„Empfindliche“ Auswirkungen

China schließt die Faust um seltene Erden – „Panik“ am Rohstoff-Markt

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China beschränkt die Ausfuhr von seltenen Erden. Europa hat zunehmend Probleme, an diese Rohstoffe zu gelangen. Ein Experte findet „Panik“ angebracht.

Peking – Europa, die USA und ein Großteil der Industrieländer steht vor einem massiven Problem: Auf absehbare Zeit kann es zu erheblichen Staus bei der Versorgung mit wichtigen Rohstoffen kommen. Speziell geht es dabei um die berüchtigten seltenen Erden. Im April hatte es bereits einen Aufschrei gegeben; Autozulieferer hatten angekündigt, die Produktion drosseln zu müssen, weil diese begehrten Rohstoffe in einer Vielzahl wichtiger Bauteile stecken. Der Rohstoffhändler Tradium gibt dazu eine Einschätzung ab.

Rohstoff-Engpässe durch China-Maßnahme – seltene Erden sorgen für Druck auf dem Markt

Zu den Details: Am 9. Oktober hat die Regierung in Peking einige neue Exportverordnungen erlassen, die die Ausfuhr von seltenen Erden beschränken – aber auch die Ausfuhr von Produkten, die diese Rohstoffe beinhalten, sowie Technologien zu deren Verarbeitung. Der Frankfurter Rohstoffhändler Tradium gab auf Anfrage durch IPPEN.MEDIA an, dass diese Verordnungen sich „empfindlich“ auf die „gesamte Wertschöpfungskette für seltene Erden“ auswirken könnten.

Zunächst einmal hat China die im April 2025 eingeführte Exportkontrollliste für seltene Erden erweitert. Neben den bereits mit Restriktionen versehenen Elementen wie Dysprosium, Terbium oder Scandium liegen jetzt auch auf Holmium, Erbium, Thulium, Europium und Ytterbium Exportbeschränkungen. Die sogenannten seltenen Erden sind für viele Zukunftstechnologien unverzichtbar: Ihre Einsatzgebiete sind vielfältig und rangieren von der Rüstungsindustrie bis zur Elektromobilität.

Xi Jinping in Peking (Symbolfoto). China beschränkt die Ausfuhr von seltenen Erden. Europa hat zunehmend Probleme, an diese Rohstoffe zu gelangen. Ein Experte findet „Panik“ angebracht.

Tradium gibt dazu an, dass neben den reinen Metallen auch Legierungen, Oxide und Funktionsmaterialien wie Permanentmagnete von den Restriktionen betroffen sind. Ab dem 8. November müssen Käufer eine Genehmigung beantragen. Diesen Schritt begründet China mit der nationalen Sicherheit – das Land will verhindern, dass seltene Erden am Ende in US-Waffentechnologie landen.

Unsicherheit entlang der Lieferkette für Rohstoffe – Chinas seltene Erden fehlen

Nachdem die April-Restriktionen in Kraft getreten waren, hatte Tradium kurzzeitig einen Einbruch bei den Exporten einiger seltener Erden auf null beobachtet. Diese Entwicklung kann sich jetzt wiederholen. „Entlang der Lieferkette sorgen die Neuerungen für Unsicherheit: Viele Fragen zu Details sind derzeit noch offen oder müssen erörtert und aufgearbeitet werden. Daher sind die Konsequenzen für das Marktgeschehen und für uns als Händler in ihrer Tragweite aktuell noch nicht absehbar und bewertbar“, sagt Jan Giese, Senior Manager Minor Metals and Rare Earths bei Tradium, dazu.

Sicher lasse sich nur eines sagen: Die Vergabe der Exportlizenzen entlang der Lieferkette wird künftig noch komplexer. Für die globale Versorgungslage bedeute dies größere Herausforderungen.

„Es wäre angemessen, von Panik zu sprechen“ – Rohstoff-Händler mahnt zur Vorsicht

Matthias Rüth, der Chef von Tradium, sieht die neuen Auflagen aus Peking mindestens kritisch. „Auch wenn ich das ungern sage: Aus meiner Sicht wäre es jetzt angemessen, von Panik zu sprechen“, sagte er gegenüber der WirtschaftsWoche. Der Markt kehre sich derzeit „komplett“ um. Die Industriekäufer seien es gewohnt, dass die Rohstoffe immer zum gewünschten Termin da seien – das sei jetzt aber vorbei. Händler erhalten von der chinesischen Regierung nur noch begrenzte Mengen der seltenen Rohstoffe.

„Bei den seltenen Erden, aber auch bei Gallium und Germanium wird es dramatisch“, führte Rüth weiter aus. Eine gewaltige Reihe von Produkten aus dem modernen Leben sei davon betroffen. Ohne die Rohstoffe funktioniert die Produktion von Handys nicht, Computer sind auf sie angewiesen und aufwendige Militärtechnologie ebenfalls.

China hält Monopol für seltene Erden – Europa kommt kaum hinterher

All das ist China möglich, weil das Land ein Quasi-Monopol beim Handel mit seltenen Erden hat. 60 Prozent der globalen Kapazitäten zum Abbau dieser Rohstoffe stehen unter Chinas Kontrolle, bei der Weiterverarbeitung sind es mehr als 90 Prozent. Problematisch für den Westen: Weil die chinesische Regierung auch die Ausfuhr bestimmter Technologien und Know-how beschränkt hat, die es dem Westen ermöglichen würden, seine eigene Produktion anzuheizen, wird sich an der asiatischen Übermacht so schnell nichts ändern.

Militärparade in Peking: China präsentiert unter den Augen von Putin und Kim neue Superwaffen

Eine strategischen Interkontinentalraketen von Typ DF-61 wird bei der Militärparade zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gezeigt.
Eine strategischen Interkontinentalraketen von Typ DF-61 wird bei der Militärparade zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gezeigt. © Andy Wong/AP/dpa
Chinesische Bomber des Typs Xian H-6 während der Militärparade in Peking.
Chinesische Bomber des Typs Xian H-6 während der Militärparade in Peking. © Hector RETAMAL / AFP
Chinesische Kampfflugzeuge - Shenyang J-16 (r.), Chengdu J-20 Mighty Dragon (mitte), and Shenyang J-35 (l.) - fliegen während der Militärparade in Peking.
Chinesische Kampfflugzeuge - Shenyang J-16 (r.), Chengdu J-20 Mighty Dragon (mitte), and Shenyang J-35 (l.) - fliegen während der Militärparade in Peking. © GREG BAKER / AFP
Militärparade in Peking: China hat die interkontinentalen ballistischen Raketen DF-5C zur Schau gestellt.
Militärparade in Peking: China hat die interkontinentalen ballistischen Raketen DF-5C zur Schau gestellt. © GREG BAKER / AFP
Fahrzeuge mit der Laser-Waffe LY-1 fahren während der Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens vorbei. China zeigte erstmals während der Parade diesen sogenannten Hochenergie-Lasers (HEL), der zur Abwehr von Schwärmen kleinerer Drohnen oder Lenkwaffen dienen könnte.
Fahrzeuge mit der Laser-Waffe LY-1 fahren während der Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens vorbei. China zeigte erstmals während der Parade diesen sogenannten Hochenergie-Lasers (HEL), der zur Abwehr von Schwärmen kleinerer Drohnen oder Lenkwaffen dienen könnte. © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade in Peking: Ein chinesischer Soldat posiert vor HHQ-9C Boden-Luft-Raketen.
Militärparade in Peking: Ein chinesischer Soldat posiert vor HHQ-9C Boden-Luft-Raketen. © Pedro PARDO / AFP
Eine chinesische Drohne während der Militärparade in Peking.
Eine chinesische Drohne während der Militärparade in Peking. © Pedro PARDO / AFP
Militärparade zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Helikopter fliegen eine Formation über Peking.
Militärparade zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Helikopter fliegen eine Formation über Peking. © Greg Baker/AFP
Militärparade in Peking: Soldatinnen marschieren in Reih und Glied am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.
Militärparade in Peking: Soldatinnen marschieren in Reih und Glied am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.  © Johannes Neudecker/dpa
Stargast bei der Militärparade in Peking: Kremlchef Wladimir Putin
Stargast bei der Militärparade in Peking: Kremlchef Wladimir Putin © Sergei Bobylev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Ebenfalls zu Gast bei der Militärparade in Peking: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un
Ebenfalls zu Gast bei der Militärparade in Peking: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un © Alexander Kazakov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Militärparade in Peking: Xi Jinping bei seiner anschließenden Ansprache
Militärparade in Peking: Xi Jinping bei seiner anschließenden Ansprache © Jade Gao/AFP
Vor Militärparade in Peking
Der chinesische Staatschef Xi Jinping hat zur Militärparade am 3. September illustre Gäste geladen. Darunter ist auch der russische Präsident Wladimir Putin. Schon vor der Parade haben sie bei einem Treffen in Peking ihr gutes Verhältnis betont. Putin und Xi betonten außerdem, zur Militärparade anlässlich des 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges der jeweils anderen Seite gekommen zu sein. © Sergei Bobylev/dpa
Vor Militärparade in Peking - Treffen Xi und Putin
Am 1. September hatten sich Xi und Putin beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) für eine neue Weltordnung ausgesprochen. Die russlandfreundliche SOZ gilt Gegengewicht zu westlichen Bündnissen. Putin hatte erklärt, das eurozentrische und euroatlantische Modell habe sich überlebt. © dpa
Vor Militärparade in Peking - Ankunft Gäste
544732808.jpg © Pang Xinglei/dpa
Kim Jong un
Kim Jong-un verlässt sein Land überaus selten. Die Militärparade in Peking ist für ihn das erste Treffen mehrerer Staatschefs überhaupt. Es wird erwartet, dass er Xi Jinping und Wladimir Putin in Peking auch zu persönlichen Gesprächen trifft.  © afp
Vor Militärparade in Peking
Wichtige Vertreter aus dem Westen werden bei der Militärparade in Peking nicht im Publikum sein. Dabei ist aber der serbische Präsident Aleksandar Vučić (hier bei seiner Ankunft). © Lintao Zhang/dpa
Vor Militärparade in Peking - Ankunft Gäste
Auch der slowakische Regierungschef Robert Fico ist vor Ort (hier am Flughafen von Peking). Beide stehen vor allem dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nahe. © Jade Gao/dpa
Militärparade China
China erinnert am 3. September an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg. Nach 2015 zum 70. Jahrestag hält die Volksrepublik damit zum zweiten Mal eine Militärparade anlässlich des Gedenkens an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg ab. Die letzte große Militärparade in Peking fand 2019 statt. Damals erinnerte die herrschende Kommunistische Partei an den 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik 1949. © Wang Zhao/afp
Militärparade China
Mit Zehntausenden Männern und Frauen will China bei der diesjährigen Militärparade anlässlich des 80. Jahrestages des Sieges im Widerstandskrieg gegen Japan seine Kampffähigkeit unter Beweis stellen.  © Pedro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Insgesamt sollen 45 Formationen über den Platz des Himmlischen Friedens in Peking laufen und fliegen. Darunter sind ausgewählte Einheiten des Heeres, der Marine, der Luftwaffe, aber auch der Luftabwehrtruppen.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
Zudem will die Staatsführung in der rund 70-minütigen Vorführung Hunderte Panzer und Militärfahrzeuge sowie Kampfflugzeuge und Hubschrauber zur Schau stellen.  © Pedro Pardo/afp
Militärparade China
Schon seit geraumer Zeit trainieren am Stadtrand von Peking Einheiten in der Sommerhitze für die Militärparade.  © Pesro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Die Parade fällt in eine Zeit, in der Peking im Südchinesischen Meer und der Taiwanstraße unter westlicher Kritik zunehmend militärischen Druck aufbaut.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
Alle gezeigten Waffensysteme sollen aus chinesischer Herstellung stammen. Darunter soll neue, bisher nicht gezeigte Ausrüstung sein, unter anderem Drohnen, elektronische Störsysteme, Hyperschallwaffen sowie Raketen- und Luftabwehrsysteme. © Pedro Pardo/afp
Militärparade China
Die bei der Parade zur Schau gestellten Waffen könnten Hinweise auf einen möglichen zukünftigen Konflikt mit Taiwan liefern. Es wird erwartet, dass dabei eine neue Serie von Anti-Schiffs-Raketen, die Ying Ji („Adlerangriff“), vorgestellt wird. Diese Marschflugkörper sowie ballistische und Hyperschallraketen könnten entscheidend sein in einem Gefecht mit der US-Marine. © Pedro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Die Parade wird auch die Rolle der Kommunistischen Partei der Volksrepublik beim Sieg über Japan herausstellen. © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Dabei sind sich die Historiker außerhalb Chinas weitgehend einig, dass das Hauptverdienst für diesen Sieg Chiang Kai-sheks Nationalisten zukommt, die damals den größten Teil Chinas regierten © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
2015 würdigte die Kommunistische Partei die nationalistischen Soldaten, indem sie Veteranen zur Parade einlud. © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Auch ausländische Mächte trugen zur Niederlage Japans bei, darunter die als „Flying Tigers“ bekannten US-Piloten. Sie einzubeziehen, wäre eine versöhnliche Geste gegenüber der Regierung in Washington. © Johannes Neudecker/dpa
Siegesparade Moskau
Als Anerkennung der damaligen Unterstützung der Sowjetunion könnten russische Soldaten mitmarschieren – so wie auch chinesische Soldaten an der Moskauer Parade im Mai teilnahmen. © Kirill Kudryavtsev/afp
Übung zur Militärparade in Peking
In der Militärkapelle spielen laut staatlichen Medien 80 Hornisten mit, die für die 80 Jahre seit der Kapitulation Japans stehen.  © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Die insgesamt mehr als 1000 Musiker stehen in 14 Reihen – Sinnbild für die Jahre des chinesischen Widerstands.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
In der offiziellen Geschichtsschreibung Chinas begann der Krieg mit der japanischen Invasion der Mandschurei 1931. © Wang Zhao/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Groß angelegte Militärparaden in China sind selten. Peking selbst will die Parade und seine wachsende militärische Macht als einen Beitrag zum Frieden verstanden sehen. © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
AFP__20250820__69ZJ7G6__v2__HighRes__TopshotChinaJapanHistoryWwiiMilitaryParade.jpg © Pedro Pardo/afp
Vor Militärparade in Peking - Treffen Xi und Putin
Nach der Parade wird Xi voraussichtlich eine Ansprache halten. Beobachter erwarten Kommentare zu den USA und zu Taiwan, das China als Teil der Volksrepublik betrachtet. © Sergei Bobylev/dpa

Schon in den Neunzigern hat Peking erkannt, dass die seltenen Erden für China das sind, was Öl für die arabischen Golfstaaten ist. Im Laufe der Jahre hat die Regierung viel Geld in den Ausbau der Kapazitäten gesteckt und durch Preisdumping die Konkurrenz vertrieben. Ein Bericht der Welt warf China außerdem vor, gezielt die Klimabewegung zu nutzen, um diese Vormacht zu behalten.

Einerseits sorge das für eine stärkere Nachfrage im Westen für Photovoltaik und andere Zukunftstechnologien, in denen seltene Erden vorkommen, andererseits verhindere es noch einmal zusätzlich den Ausbau westlicher Kapazitäten, weil die Raffinierung dieser Rohstoffe unter Einsatz toxischer Chemikalien stattfindet.

Innerhalb Chinas soll das in einigen Fällen schon für großflächige Umweltverschmutzungen gesorgt haben. Die Yale School of the Environment berichtete schon 2019 von offenen Becken mit toxischem Abwasser, das jederzeit ins Grundwasser abfließen könnte.

Recycling statt Abbau – Rohstoff-Expertin gibt Europa Tipps für seltene Erden

Wie geht es weiter? Die aktuellen Schritte unternimmt China auch in Reaktion auf US-Handelsbeschränkungen wichtiger Computerchips und bestimmter Technologien. Sie stärken – so die Analyse des Center for Strategic & International Studies (CSIS) – die Verhandlungsposition Pekings, zum Beispiel bei einem geplanten Gespräch zwischen den USA und China. Dieses soll noch Ende Oktober stattfinden.

Europa wiederum versucht, seine Abhängigkeit von China zu lösen. Dabei soll der sogenannte Critical Raw Materials Act helfen. Allerdings dauern diese Prozesse sehr lange. „Europa sollte Optionen wie Recycling viel genauer prüfen, wenn die Primärproduktion dieser Materialien keine praktikable Option ist, und in den Aufbau einer Recycling-Infrastruktur investieren“, schlägt Ellie Saklatvala vor, eine Rohstoffexpertin bei der Preisberichtsagentur Argus Media. (verwendete Quellen: Tradium, WirtschaftsWoche, Argus Media, Yale School of the Environment)(laernie)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Kyodo News

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