Reformen geplant

Bürgergeld verschwindet: So viel Geld erwarten Empfänger mit der neuen Grundsicherung

  • schließen

Bürgergeld vor dem Aus: Die Regierung kündigt die Abschaffung an. Ein neuer Anpassungsmechanismus wird entwickelt. Was bedeutet das für die Empfänger?

Berlin – Die Koalition hat der neuen Arbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) den Auftrag erteilt, das Bürgergeld nur zwei Jahre nach seiner Einführung abzuschaffen und ein neues System zu entwickeln. Dabei sollen verstärkt Sanktionen für diejenigen möglich sein, die eine „zumutbare“ Arbeit wiederholt ablehnen, bis hin zur vollständigen Streichung der Leistungen.

Bürgergeld-Erhöhung sorgte für Unmut in der Bevölkerung: Was kann Merz ändern?

Die Diskussion um das Bürgergeld wurde maßgeblich durch seine Höhe und die Erhöhung um zwölf Prozent im Jahr 2024 beeinflusst. Der Regelsatz für Alleinstehende stieg damals von 502 auf 563 Euro, was mit der hohen Inflation begründet wurde. Viele Menschen in Deutschland empfanden dies als ungerecht. Im Jahr 2025 erfolgte keine weitere Anpassung. Wie wird es also unter der schwarz-roten Regierung weitergehen?

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich nicht konkret zur geplanten Höhe der neuen Grundsicherung geäußert, jedoch gibt es Hinweise im Koalitionsvertrag. Die Regierung muss einige Grundregeln beachten. So muss sie sicherstellen, dass das Existenzminimum abgedeckt wird.

Das Bundesverfassungsgericht urteilte 2010: „Das Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums aus Art. 1 Abs. 1 GG in Verbindung mit dem Sozialstaatsprinzip des Art. 20 Abs. 1 GG sichert jedem Hilfebedürftigen diejenigen materiellen Voraussetzungen zu, die für seine physische Existenz und für ein Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben unerlässlich sind.“ Der Gesetzgeber muss das Existenzminimum regelmäßig „auf der Grundlage verlässlicher Zahlen und schlüssiger Berechnungsverfahren“ ermitteln, was durch den jährlichen Existenzminimumbericht geschieht.

Regelsatz für das Bürgergeld bleibt auch für 2026 in der Neuen Grundsicherung bestehen

Im aktuellen Existenzminimumbericht, der am 5. November 2024 vorgelegt wurde, wird empfohlen, die Höhe des Bürgergeldes zum 1. Januar 2026 unverändert zu belassen. „Für die Zwecke dieses Berichts wird damit für 2025 bzw. 2026 ein Regelbedarfsniveau bei Alleinstehenden von 6.756 Euro (563 Euro/Monat) und bei Ehepaaren von 12.144 Euro (1.012 Euro/Monat) angesetzt“, heißt es darin. Auch die Regelbedarfe für Kinder sollen gleich bleiben.

Die Merz-Regierung kann daher nicht weniger Bürgergeld oder Grundsicherung auszahlen als im Bericht festgelegt. Der Bestandschutz im Sozialgesetzbuch unterstützt dies: Leistungen dürfen nicht dauerhaft gekürzt werden. Solange sie über dem Existenzminimum liegen, bleiben sie unverändert, bis sie dieses wieder unterschreiten.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Die neue Regierung kann jedoch den Anpassungsmechanismus ändern, der bestimmt, wie die Regelsätze an das Existenzminimum angepasst werden. Mit dem Bürgergeld wurde ein neues Verfahren eingeführt, das zu 70 Prozent die Inflation und zu 30 Prozent die Entwicklung der Löhne und Gehälter berücksichtigt. Zusätzlich wurde die „ergänzende Fortschreibung“ eingeführt, die die Inflationsrate in einem gesonderten Zeitraum berücksichtigt. Dies führte zu einer besonderen Erhöhung des Bürgergeldes, da die Inflationsrate höher bewertet wurde als im alten System.

Neue Grundsicherung wird alten Mechanismus für die Erhöhung der Regelsätze verwenden

Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart: „Wir werden den Anpassungsmechanismus der Regelsätze in Bezug auf die Inflation auf den Rechtsstand vor der Corona-Pandemie zurückführen.“ Dies bedeutet, dass die „ergänzende Fortschreibung“ gestrichen werden dürfte. Die neue Grundsicherung wird somit wieder nach dem alten Hartz-IV-Modell berechnet.

Das Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) hat die Unterschiede zwischen dem alten Anpassungsmechanismus und dem Bürgergeld-Modell bei den Regelsätzen berechnet. Ohne die Einführung des Bürgergeldes hätten Langzeitarbeitslose „nur“ 512 Euro/Monat im Jahr 2024 erhalten, gefolgt von einer Erhöhung auf 535 Euro im darauffolgenden Jahr:

JahrRegelbedarf nach alter AnpassungRegelbedarf nach Bürgergeld-Regeln
2022449 Euro-
2023469 Euro502 Euro
2024512 Euro563 Euro
2025535 Euro539 Euro
2026 (Schätzung)560 Euro564 Euro

Empfänger können daher zunächst davon ausgehen, dass es bis 2027 keine Erhöhung geben wird. Ab 2027 könnte es wieder eine Anpassung geben, die jedoch geringer ausfallen wird als im Bürgergeld.

Rubriklistenbild: © CHROMORANGE/IMAGO & Maximilian Koch/IMAGO

Kommentare