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Gestalten Fernwärmeanbieter ihre Preise, wie sie möchten? Fehlt in der Branche der Wettbewerb? Das Bundeskartellamt schaut jetzt genauer hin.
Frankfurt – Die Fernwärme gilt als günstige und saubere Heizmethode, im Vergleich zu Gas und Öl. Unter Fernwärme versteht man die Belieferung von Gebäuden mit Warmwasser und Heizwärme über ein unterirdisches Rohrleitungsnetz. Fernwärmenetze können Tausende von Haushalten gleichzeitig mit Wärme versorgen.
Dabei speisen wenige Wärmeerzeuger Wärme in ein Rohrnetz ein. Über sogenannte Übergabestationen wird die Wärme aus dem Netz an die Endverbraucher geleitet, die sie zum Heizen und für die Warmwasserversorgung nutzen können.
Ist das Heizen mit Fernwärme günstiger als Gas?
Fernwärmeanbieter werben mit Vergünstigungen und Ersparnissen, wenn mit damit geheizt wird. Fernwärme soll eine vierköpfige Familie im Einfamilienhaus nach zehn Jahren im Verbrauch rund 20.000 Euro weniger als Gas kosten, behauptet ein Heizungsbauer und Fernwärmeanbieter.
Fernwärme soll als günstige Heizmethode dienen, die sogar gut fürs Klima ist. Laut Vergleichsportal Verivox beträgt der typische Preis für Fernwärme ungefähr 16 Cent pro Kilowattstunde, wobei der Grundpreis hier teilweise inbegriffen ist. Dieser Durchschnittspreis weist jedoch klare Abweichungen nach oben und unten auf.
Die lange Vertragslaufzeit mit dem Lieferanten spricht gegen die Fernwärme. Ein schneller Wechsel ist erstmal nicht möglich. Man ist in der Regel für mindestens fünf Jahre gebunden, berichtet Focus Online.
Anschaffungskosten können bis zu 20.000 Euro hoch sein
Wenn man sich dazu entscheiden, den Hausanschluss auf Fernwärme umzustellen, fallen für den Einbau eines Wärmeüberträgers und in der Regel auch für den Anschluss an das Fernwärmenetz Kosten an.
Verivox zufolge ergeben sich je nach Installationsaufwand - inklusive Montage - typischerweise Anschaffungskosten von 5.000 bis 20.000 Euro. Dieser Preis beinhaltet grundsätzlich auch eine regelmäßige Überprüfung durch die Lieferanten der Fernwärme.
Wo eignet sich Fernwärme?
Fernwärme kann sich auf dem Land lohnen, wenn Wärme lokal kostengünstig zur Verfügung gestellt werden kann, etwa durch die Nutzung von Biogas oder Holzhackschnitzeln.
Ein Anschluss kann auch in Neubaugebieten sinnvoll sein. Eine wirtschaftliche Umsetzung kann durch vorhandene Wärme, beispielsweise aus industriellen Prozessen oder der Müllverbrennung, unterstützt werden, zusätzlich zu einer dichten Bebauung oder großen Wärmeabnehmer, erklärt die Verbraucherzentrale. Andere technische Lösungen für ein Wärmenetz mit niedrigeren Temperaturen sind aufgrund des guten energetischen Gebäudezustandes in diesen Gebieten ebenfalls möglich.
Die Zukunft mit Fernwärme? Bundesregierung plant jährlich 100.000 neue Fernwärme-Anschlüsse
Laut dem Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sind zwar derzeit nur 15,3 Prozent (7 Millionen) der deutschen Haushalte mit Fernwärme ausgestattet, doch es sollen noch viel mehr sein, berichtet die F.A.Z.
Demnach plant die Bundesregierung, mittelfristig jährlich mindestens 100.000 Gebäude neu anzuschließen. Da Öl- und Gasheizungen ersetzt werden müssen, bietet sich oft ein kompletter Heizwechsel an. Wärmepumpen können jedoch nicht überall problemlos installiert werden: In alten Mehrfamilienhäusern in dicht besiedelten Großstädten ist die Installation deutlich schwieriger als in Einfamilienhäusern mit Garten auf dem Land.
„Fernwärmeanbieter sind Monopolisten“ – Wechsel nicht möglich
Jedes Fernwärmenetz ist ein lokales Monopol, der Wechsel zu einem anderen Versorger ist nicht möglich. Mit der Entscheidung für Fernwärme bindet man sich also langfristig an einen Anbieter. Bei der Versorgung mit Fernwärme besteht den Experten zufolge die Gefahr, dass sich bereits bestehende Monopolstellungen der Versorger noch ausweiten könnten, heißt es in dem Bericht.
Fernwärmeanbieter sind Monopolisten in ihren jeweiligen Gebieten, was bedeutet, dass ihre Kunden keine ernstzunehmenden Alternativen haben. Das Bundeskartellamt führt derzeit sechs Pilotverfahren gegen Anbieter, die verdächtigt werden, unrechtmäßige Preiserhöhungen vorgenommen zu haben. Behördenchef Andreas Mundt erklärte kürzlich der F.A.Z., dass das Kartellamt offiziell für die Branche zuständig sein möchte.
Im Gegensatz zu den Strom- und Gassektoren wurde der Fernwärmemarkt Anfang der 2000er Jahre nicht liberalisiert. Fernwärme wird weder national noch europaweit gehandelt, sondern bleibt ein lokales Gut. Sie wird meist vor Ort erzeugt und verbraucht, da der Transport von heißem Wasser über lange Strecken nicht praktikabel ist.
Kritik vom Mieterbund – Preisunterschiede zu groß
Experten Daten aus 251 Fernwärmegebieten analysiert, die etwa 85 Prozent der deutschen Kunden abdecken. Dabei stellten sie fest, dass die Preise häufig mit denen in benachbarten Tarifgebieten verknüpft waren und die Preisunterschiede zwischen den Gebieten wesentlich größer waren als bei anderen Energieträgern. Die Monopolkommission schließt daraus, dass der Wettbewerb eingeschränkt sein könnte.
Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa
