Bosch-Konzern: Abbau in Schwäbisch Gmünd, Wachstum am Standort in Ungarn

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Einer der Gmünder Standorte von Bosch auf dem Gügling.
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Während in Schwäbisch Gmünd weitere Jobs wegfallen sollen, investiert das Unternehmen in seinen ungarischen Standort.

Schwäbisch Gmünd. Der Schock sitzt noch immer tief: Bosch will den Standort Gmünd bis zum Jahr 2030 massiv verkleinern. Statt wie bislang 3600 Menschen sollen dann noch 1500 für den weltweit größten Automobilzulieferer arbeiten.

Während die Arbeitnehmervertreterinnen nun den Widerstand organisieren, will die Geschäftsführung die Gespräche vorbereiten. „Die Umsetzung werden wir so sozialverträglich wie möglich und gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern gestalten“, sagt Götz Nigge, Bereichsvorstandsmitglied des Geschäftsbereichs mit Zuständigkeit für kaufmännische Aufgaben. „Wir sind uns der Verantwortung für unsere Beschäftigten bewusst – deshalb haben wir uns entschieden, bereits sehr frühzeitig und transparent unsere Mitarbeiter zu informieren.“

In Ungarn sind die Kosten niedriger

Bereits vor einigen Wochen soll ein erneuter Stellenabbau Thema des sogenannten Zukunftsbeirats am Standort Gmünd gewesen sein, nicht aber dessen Ausmaß. Bosch will Teile der Gmünder Produktion an den ungarischen Standort in Maklar verlagern. Diesen hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren immer wieder ausgebaut. Das Hauptargument für Ungarn: die niedrigeren Kosten. Laut Bosch sollen „bestehende Fertigungsstandorte in Ländern mit anderen Kostenstrukturen stärker ausgelastet werden, um Lenksysteme zu wettbewerbsfähigen Preisen international anbieten zu können“. In Gmünd würden zwar auch nach 2030 weiterhin Lenkungen für Pkw hergestellt werden, jene für den Nutzfahrzeugbereich jedoch nur noch in Ungarn.

Besonders bitter: Der einstige Stammsitz der Robert Bosch Automotive Steering verliert nicht nur Teile der Produktion. Mit Beginn des Jahres strukturierte der Konzern um und fasste die Lenkungssparte sowie Brems- und Antriebssysteme im neuen Segment Vehicle Motion zusammen. Künftig soll die neue Sparte ihren Sitz in Abstatt haben. Heißt: Dort werden auch zentrale Strukturen beheimatet werden, die in Gmünd verloren gehen.

Die genaue Ausgestaltung der Verlagerung stehe allerdings noch nicht fest und sei Teil der nun kommenden Gespräche, wie eine Sprecherin auf Anfrage dieser Redaktion betont. Das Bosch-Werk soll allerdings „Leitwerk“ bleiben, diesen Titel hatte der Konzern nach dem 2022 angekündigten Stellenabbau der Gmünder Niederlassung gegeben.

Ungarischer Standort wird ausgebaut

Die Kapazitäten am Standort Maklar haben die Stuttgarter zuletzt deutlich ausgebaut. So investiert das Unternehmen derzeit mehr als 50 Millionen Euro in ein neues Logistikzentrum. Das Bosch-Werk in dem ungarischen Dorf im Osten des Landes erstreckt sich mittlerweile auf rund 70.000 Quadratmeter. Einen weiteren Standort betreibt die Lenkungssparte im nahen Eger.

An beiden Standorten werden Lenksysteme für mehr als 50 Fahrzeughersteller produziert, darunter auch Premium- und Elektroauto-Marken in den Bereichen Pkw und Lkw. Stand 2023 beschäftigte der Bereich laut einem Medienbericht rund 1700 Mitarbeitende. In Summe arbeiten aktuell rund 31.000 Beschäftigte in rund 19 Ländern bei Vehicle Motion. Der Standort Schwäbisch Gmünd hat aktuell rund 3600 Mitarbeitende.

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