Bodensee: Medizinische Versorgungszentren in finanzieller Notlage – Auswirkungen für Patienten?
VonJulian Baumann
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Insolvenzwelle im Gesundheitsbereich: Medizinische Einrichtungen in der Bodenseeregion betroffen. Welche Auswirkungen hat dies auf die Patientenversorgung?
Friedrichshafen/Tettnang – Im Zuge der drastischen Insolvenzwelle liegt das Hauptaugenmerk oftmals auf Industriebetrieben aus der Fahrzeugindustrie oder dem Maschinenbau. Zuletzt hatte beispielsweise ein Elektro-Fahrzeughersteller Insolvenz angemeldet. Umso dramatischer ist eine Zahlungsunfähigkeit aber bei medizinischen Einrichtungen, da dabei nicht nur die Belegschaft, sondern auch die Patienten betroffen sein können. Wie aus einer Mitteilung der Ulmer Anwaltskanzlei Pluta hervorgeht, haben die Versorgungszentren des Medizin Campus Bodensee am 28. Mai am Amtsgericht Ravensburg (Baden-Württemberg) Insolvenz angemeldet.
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Zum Medizin Campus Bodensee (MCB) gehören die Kliniken Friedrichshafen und Tettnang im baden-württembergischen Bodenseekreis; von der Insolvenz betroffen sind aber lediglich die Medizinischen Versorgungszentren der Krankenhäuser. Laut der Mitteilung von Pluta haben die beiden Gesellschaften im vergangenen Jahr massive Verluste erlitten und mussten deshalb reagieren. Die Gehälter der rund 90 Mitarbeiter sind für drei Monate durch das Insolvenzgeld abgedeckt, doch was bedeutet die Insolvenz für die Patienten?
Medizinische Versorgungszentren sind insolvent – es gibt eine „wichtige Nachricht für die Patienten“
Die Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) sind für die ambulante medizinische Versorgung zuständig und in mehrere Facharztpraxen unterteilt, die zusammen eine Art Gemeinschaftspraxis bilden, wie es auf der Seite des MCB heißt. Dazu gehören unter anderem Arztpraxen für Innere Medizin und Kardiologie, Neurologie, aber auch Gynäkologie und Unfallchirurgie. Für die Region sind die Einrichtungen demnach überaus wichtig; und Insolvenzverwalter Steffen Beck von Pluta kann zumindest vorerst Entwarnung geben. „Wir haben bereits erste Gespräche geführt. Der Geschäftsbetrieb geht weiter“, erklärt er. „Das ist die wichtige Nachricht für die Patienten.“
Die rund 90 Mitarbeiter an den Standorten Friedrichshafen, Tettnang sowie der Zweigstelle in Kressbronn wurden am Freitag (30. Mai) von der Geschäftsführung über die aktuelle Entwicklung informiert. „Unser Geschäftsbetrieb geht weiter und unsere Mitarbeiter sind für die Patienten da“, erklärt Anthea Mayer, Geschäftsführerin des Medizin Campus Bodensee. „Die Versorgungszentren müssen aufgrund der finanziellen Lage saniert werden. Daher mussten wir reagieren und haben die Anträge für beide Gesellschaften gestellt.“ Das übergeordnete Ziel ist es, die ambulanten Einrichtungen fortzuführen und eine dauerhafte Lösung zu erreichen.
Medizin Campus Bodensee ist „zuversichtlich“, dass „eine dauerhafte Lösung möglich ist“
Dass medizinische Einrichtungen in eine finanzielle Schieflage geraten, ist in der aktuellen Lage keine Seltenheit. In den vergangenen Monaten hatten beispielsweise mehrere medizinische oder artverwandte Einrichtungen in Baden-Württemberg Insolvenz angemeldet, darunter das Krankenhaus Salem der evangelischen Stadtmission Heidelberg oder die Campus GmbH aus Reutlingen, für die inzwischen aber eine Lösung gefunden werden konnte. Von einer solchen ist Anthea Mayer auch für die Versorgungszentren überzeugt. „Wir sind zuversichtlich, dass im Rahmen des Verfahrens eine dauerhafte Lösung möglich ist“, erklärt sie.
Der Sanierungsexperte Steffen Beck, der vom Rechtsanwalt Florian Schiller unterstützt wird, will in den kommenden Wochen die finanzielle Situation der Medizinischen Versorgungszentren des MCB genau analysieren und Sanierungsoptionen prüfen. Der MCB teilt auf seiner Seite zudem mit, dass während des Insolvenzverfahrens weiterhin alle Termine der ambulanten Patienten ihre Gültigkeit behalten.