Verbraucherschützer alarmiert

Gefangen in der Kostenfalle: Wie Fernwärme-Anbieter ihr Monopol missbrauchen

  • schließen

Die Fernwärme gilt als klimafreundliche Alternative zur Wärmepumpe. Doch schon seit Jahren warnen Verbraucherschützende vor dem Monopol der Anbietenden, die Kund:innen „gefangen“ nehmen.

Berlin – Mit der Fernwärme soll Deutschland nach und nach klimaneutral werden. Der Ausbau der Netze wird gefordert und gefördert, im Juni 2023 schrieb das Wirtschaftsministerium in einer Erklärung zum Fernwärmegipfel ganz konkret: Bis 2045 müsse sich die Zahl der angeschlossenen Gebäude verdreifachen, jährlich müsse es daher 100.000 neue Anschlüsse geben. Dem Fernwärmeverband AGFW zufolge werden aktuell 6 Millionen Wohngebäude mit Fernwärme versorgt. Das ausgeschriebene Ziel lautet also: Bis 2050 sollen es 18 Millionen sein.

Dass die Fernwärme ein wichtiger Gewinner der Wärmewende sein wird, gilt als ausgemacht. Doch schon seit Jahren warnen Verbraucherschützende vor einem großen Problem bei dieser so wichtigen Technologie: Das natürliche Monopol der Energieunternehmen wird aktuell kaum reguliert. Die Folgen spüren Kund:innen jetzt schon: Allein in München haben die Stadtwerke zwischen 2021 und 2023 den Verbrauchspreis von 55 Euro auf 210 Euro pro Megawattstunde erhöht. Und die Kund:innen können nichts tun.

Verbraucherschützende warnen schon seit Jahren

Bei der Fernwärme handelt es sich um ein sogenanntes „natürliches Monopol“. Damit ist gemeint: Es gibt innerhalb einer Postleitzahl, wenn überhaupt, dann nur einen einzigen Anbietenden für Fernwärme. Mehrere Netze zu bauen wäre auch völlig unrealistisch und unwirtschaftlich. Doch das natürliche Monopol führt selbstverständlich dazu, dass es keinen Wettbewerb gibt, die Kund:innen können bei einer Erhöhung der Preise nicht zu einem günstigen Anbietenden wechseln. Sie sind, so beschreiben es Verbraucherschützende, „gefangene Kunden“.

Fernwärme soll eine wichtige Rolle in der Wärmewende einnehmen.

Schon seit mindestens 2016 kritisieren Verbraucherzentrale, Deutscher Mieterbund und der Bundesverband Neue Energiewirtschaft genau diesen Umstand. Die Preise der Fernwärme-Versorgenden müssten besser reguliert werden, um Verbrauchende zu schützen. Zudem fordern sie, ebenfalls schon seit 2016, dass die Zusammenstellung der Preise für Kund:innen im Internet abrufbar und nachvollziehbar aufbereitet werden. Seitdem sie ihre Forderung äußerten, hat sich politisch jedoch nichts getan.

Ukraine-Krieg lässt Unternehmen ihre Margen erhöhen

Stattdessen ist genau das eingetreten, wovor die Verbraucherschützenden warnten. Mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine und der darauffolgenden Energiekrise konnten die Energieunternehmen ihre Margen deutlich erhöhen. Zumindest ist das der Verdacht. Und wenn man sich anschaut, wie unterschiedlich die Preise regional ausfallen, werden die Indizien immer handfester.

In Hamburg liegt der Arbeitspreis pro kWh aktuell bei rund 9 Cent, in Berlin werden 12 Cent fällig, in München und in Frankfurt liegt er bei 14 Cent. Doch das allein bestimmt nicht den Preis, den Kund:innen am Ende bezahlen. Die Fernwärme-Versorgenden verwenden für die Berechnung unterschiedliche Formeln, die für Kund:innen kaum nachvollziehbar sind. So werden verschiedene Preisindizes herangezogen, deren Werte in die Formel einfließen. Welche Werte dabei verwendet werden und welche außer Acht gelassen werden, entscheiden allein die Unternehmen. Zudem richtet sich der Preis in der Regel am Gaspreis, auch wenn eine andere Energiequelle zur Wärmeversorgung verwendet wird.

So berichtete die Süddeutsche Zeitung beispielsweise, dass in München Süd die Wärmeenergie zu 90 Prozent aus Holz gewonnen wird – weshalb sich die Preise kaum verändert haben dürften. Das ist mitnichten der Fall. Und auch die WirtschaftsWoche stellte in einem Bericht fest, dass in Freising die Fernwärme-Preise an Steinkohle und Erdgas gebunden werden, obwohl ein Großteil der Energie aus Altholz gewonnen wird. Rechtlich gesehen sind die Praktiken erlaubt – jetzt noch.

Koalition will Monopol beschränken

Die Ampel-Koalition will jetzt mit dem geplanten Gesetz zur kommunalen Wärmeplanung an das Thema herangehen. Zumindest ist das die Ankündigung: Die Monopolsituation werde man „genau ansehen“, sagte FDP-Fraktionsvize Daniel Föst der WirtschaftsWoche. Im bisher vorliegenden Eckpunktepapier zur kommunalen Wärmeplanung war davon aber noch nichts zu lesen.

Rubriklistenbild: © Bernd Wüstneck / dpa

Kommentare