Bosch kündigt Milliardeneinsparungen an – Stellenabbau in welchem Ausmaß?
VonJulian Baumann
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Beim Technologiekonzern Bosch stehen weitere Einsparungen in Milliardenhöhe bevor. Das wird zwangsweise auch Arbeitsplätze kosten, die Arbeitnehmervertreter laufen Sturm.
Stuttgart – Beim Technologiekonzern Bosch kehrt einfach keine Ruhe ein. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Gerlingen bei Stuttgart (Kreis Ludwigsburg, Baden-Württemberg) hat bereits Ende 2024 einen umfassenden Stellenabbau angekündigt, der weltweit tausende Mitarbeiter betreffen sollte. Durch massive Proteste konnte die Maßnahme zwar abgemildert werden, dennoch baute Bosch bereits eine fünfstellige Anzahl an Arbeitsplätzen ab und das ist offenbar noch nicht das Ende der Fahnenstange. In einem aktuellen Interview erklärt die Konzernspitze, dass weitere Einsparungen in Milliardenhöhe notwendig sind.
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Die Robert Bosch GmbH ist nach wie vor der größte Automobilzulieferer der Welt und hat demnach eben auch unter der anhaltenden Krise der Branche zu kämpfen. In der zentralen Mobility-Sparte erwartet der schwäbische Weltkonzern zwar wieder ein leichtes Umsatzplus, die Talsohle ist aber dennoch nicht durchschritten. Wie Mobility-Chef Markus Heyn und Arbeitsdirektor Stefan Grosch im Interview mit derStuttgarter Zeitung(StZ) erklärten, sollen bis 2030 jährlich weitere 2,5 Milliarden Euro an Kosten eingespart werden. Das ruft die Arbeitnehmervertreter auf den Plan.
Bosch wird bei Einsparungsziel von 2,5 Milliarden Euro pro Jahr nicht an Stellenabbau vorbeikommen
„Unser Unternehmen muss auf Dauer eine Rendite von mindestens sieben Prozent erzielen, um im Wettbewerb bestehen zu können und die Ertragskraft für Investitionen in die Zukunft zu sichern“, erklärte Stefan Grosch in dem Interview. „Um die zu erreichen, müssen wir die jährlichen Kosten weltweit in der Größenordnung von 2,5 Milliarden Euro weiter senken.“ Die Mitarbeiter wurden offenbar bereits über die Maßnahme informiert; Bosch will im nächsten Schritt die notwendigen Beschlüsse realisieren und mit den Arbeitnehmervertretern besprechen. Genau die gehen aber bereits jetzt auf die Barrikaden.
Wenngleich die Vorstandsmitglieder in dem Gespräch mit der StZ noch andere Kostenpunkte zur Sprache bringen, wird Bosch nicht an einem weiteren umfassenden Stellenabbau vorbeikommen. „Wir verschließen nicht die Augen vor der angespannten Situation, in der sich die deutsche und europäische Automobil- und Zulieferindustrie aktuell befindet“, macht Mobility-Betriebsratschef Frank Sell in einer gemeinsamen Mitteilung des Betriebsrats und der IG Metall deutlich. „Doch bei Bosch haben bereits an verschiedenen Standorten umfangreiche Kosteneinsparungen mit Auswirkungen auf das Personal stattgefunden.“ Zuletzt hatte Bosch einen umfangreichen Stellenabbau am Standort Reutlingen angekündigt.
Betriebsrat und IG Metall fordern klare Lösungen für die Mobility-Standorte von Bosch
Bereits im Zuge der Personalmaßnahmen im Jahr 2023 wurde eine Beschäftigungssicherung für die deutschen Mobility-Standorte von Bosch vereinbart, die bis Ende 2027 gültig ist. Sie schließt allerdings lediglich betriebsbedingte Kündigungen aus, ein sozial verträglicher Stellenabbau, wie ihn der Konzern in Schwäbisch Gmünd umgesetzt hat, ist weiterhin möglich. Dass Markus Heyn und Stefan Grosch in dem Interview bewusst auf eine konkrete Angabe zum erneuten Sparkurs verzichten, stößt dem Betriebsrat sauer auf. „Wir erwarten bei dieser erneuten Ankündigung, dass das Management zeitnah konkret wird, was geplant ist“, so Frank Sell. „Schluss mit der Salamitaktik!“
Der Appell des Betriebsrats lautet, dass den Mitarbeitern der Mobility-Standorte aufgezeigt werden müsse, wie die Zukunft in Deutschland aussehe. Dafür müssten schnellstmöglich zusammen mit den Betriebsräten Lösungen erarbeitet werden. „Die angekündigten Kosteneinsparungen dürfen nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden“, macht Sell in der Mitteilung deutlich. Auch Baden-Württembergs IG Metall-Chefin Barbara Resch betont die Notwendigkeit von entsprechenden Lösungen. „Zukunft entsteht durch Investitionen, Innovation und Zusammenarbeit – nicht allein durch Sparprogramme“, so Resch.