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Bundesbank zeigt sich besorgt über Immobilienbranche: Hohes Risiko für Pleitewelle

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Die Bundesbank warnt in ihrem Finanzstabilitätsbericht vor den Schwächen der hiesigen Geldhäuser. Um die Immobilienbranche macht sie sich besonders große Sorgen.

Frankfurt – Zunächst die gute Nachricht: Das deutsche Finanzsystem hat sich trotz der sehr schnell gestiegenen Zinsen bislang als robust erwiesen. Das teilte die Deutsche Bundesbank am Donnerstag (23. November) mit Vorstellung ihres jährlichen Finanzstabilitätsberichts mit. Aber, und hier kommt die schlechte Nachricht: Die Bundesbank sieht hohe Verwundbarkeiten im System und glaubt, dass die Zinswende noch nicht voll in den Bilanzen der Banken und Versicherer angekommen ist - und es noch zu Belastungen kommen könnte. Alarmistisch ist sie dabei allerdings nicht.

Immobilien waren um 15 bis 30 Prozent überbewertet

In ihrem Bericht liefert die Bundesbank viele Argumente für ihre Einschätzung. Zunächst trägt sie aber zusammen, was zur aktuellen Problemlage geführt hat. Jahrelang waren die Zinsen niedrig, das Wirtschaftswachstum lange Zeit solide. Die Kreditinstitute vergaben sehr viele Kredite zu niedrigen Zinssätzen, für mögliche Kreditausfälle mussten sie nur wenig Geld zurücklegen, die Immobilienpreise stiegen enorm – die Bundesbank geht davon aus, dass vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie Immobilien in den Städten zwischen 15 Prozent und 30 Prozent überbewertet waren. Die Vergabestandards für Wohnimmobilienkredite wurden kontinuierlich gelockert und langfristige Kredite zu niedrigen Zinsen an Häuslebauer vergeben. Doch nun ist die Lage eine andere.

Im vergangenen Jahr leitete die Europäische Zentralbank (EZB) die geldpolitische Wende ein und erhöhte die Zinsen schrittweise und unerwartet stark, um die Inflation einzudämmen. Das belastete die Anleihemärkte, denn dadurch sanken die Kurse der Wertpapiere, die viele Kreditinstitute und Versicherer in den Büchern haben. Vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken mussten hohe Wertpapierberichtigungen vornehmen, die die zuvor angehäuften stillen Reserven auffraßen.

„Versicherer könnten als stabilisierender Faktor ausfallen“

Diese nun entstandenen stillen Lasten sind temporäre Verluste – denn wenn die Institute die Papiere bis Endfälligkeit halten, bekommen sie ihr Geld vollständig zurück. Aber: In Stressphasen könnten diese stillen Lasten zu Problemen führen, sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch am Donnerstag bei der Präsentation des Finanzstabilitätsberichts. Denn Lebensversicherer und Geldinstitute könnten zögern, ihre Wertpapiere mit Verlust zu verkaufen, um im Notfall Platz auf ihrer Bilanz zu schaffen. „Gerade Versicherer könnten als stabilisierender Faktor ausfallen“, warnte sie.

Claudia Buch, Vizechefin der Bundesbank.

Für Lebensversicherer stellen die hohen Zinsen zudem insofern ein Risiko da, als dass Kundinnen und Kunden ihre Lebensversicherungen stornieren und attraktivere Investments wählen könnten. Allerdings hält die Bundesbank das Risiko einer Kündigungswelle bei den Lebensversicherern für begrenzt.

Immobilienmarkt bereitet Bundesbank große Sorgen

Größere Sorge bereitet ihr der Immobilienmarkt, dabei vor allem der für Gewerbeimmobilien. Deren Preise sind stark gefallen - was damit auch die bei den Banken hinterlegten Sicherheiten betrifft. Immobilienunternehmen refinanzieren sich oft deutlich kurzfristiger als private Wohneigentümer:innen, viele müssen nun daher teurere Kredite aufnehmen. Bereits jetzt gibt es einen leichten Anstieg der Kreditausfälle in dem Bereich, so die Bundesbank. Insgesamt dürfte wegen der mauen Konjunkturlage in vielen Branchen das Risiko von Unternehmenspleiten steigen, fürchtet sie.

Die Geldhäuser haben zuletzt dagegen sehr gut verdient, vor allem dank hoher Zinsüberschüsse. Doch da dürfte der Höhepunkt erreicht sein, heißt es im Finanzstabilitätsbericht. Denn die Nachfrage nach Krediten ist stark rückläufig. Zudem dürften die Kundinnen und Kunden ihr Geld immer stärker umschichten von Sicht- in Termineinlagen - also von Giro- und Tagesgeldkonten in Festgeld - und dabei auf die Verzinsung achten.

Banken geben Zinsen selten weiter

Bislang haben viele Geldhäuser die gestiegenen Zinsen kaum an die Kundschaft weitergegeben und sich darauf verlassen, dass sie dennoch nicht den Anbieter wechseln werden. Oft mit Erfolg. Doch das dürfte sich ändern, die Menschen werden zinssensitiver. Hätten die Banken die höheren Zinsen weitergegeben, so hätten sie im Jahr 2023 etwa 29 Milliarden Euro weniger Zinsertrag erwirtschaftet, hat die Bundesbank errechnet.

Die Bundesbank rief die Banken dazu auf, ihre Gewinne zu nutzen, um ihre Kapitalbasis weiter zu stärken. Zudem müssten die Aufsichtsbehörden sich kontinuierlich weiterentwickeln.

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