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Bitcoin erreicht sein nächstes Allzeithoch zum Auftakt der Crypto Week im US-Kongress. Für die Krypto-Lobby markiert diese Woche einen Wendepunkt in der Zukunft der Finanzmärkte.
Washington – Der Kryptomarkt erlebt seit Antritt von US-Präsident Donald Trump eine aufregende Wiederbelebung. Bitcoin erreichte am Montag (14. Juli) einen Rekordwert von 123.153 US-Dollar – am selben Tag, an dem die „Crypto Week“ in den USA startete. Inzwischen ist der Kurs leicht gefallen, aber mit 118.109 Dollar (Stand 27. Juli) nach wie vor hoch. Selbst auf den klassischen Kapitalmärkten wurden verstärkt Finanzflüsse in Richtung Krypto verzeichnet. So sind in der vergangenen Woche rund 1,18 Milliarden US-Dollar in Bitcoin-ETFs investiert worden. Was hat es mit dem aktuellen Krypto-Boom auf sich?
„Crypto Week“ in den USA zieht Bitcoin auf Allzeithoch
Im Zuge der verschärften Zollankündigungen des US-Präsidenten und dem damit verbundenen Marktbeben an der US-Börse suchten Anleger zunehmend nach alternativen Häfen – neben Gold wuchs auch der Bitcoin-Kurs rasant. „Wir glauben, dass der Anstieg von Bitcoin von längerfristigen institutionellen Käufern angetrieben wird, und dies wird ihn in den nächsten ein oder zwei Monaten auf 125.000 US-Dollar treiben“, erklärte Jeff Mei, Chief Operating Officer bei der Kryptowährungsbörse BTSE, gegenüber CNBC.
Trump plant eine Reihe von historischen Maßnahmen zu verabschieden, um Kryptowährungen in die US-Finanzmärkte zu etablieren. Bereits in dieser Woche tagt das US-Repräsentantenhaus, in der sogenannten „Crypto Week“, über mehrere Gesetzesentwürfe. „Bitcoin wird in den USA – der größten Volkswirtschaft der Welt – in den Mittelpunkt des nationalen Wirtschaftsdenkens gerückt, aber auch in die Finanzpolitik von Unternehmen und in institutionelle Portfolios“, sagte Nigel Green, CEO der Finanzberatungsorganisation deVere Group, gegenüber The Independent.
Historischer Wendepunkt: US-Kongress debattiert über Krypto-Gesetze
Republikaner Donald Trump forciert damit weiterhin die Liberalisierung der Finanzmärkte durch die Verringerung staatlicher Eingriffe. Die geplanten Krypto-Gesetze, darin sind sich Krypto-Experten einig, können einen historischen Wendepunkt für die Branche und den Finanzmarkt bedeuten. Das Repräsentantenhaus wird vom 14. Juli bis 18. Juli in diesem Rahmen über drei zentrale Gesetzentwürfe abstimmen, die die USA als Krypto-Vorreiter positionieren sollen, so das erklärte Ziel.
Mit den Gesetzen wird es privaten Unternehmen ermöglicht, digitale Dollar herausgeben zu dürfen. Banken, Fintechs oder Internetunternehmen würden bereits an der Einführung von Dollar-gestützten Token arbeiten und Krypto in ihre Finanzstrategie integrieren, wie US-Medien berichten „Dies schafft die Voraussetzungen dafür, dass diese Vermögenswerte zum Mainstream werden“, erklärte Christian Catalini, Gründer des MIT Cryptoeconomics Lab dem US-Sender ABC News. Es werde zu mehr Wettbewerb und Innovation im Zahlungsverkehr führen, ergänzte Branchenexperte Catalini.
Über die folgenden drei zentralen Gesetzesentwürfe stimmt der US-Kongress während der „Crypto Week“ ab:
- Der Anti-CBDC Surveillance State Act soll die Ausgabe einer digitalen Währung für den Einzelhandel, einer Central Bank Digital Currency (CBDC), verhindern. Damit wird der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) sowie auch dem Board of Gouvernurs verboten, einen digitalen Dollar herauszugeben – auch nicht über Dritte. Auf diese Weise soll das Risiko verringert werden, dass eine staatlich kontrollierte Währung die finanzielle Privatsphäre beeinträchtigt und als Überwachungsinstrument missbraucht wird.
- Der Digital Asset Market Clarity Act (Clarity Act) hat zum Ziel, umfassende Regulierungen für digitale Vermögenswerte und Kryptowährungen auszuarbeiten. Es soll der Strukturierung des Kryptomarktes dienen, indem mitunter die Aufsicht zwischen der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) und der Securities and Exchange Commission (SEC) aufgeteilt wird. Außerdem wird darin festgelegt, welche Kryptowährungen als „Waren“, „Wertpapiere“ oder „digitale Investitionsverträge“ kategorisiert werden und welche Behörde zuständig ist.
- Der umstrittene Guiding and Establishing National Innovation for US Stablecoins Act (GENIUS Act) soll einen Regulierungsrahmen für Zahlungsstablecoins, an US-Dollar oder an Staatsanleihen gekoppelte Coins, schaffen. Neben mehr Transparenz über Reserven von Anbietern will das Gesetz auch Gläubigerrechte im Insolvenzfall stärken. Der Senat hatte dieses Gesetz bereits mithilfe von 18 Demokarten im Juni verabschiedet.
Wunschzettel der Krypto-Lobby: Gesetze stützen „Profitabilität von Trumps Krypto-Korruption“
Kritiker bemängeln unterdessen die Gesetzesentwürfe als zu Branchen-freundlich. Verbraucher würden nicht genügend geschützt, der illegalen Handel mit Stablecoins nicht ausreichend kontrolliert, so der Vorwurf. Speziell der umstrittene GENIUS Act lese sich wie ein Wunschzettel von Krypto-Lobbyisten und weniger als ernsthafter Versuch einer Aufsicht.
„Der GENIUS Act ist ein wichtiger Schritt, aber es ist nur eine von vielen Maßnahmen, die die Kryptoindustrie und ihre Verbündeten im Weißen Haus und auf dem Capitol Hill ergreifen, um ein unkontrolliertes Experiment zur Entfesselung von Krypto in der Wirtschaft und im Finanzsystem zu starten“, erklärte Mark Hays von der Non-Profit-Organisation Americans for Financial Reform (AFR) der Zeitung The New Yorker.
Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren nannte den GENIUS Act ein „Geschenk an Big Tech“, welches die Profitabilität von Donald Trumps Krypto-Korruption in die Höhe treiben würde, zitierte sie MSNBC. Das Gesetz kam demnach nur durch den US-Senat, weil zahlreiche demokratische Senatoren im Zuge des Wahlkampfes 2024 Spenden von Krypto-Gruppen erhielten, darunter Senator Ruben Gallego aus Arizona oder Senatorin Elissa Slotkin aus Michigan.
Neues Allzeithoch: Wie lange wird die Bitcoin-Rallye anhalten?
Obwohl die „Crypto Week“ dem Bitcoin-Kurs weiter erheblichen Aufwind verschaffen kann, bezweifeln einige Finanzexperten, dass die Rallye langfristig anhalten wird. Vielmehr rechnet man nach Verabschiedung des Gesetzes mit einem Rückgang des Preises: „Die Gesetzesentwürfe werden den Weg für die weitere Verbreitung von Bitcoin und Krypto-Innovationen ebnen, aber das wird nicht sofort passieren“, sagte Greg Benhaim, Vizepräsident beim Vermögensverwalter 3iQ.
„Trumps Handelsstreitigkeiten mit der EU, Mexiko und anderen Handelspartnern könnten in der kommenden Woche zu Kurseinbrüchen führen“, so die Prognose von Jeff Mei, Chief Operating Officer bei der Kryptowährungsbörse BTSE gegenüber CNBC. Doch der Kurs werde mit Blick auf US-Schulden- und Defizitproblemen, einen schwächelnden Dollar und eine wachsende Dynamik für Zinssenkungen der Fed trotzdem hoch bleiben: Für 2025 rechnen Analysten mit einem Anstieg auf 180.000 US-Dollar.
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