufskrankheit, Arbeitslosigkeit, Erwerbsminderung, Alter und Tod |
| Zweige: | Krankenversicherung, Unfallversicherung, Rentenversicherung, Pflegeversicherung, Arbeitslosenversicherung |
| Höhe der Beiträge: | 14,6 Prozent Krankenversicherung, 18,6 Prozent Rentenversicherung, 3,4 Prozent Pflegeversicherung 2,6 Prozent Arbeitslosenversicherung (2024) |
| Anzahl der Träger: | ca. 550 |
Experten warnen: Ohne Reformen Anstieg der Sozialabgaben auf bis zu 60 Prozent möglich
Eine Untersuchung des unabhängigen IGES-Instituts im Auftrag der DAK-Gesundheit bestätigt den Trend. Ohne tiefgreifende Reformen, so die Berechnungen, könnten die Sozialversicherungsbeiträge schon bis 2035 auf 48,6 Prozent steigen. Das IGES sieht die wachsenden Kosten, und dadurch explodierenden Beiträge – vor allem der Krankenkassen – als treibende Kraft hinter dieser Entwicklung.
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Doch auch ein „alterndes“ Deutschland ist verantwortlich für die bei den „drei Sozialversicherungen aufgehende Schere zwischen demografisch bedingtem Ausgabenanstieg und sinkender Einnahmenbasis“, so der WHU-Bericht. Die Generation der Babyboomer geht nach und nach in den Ruhestand. Dies bedeute, dass immer weniger Erwerbstätige für immer mehr Rentner aufkommen müssen. Gleichzeitig steigen die Kosten für Kranken- und Pflegeversicherung massiv, was die Abgabenlast weiter nach oben treibt.
| IGES-Berechnungsgrundlage | 2030 | 2035 |
|---|---|---|
| Günstigste Entwicklung | 43,9 Prozent | 45,8 Prozent |
| Basisszenario | 45,5 Prozent | 48,6 Prozent |
| Ungünstigste Entwicklung | 46,3 Prozent | 51,2 Prozent |
Drastischer Anstieg der Sozialabgaben: Das bedeutet es für Arbeitnehmer
Die Konsequenzen werden demnach zukünftig immer deutlicher spürbar: Während heute ein Arbeitnehmer bei einem Bruttogehalt von 4000 Euro etwa 818 Euro an Sozialabgaben zahlt, würden sich die Abgaben bei einem Beitragssatz auf 50 Prozent auf 1000 Euro erhöhen, bei 60 Prozent sogar auf 1200 Euro. Dies bedeutet für Beschäftigte deutlich weniger Netto vom Brutto.
| Brutto-Gehalt/Monat | 2.500 Euro | 3.000 Euro | 3.500 Euro | 4.000 Euro | 4.500 Euro | 5.000 Euro |
| Anteil Sozialabgaben | ||||||
| 40,9 Prozent | 511 Euro | 613,50 Euro | 715,75 Euro | 818 Euro | 920.25 Euro | 1022 Euro |
| 41,7 Prozent | 521,25 Euro | 625,50 Euro | 729,75 Euro | 834 Euro | 938,25 Euro | 542,50 Euro |
| 44,5 Prozent | 556,25 Euro | 667,50 Euro | 778,75 Euro | 890 Euro | 1001,25 Euro | 1112,50 Euro |
| 50 Prozent | 625 Euro | 750 Euro | 875 Euro | 1000 Euro | 1125 Euro | 1250 Euro |
| 60 Prozent | 750 Euro | 900 Euro | 105 Euro | 1200 Euro | 135 Euro | 1500 Euro |
Das Gleiche gilt für Arbeitgeber, die ebenfalls die Hälfte der Sozialbeiträge ihrer Angestellten tragen. Für ein Unternehmen mit einem Angestellten, der 4000 Euro brutto verdient, bedeutet das im schlimmsten Fall zusätzliche Kosten von bis zu 1200 Euro; ein erheblicher Anstieg im Vergleich zu den heutigen 818 Euro – und den voraussichtlich ab 2025 auch durch den historischen Anstieg der Krankenkassenbeiträge bedingten Beitragssatz von 41.7 Prozent aufgerufenen 834 Euro.
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