Mobility-Sparte

Bosch kündigt Milliardeneinsparungen an – Stellenabbau in welchem Ausmaß?

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Beim Technologiekonzern Bosch stehen weitere Einsparungen in Milliardenhöhe bevor. Das wird zwangsweise auch Arbeitsplätze kosten, die Arbeitnehmervertreter laufen Sturm.

Stuttgart – Beim Technologiekonzern Bosch kehrt einfach keine Ruhe ein. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Gerlingen bei Stuttgart (Kreis Ludwigsburg, Baden-Württemberg) hat bereits Ende 2024 einen umfassenden Stellenabbau angekündigt, der weltweit tausende Mitarbeiter betreffen sollte. Durch massive Proteste konnte die Maßnahme zwar abgemildert werden, dennoch baute Bosch bereits eine fünfstellige Anzahl an Arbeitsplätzen ab und das ist offenbar noch nicht das Ende der Fahnenstange. In einem aktuellen Interview erklärt die Konzernspitze, dass weitere Einsparungen in Milliardenhöhe notwendig sind.

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

Die Robert Bosch GmbH ist nach wie vor der größte Automobilzulieferer der Welt und hat demnach eben auch unter der anhaltenden Krise der Branche zu kämpfen. In der zentralen Mobility-Sparte erwartet der schwäbische Weltkonzern zwar wieder ein leichtes Umsatzplus, die Talsohle ist aber dennoch nicht durchschritten. Wie Mobility-Chef Markus Heyn und Arbeitsdirektor Stefan Grosch im Interview mit der Stuttgarter Zeitung (StZ) erklärten, sollen bis 2030 jährlich weitere 2,5 Milliarden Euro an Kosten eingespart werden. Das ruft die Arbeitnehmervertreter auf den Plan.

Bosch wird bei Einsparungsziel von 2,5 Milliarden Euro pro Jahr nicht an Stellenabbau vorbeikommen

„Unser Unternehmen muss auf Dauer eine Rendite von mindestens sieben Prozent erzielen, um im Wettbewerb bestehen zu können und die Ertragskraft für Investitionen in die Zukunft zu sichern“, erklärte Stefan Grosch in dem Interview. „Um die zu erreichen, müssen wir die jährlichen Kosten weltweit in der Größenordnung von 2,5 Milliarden Euro weiter senken.“ Die Mitarbeiter wurden offenbar bereits über die Maßnahme informiert; Bosch will im nächsten Schritt die notwendigen Beschlüsse realisieren und mit den Arbeitnehmervertretern besprechen. Genau die gehen aber bereits jetzt auf die Barrikaden.

Name Robert Bosch GmbH
Gründungsjahr 1886
Gründer Robert Bosch
Hauptsitz Stuttgart, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte
Produkte (Auswahl) Bremsen, Einspritzsysteme, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte, Fahrerassistenzsysteme, Industrietechnik
Mitarbeiter417.900 (2024)
Umsatz90,5 Milliarden Euro (2024)

Wenngleich die Vorstandsmitglieder in dem Gespräch mit der StZ noch andere Kostenpunkte zur Sprache bringen, wird Bosch nicht an einem weiteren umfassenden Stellenabbau vorbeikommen. „Wir verschließen nicht die Augen vor der angespannten Situation, in der sich die deutsche und europäische Automobil- und Zulieferindustrie aktuell befindet“, macht Mobility-Betriebsratschef Frank Sell in einer gemeinsamen Mitteilung des Betriebsrats und der IG Metall deutlich. „Doch bei Bosch haben bereits an verschiedenen Standorten umfangreiche Kosteneinsparungen mit Auswirkungen auf das Personal stattgefunden.“ Zuletzt hatte Bosch einen umfangreichen Stellenabbau am Standort Reutlingen angekündigt.

Bosch muss in der zentralen Mobility-Sparte weitere Milliarden einsparen. Das ruft die Arbeitnehmervertreter auf den Plan.

Betriebsrat und IG Metall fordern klare Lösungen für die Mobility-Standorte von Bosch

Bereits im Zuge der Personalmaßnahmen im Jahr 2023 wurde eine Beschäftigungssicherung für die deutschen Mobility-Standorte von Bosch vereinbart, die bis Ende 2027 gültig ist. Sie schließt allerdings lediglich betriebsbedingte Kündigungen aus, ein sozial verträglicher Stellenabbau, wie ihn der Konzern in Schwäbisch Gmünd umgesetzt hat, ist weiterhin möglich. Dass Markus Heyn und Stefan Grosch in dem Interview bewusst auf eine konkrete Angabe zum erneuten Sparkurs verzichten, stößt dem Betriebsrat sauer auf. „Wir erwarten bei dieser erneuten Ankündigung, dass das Management zeitnah konkret wird, was geplant ist“, so Frank Sell. „Schluss mit der Salamitaktik!“

Der Appell des Betriebsrats lautet, dass den Mitarbeitern der Mobility-Standorte aufgezeigt werden müsse, wie die Zukunft in Deutschland aussehe. Dafür müssten schnellstmöglich zusammen mit den Betriebsräten Lösungen erarbeitet werden. „Die angekündigten Kosteneinsparungen dürfen nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden“, macht Sell in der Mitteilung deutlich. Auch Baden-Württembergs IG Metall-Chefin Barbara Resch betont die Notwendigkeit von entsprechenden Lösungen. „Zukunft entsteht durch Investitionen, Innovation und Zusammenarbeit – nicht allein durch Sparprogramme“, so Resch.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

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