„Ich bin total verängstigt“: Bosch-Stellenabbau erschüttert Mitarbeiter bis ins Mark
VonNiklas Noack
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Jeder zehnte Arbeitsplatz bei Bosch in Reutlingen droht bis 2029 wegzufallen. Die Angestellten befinden sich in einer Schockstarre.
Reutlingen – Der Schock bei den Bosch-Angestellten in Reutlingen sitzt tief. Wenig verwunderlich, immerhin will sich der Autozulieferer am Standort in Baden-Württemberg neu aufstellen und Stellen streichen. Es wird damit gerechnet, dass bis 2029 bei Bosch in Reutlingen bis zu 1100 Stellen gestrichen werden. Der Grund: Die Steuergerätefertigung sei nicht mehr wettbewerbsfähig, teilte der Konzern mit. Deshalb müssen Strukturen angepasst und Kosten gesenkt werden.
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Bosch-Betriebsrat: „Nach so einer Ankündigung die Leute im Ungewissen zu lassen, ist nicht zufriedenstellend“
Doch wie es mit vielen Mitarbeitern weitergehen sollen, darüber herrscht Ratlosigkeit vor. Am Mittwoch (23. Juli) organisierte der Betriebsrat einen Austausch, bei dem Mitarbeiter ihre Anliegen bei der Geschäftsführung anbringen durften. Konkrete Antworten auf dringende Fragen gab es wohl nicht. Betriebsratsvorstand Thorsten Dietter sagte gegenüber dem SWR: „Es wird immer verwiesen auf die Verhandlung mit dem Betriebsrat, die natürlich noch anstehen und die wir seriös führen werden, aber nach so einer Ankündigung die Leute im Ungewissen zu lassen, ist eben nicht zufriedenstellend.“
Die Sorge der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist spürbar. „Viele Leute machen sich Gedanken“, so Detlef Stefani, der seit 28 Jahren bei Bosch in Reutlingen arbeitet. Man wisse eben nicht, ob der geplante Stellenabbau erst der Anfang von weiteren Sparmaßnahmen sei und was die Geschäftsleitung plane.
Bosch-Bereichsvorstand Dirk Kress: „Der erforderliche Stellenabbau fällt uns nicht leicht“
Claudia Tomczak ist ähnlich ratlos, wie sie dem SWR kundgab. Sie sei alleinerziehend und arbeite bei Bosch in Teilzeit. Sie frage sich, was jetzt passieren werde und macht sich existenzielle Sorgen: „Ich bin total verängstigt.“
Derweil sagte Bosch-Bereichsvorstand Dirk Kress: „Der erforderliche Stellenabbau fällt uns nicht leicht, ist zur Zukunftssicherung des Standorts jetzt aber dringend erforderlich.“ Weiter meinte er: „Wir müssen unsere Aufstellung schnell an die raschen Veränderungen im Markt anpassen und die Wettbewerbsfähigkeit steigern, um den Standort nachhaltig zu stärken.“ Der Markt sei durch neue Anbieter hart umkämpft.