Finanzielle Schieflage

Bodensee: Medizinische Versorgungszentren in finanzieller Notlage – Auswirkungen für Patienten?

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Insolvenzwelle im Gesundheitsbereich: Medizinische Einrichtungen in der Bodenseeregion betroffen. Welche Auswirkungen hat dies auf die Patientenversorgung?

Friedrichshafen/Tettnang – Im Zuge der drastischen Insolvenzwelle liegt das Hauptaugenmerk oftmals auf Industriebetrieben aus der Fahrzeugindustrie oder dem Maschinenbau. Zuletzt hatte beispielsweise ein Elektro-Fahrzeughersteller Insolvenz angemeldet. Umso dramatischer ist eine Zahlungsunfähigkeit aber bei medizinischen Einrichtungen, da dabei nicht nur die Belegschaft, sondern auch die Patienten betroffen sein können. Wie aus einer Mitteilung der Ulmer Anwaltskanzlei Pluta hervorgeht, haben die Versorgungszentren des Medizin Campus Bodensee am 28. Mai am Amtsgericht Ravensburg (Baden-Württemberg) Insolvenz angemeldet.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Zum Medizin Campus Bodensee (MCB) gehören die Kliniken Friedrichshafen und Tettnang im baden-württembergischen Bodenseekreis; von der Insolvenz betroffen sind aber lediglich die Medizinischen Versorgungszentren der Krankenhäuser. Laut der Mitteilung von Pluta haben die beiden Gesellschaften im vergangenen Jahr massive Verluste erlitten und mussten deshalb reagieren. Die Gehälter der rund 90 Mitarbeiter sind für drei Monate durch das Insolvenzgeld abgedeckt, doch was bedeutet die Insolvenz für die Patienten?

Medizinische Versorgungszentren sind insolvent – es gibt eine „wichtige Nachricht für die Patienten“

Die Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) sind für die ambulante medizinische Versorgung zuständig und in mehrere Facharztpraxen unterteilt, die zusammen eine Art Gemeinschaftspraxis bilden, wie es auf der Seite des MCB heißt. Dazu gehören unter anderem Arztpraxen für Innere Medizin und Kardiologie, Neurologie, aber auch Gynäkologie und Unfallchirurgie. Für die Region sind die Einrichtungen demnach überaus wichtig; und Insolvenzverwalter Steffen Beck von Pluta kann zumindest vorerst Entwarnung geben. „Wir haben bereits erste Gespräche geführt. Der Geschäftsbetrieb geht weiter“, erklärt er. „Das ist die wichtige Nachricht für die Patienten.“

Die rund 90 Mitarbeiter an den Standorten Friedrichshafen, Tettnang sowie der Zweigstelle in Kressbronn wurden am Freitag (30. Mai) von der Geschäftsführung über die aktuelle Entwicklung informiert. „Unser Geschäftsbetrieb geht weiter und unsere Mitarbeiter sind für die Patienten da“, erklärt Anthea Mayer, Geschäftsführerin des Medizin Campus Bodensee. „Die Versorgungszentren müssen aufgrund der finanziellen Lage saniert werden. Daher mussten wir reagieren und haben die Anträge für beide Gesellschaften gestellt.“ Das übergeordnete Ziel ist es, die ambulanten Einrichtungen fortzuführen und eine dauerhafte Lösung zu erreichen.

Medizin Campus Bodensee ist „zuversichtlich“, dass „eine dauerhafte Lösung möglich ist“

Dass medizinische Einrichtungen in eine finanzielle Schieflage geraten, ist in der aktuellen Lage keine Seltenheit. In den vergangenen Monaten hatten beispielsweise mehrere medizinische oder artverwandte Einrichtungen in Baden-Württemberg Insolvenz angemeldet, darunter das Krankenhaus Salem der evangelischen Stadtmission Heidelberg oder die Campus GmbH aus Reutlingen, für die inzwischen aber eine Lösung gefunden werden konnte. Von einer solchen ist Anthea Mayer auch für die Versorgungszentren überzeugt. „Wir sind zuversichtlich, dass im Rahmen des Verfahrens eine dauerhafte Lösung möglich ist“, erklärt sie.

Die Medizinischen Versorgungszentren am Medizin Campus Bodensee haben Insolvenz angemeldet (Foto zeigt den Standort Friedrichshafen).

Der Sanierungsexperte Steffen Beck, der vom Rechtsanwalt Florian Schiller unterstützt wird, will in den kommenden Wochen die finanzielle Situation der Medizinischen Versorgungszentren des MCB genau analysieren und Sanierungsoptionen prüfen. Der MCB teilt auf seiner Seite zudem mit, dass während des Insolvenzverfahrens weiterhin alle Termine der ambulanten Patienten ihre Gültigkeit behalten.

Rubriklistenbild: © Medizin Campus Bodensee/Wikipedia/CC BY-SA 4.0

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