Energiewende

China greift nächste deutsche Branche an – in einem Moment großer Schwäche

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Windräder drehen sich in einem Windpark.
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Die EU prüft, ob chinesische Subventionen für Elektroautos den Markt verzerren. Auch in der gebeutelten Windkraft-Industrie geht die Angst vor der chinesischen Konkurrenz um.

München – Chinas aufstrebende Wirtschaftsmacht versetzt Europa in Unruhe. Die Angst ist groß, dass billige chinesische Produkte den hiesigen Markt überschwemmen und europäische Firmen in den Ruin treiben – und zwar nicht nur bei Elektroautos. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat deshalb nun eine härtere wirtschaftspolitische Gangart gegenüber China in Aussicht gestellt.

EU-Kommissionspräsidentin will auch Windkraft-Industrie helfen

In ihrer Rede zur Lage der Union im Straßburger EU-Parlament am Mittwoch kündigte sie unter anderem eine Wettbewerbsuntersuchung wegen Marktverzerrungen durch chinesische Subventionen für Elektroautos an. Sie warf Peking vor, die Weltmärkte mit künstlich verbilligten Fahrzeugen zu „überschwemmen“. Auch in anderen Industriebereichen will die Kommissionspräsidentin auf europäische Wettbewerbsfähigkeit und heimische Produktion setzen.

Wie von der Leyen erklärt, müsse die Produktion von Zukunftstechnologien wie etwa Batterien oder Windkraftanlagen „in Europa liegen“. Speziell für die Windenergie kündigte sie als Teils eines „Pakets für die Windkraft in Europa“ Schritte zur Beschleunigung der Genehmigungsverfahren an.

Starke Konkurrenz aus China im Moment der Schwäche

Denn auch in der Windkraft-Industrie geht schon die Angst vor der chinesischen Konkurrenz um. Europas Windanlagenbauer haben gewarnt, dass ohne staatliche Unterstützung eine erhöhte Abhängigkeit von China und anderen Ländern drohe. 

Dennis Rendschmidt vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) warnte so auch kürzlich auf der Messe „Husum Wind“ der deutschen Windkraft-Industrie: „In Europa haben chinesische Hersteller bereits 2,8 Gigawatt Windkraftleistung installiert oder projektiert“, zitiert die Welt Rendschmidt. „Politik und Gesellschaft müssen sich die Frage stellen, ob sie etwas dagegen stellen wollen.“

Die Industrie steht vor zahlreichen Herausforderungen: Inflation, Kostensteigerungen, Lieferketten-Probleme und lange Genehmigungsverfahren. Viele Unternehmen müssen kämpfen. Siemens-Gamesa-Chef Jochen Eickholt fasst die Lage der Windkraft-Industrie laut Welt so zusammen: „Wir schreiben alle miteinander rote Zahlen.“

Und jetzt, im Moment der Schwäche, will auch noch die chinesische Konkurrenz mitmischen. Die hat einen großen Vorteil gegenüber den Europäern vorzuweisen: gewaltige Produktionskapazitäten, die es ermöglichen, die Windturbinen billiger herzustellen und zu verkaufen. „Mehr als 50 Prozent aller Windkraftanlagen weltweit werden derzeit in China installiert“, warnte Siemens-Gamesa-Chef Eickholt der Welt zufolge. „Dort entstehen Kapazitäten, die uns Skalen-Nachteile bescheren.“

Solar-Industrie überrollt: Droht der Windkraft-Industrie ein ähnliches Schicksal?

Die Furcht der europäischen Unternehmen ist nicht ganz unbegründet: Die deutsche Solarindustrie war vor einem Jahrzehnt kollabiert, nachdem die damalige Regierung unter Angela Merkel (CDU) eine wichtige Förderung gekappt und chinesische Hersteller mit subventionierter Billigware den Markt überrollt hatten. Rund 80.000 Jobs gingen damals verloren. Noch heute stammen neun von zehn Solarmodulen in Deutschland aus China.

Die Windkraft-Industrie schlägt nun vor, neben schnelleren Genehmigungsverfahren auch bei Fördergeldern heimische Unternehmen zu bevorzugen, wie die Welt skizziert. So sollen nach ihren Vorstellungen bei der Versteigerung von Fördergeldern für Windrädern nur noch Firmen an Auktionen teilnehmen dürfen, die hiesige Standards beim Umweltschutz und Arbeitsrecht einhalten und Anteile europäischer Wertschöpfung nachweisen können.

Mit Material der dpa

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