Globaler Autohandel

Chinas E-Autos: Direktimport nach Deutschland – Fluch oder Segen?

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So günstig kann man chinesische E-Autos nun online kaufen – auch der Import von VW-Modellen ist möglich. Doch gibt es Haken, die bei der Nutzung in Europa auftreten können.

Peking/Brüssel – Wer in Deutschland oder sonst wo in Europa ein günstiges Elektroauto sucht, blickt oft neidisch nach China. Dort rollen moderne Stromer in der Regel für einen Bruchteil der hiesigen Preise vom Band.

Doch bisher war es nahezu unmöglich, Fahrzeuge aus der Volksrepublik direkt zu bestellen und legal auf deutschen Straßen zu fahren. Das wird sich nun ändern – mit Folgen für den gesamten europäischen Automarkt.

Autohändler bringt chinesische E-Autos direkt vor die Haustür

Der Online-Shop China EV Marketplace, nach eigenen Angaben der weltweit größte Anbieter für chinesische Elektrofahrzeuge, will den europäischen Markt aufmischen: Ab sofort können Kunden in Europa ein neues E-Auto oder auch Plug-in-Hybrid (PHEV) direkt in China bestellen und sich bis vor die Haustür liefern lassen – inklusive aller nötigen Papiere für die Zulassung in Europa.

Damit fällt der bisherige Aufwand weg, sich um Zoll, Abholung am Hafen und komplizierte Zulassungsverfahren zu kümmern. „Unser neuer Service beseitigt die traditionellen Komplikationen und Ärgernisse, die mit internationalen Autoimporten verbunden sind“, zitiert das Portal CarNewsChina einen Manager der Handelsplattform.

Automesse in Shanghai: Der VW ID.3 erscheint in China in einer Gemeinschaftsproduktion mit dem Autoriesen SAIC.

China EV Marketplace: Preise, die deutsche Hersteller nervös machen?

Die Preisdifferenzen zwischen Deutschland und China sind enorm: Ein BYD Seagull kostet auf der Plattform 10.200 US-Dollar netto – umgerechnet rund 10.500 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Das gleiche Modell wird hierzulande als BYD Dolphin Surf ab 22.990 Euro angeboten. Auch der Leapmotor C10 ist mit etwa 17.500 Euro brutto deutlich günstiger als im regulären Europa-Vertrieb, wo über 36.000 Euro fällig werden.

Selbst Fabrikate von Europas größtem Autokonzern Volkswagen sind auf der Plattform erhältlich: Einen VW ID.3 aus chinesischer Produktion (entsteht in Co-Produktion mit SAIC) gibt es für unter 24.000 Euro inklusive Steuern – deutlich günstiger als die Listenpreise auf dem Heimatmarkt. Neben VW sind weitere E-Modelle wie ID.4X und ID.6X verfügbar, auch in China hergestellte Tesla-Modelle können bestellt werden.

Import von E-Autos aus China: Hürden und Risiken

So attraktiv die Preise des Geschäftsmodells auch klingen: Es gibt einige Haken, wie Electrive.net erklärt: Die Autos kommen mit dem chinesischen Ladestandard GB/T, nicht dem in Europa üblichen CCS-Anschluss. Zwar legt der Anbieter einen Adapter bei, doch könne es zu Einschränkungen bei der Ladegeschwindigkeit kommen.

Ersatzteile könnten schwer zu beschaffen sein, und bei der Software ist nicht immer garantiert, dass sie auf Deutsch umgestellt werden kann. Zudem kommunizieren viele Systeme und Apps der Fahrzeuge mit chinesischen Servern – was die Nutzung in Europa erschweren kann.

Für den Export bestimmte Fahrzeuge des Herstellers BYD warten im Hafen von Yantai auf die Verladung (Archivbild).

Plug-in-Hybride aus China im Vorteil – USA fallen als Zielmarkt weg

Der Boom bei China EV Marketplace ist dem Bericht zufolge vor allem den Plug-in-Hybriden zu verdanken: Während vollelektrische Fahrzeuge (BEVs) aus China in der EU mit Zöllen von bis zu 35 Prozent belegt sind, bleiben PHEVs davon verschont. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres verkaufte das Unternehmen weltweit 7000 Modelle – ein Plus von 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Interessant ist auch die Entwicklung in den USA: Dort stellt die Handelsplattform den Versand ein, weil die Verkäufe durch die hohen Zölle der Trump-Regierung eingebrochen sind. Das zeigt, wie stark politische Entscheidungen den internationalen Handel beeinflussen.

Was bedeuten Auto-Importe aus China für den deutschen Markt?

Ob China EV Marketplace die in der Volksrepublik hergestellten Fahrzeuge wirklich problemlos in Deutschland zulassen kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Zumindest könnte die Möglichkeit, günstige E-Autos direkt zu importieren, den Preisdruck auf europäische Hersteller wie Volkswagen erhöhen – und damit den Wettbewerb auf dem Automarkt anheizen. Für Verbraucher und Verbraucherinnen eröffnen sich neue Chancen, aber auch Risiken, etwa bei Service und Ersatzteilen.

Chinesische Hersteller boomen: 14 Autobauer, die Sie kennen sollten

Changan-Händler
Changan ist einer der ältesten Autohersteller Chinas und produziert jährlich mehrere Millionen Fahrzeuge, darunter auch Joint‑Venture‑Modelle mit Ford und Mazda. In den vergangenen Jahren hat Changan seine eigene Markenstrategie stark elektrifiziert und mit Submarken wie Deepal und Avatr moderne Elektro‑ und Plug‑in‑Hybridmodelle auf den Markt gebracht.  © IMAGO/CFOTO
Changan-Produktion
Kürzlich hat der China-Autobauer die Produktion von 30 Millionen Fahrzeugen zelebriert. Für Europa verfolgt der Konzern eine schrittweise Expansionsstrategie, die zunächst über ausgewählte Märkte und wenige Modelle erfolgen soll – meist im mittleren bis gehobenen Segment. Neben den genannten Marken sollen in den kommenden Jahren auch Modelle des Anbieters Nevo auf den Markt kommen. © Changan Automobile Deutschland GmbH
Jaecoo 7 von Chery
Chery ist einer der größten chinesischen Autoexporteure und baut seine Präsenz in Europa mit mehreren Marken gezielt aus. In Ländern wie Spanien erfolgte der Markteintritt früher. Zunächst wird hierzulande der Plug-in-Hybrid Jaecoo 7 angeboten. © Chery/dpa
Omoda 5 HEV
Die zweite Chery-Marke für Deutschland heißt Omoda. Gut ausgestattete Modelle wie der Omoda 5 HEV sollen zeitgemäßes Design mit effizienter Hybrid-Antriebstechnologie vereinen. Inwiefern sich deutsche Kunden darauf einlassen? Wir dürfen gespannt sein. © Omoda
Fahransicht Leapmotor B10
Leapmotor ist ein E-Auto-Hersteller, der sich auf dem Heimatmarkt China mit technisch ambitionierten, aber preislich sehr wettbewerbsfähigen Modellen einen Namen gemacht hat. Im Bild ist das Kompakt-SUV B10. © Leapmotor/dpa
Leapmotor T03
Die Marke bietet auch kleine, bezahlbare Modelle wie den T03 an. In Europa startete Leapmotor 2025 mit Unterstützung von Stellantis, das 21 Prozent der Anteile hält und den Markteintritt beschleunigt. © Leapmotor
Lynk & Co 01
Lynk & Co: Hinter diesem Hersteller, der 2016 gegründet wurde, verbirgt sich Geely. Der Plug-in-Hybrid 01 wurde zunächst vor allem im Abo vertrieben. Das Modell kann aber auch gekauft oder geliehen werden.  © Lynk & Co
Lynk & Co 02
Entwickelt und entworfen werden die Modelle von Lynk & Co in Schweden bei der traditionsreichen Konzernschwester Volvo. Das elektrische Crossover-Coupé Lynk & Co 02 war kürzlich auf einer Reise- und Freizeitmesse im Münchner Osten zu sehen. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Elektrotransporter von Maxus.
Maxus: Ford, VW und Mercedes aufgepasst. Mit Maxus greifen chinesische Hersteller auch bei den Nutzfahrzeugen an. Die Modelle der 2011 gegründete Tochter von SAIC Motors sind unter anderem bei der österreichischen Post und Ikea im Einsatz. Verkauft werden die Transporter über eigene Händler. © GlobalImagens/Imago
Maxus: Elektro-Transporter eDeliver
Maxus ist vor allem auf Elektro‑Transporter, Vans und leichte Nutzfahrzeuge spezialisiert – ein Segment, das in Europa durch Lieferdienste, Handwerk und urbane Logistik wächst. © IMAGO/Slavek Ruta
Der MG 4 EV.
MG: Tot gesagte Leben länger. Das gilt auch für die britische Traditionsmarke. Allerdings nicht mehr unter der Flagge ihrer Majestät. Nach der Insolvenz erwarb zunächst die Nanjing Automobile Group im Juni 2005 die Markenrechte. Inzwischen gehört der Hersteller zu SAIC Motor. Dort wurde MG mit Roewe in der Abteilung Passenger Vehicle zusammengefasst. Seit Januar 2021 ist MG auch wieder auf dem deutschen Markt vertreten – unter anderem mit dem 4 EV. © MG
MG Cyberster
Das Modellangebot der von China neu aufgelegten Traditionsmarke umfasst unterschiedliche Fahrzeuggattungen: Zum Portfolio gehört der vollelektrische Roadster MG Cyberster.  © MG Motor
Der Xpeng P7.
Xpeng: Wie viele chinesische Hersteller ist auch Xpeng noch relativ jung. 2014 wurde das Unternehmen gegründet, konnte in den vergangenen Jahren seine Stückzahlen aber immer weiter steigern. In Europa war Xpeng zunächst in Schweden, Norwegen, Dänemark und den Niederlanden vertreten. Wann der Hersteller nach Deutschland kommt, ist unklar. © Zuma Wire/Imago
Xpeng G9
Für Schlagzeilen sorgte auch die Zusammenarbeit mit Volkswagen in China. 2026 ist der Marktstart in Deutschland terminiert. Partnerschaften mit mehreren Händlern sind geschlossen, hierzulande wird als erstes Modell das Elektro-SUV Xpeng G9 angeboten. © Xpeng
Der Zeekr 001.
Zeekr: Auch wenn der Name so gar nicht chinesisch klingt, stammt der Hersteller dennoch aus dem Reich der Mitte. Der Markenname setzt sich aus Generation Z und dem Begriff Geek zusammen. Hinter dem erst 2021 gegründeten Autobauer steckt Geely. Mit der neuen Tochter möchte man im Premiumsegment Fuß fassen. 2023 hat der chinesische Anbieter in Schweden und den Niederlanden mit den Modellen 001 und X ihren Europa-Start gefeiert. © Zeekr
Zeekr 7X
In Europa verfolgt Zeekr eine Wachstumsstrategie im hochwertigen E‑Segment – mit technisch starken Modellen (800‑Volt‑Architektur, große Reichweiten) und einem Fokus auf gut ausgestattete, aber preislich konkurrenzfähige Fahrzeuge. Seit Ende 2025 sind Zeekr-Modelle wie der 7X auch in Deutschland bestellbar. © Zeekr
Xiaomi SU7
Xiaomi steigt mit dem SU7 erstmals in den Automarkt ein und verfolgt dabei klar ambitionierte Pläne – auch für Deutschland. Der Konzern nutzt seine enorme Elektronik‑Reichweite und Markenbekanntheit, um sich im E‑Auto‑Segment als technologischer Herausforderer zu positionieren. Für Deutschland plant Xiaomi mittelfristig den Vertrieb über ein eigenes Händler‑ und Servicenetz, anfangs stark digital gesteuert.  © David Zorrakino/EUROPA PRESS/dpa
Studie Vision GT von Xiaomi
Studie Vision GT von Xiaomi: Ziel von Xiaomi ist es, im Premium‑Elektro‑Segment Marktanteile zu gewinnen, indem man Performance, Software‑Kompetenz und aggressive Preisgestaltung kombiniert. Deutschland gilt dabei als Schlüsselmarkt, weil Xiaomi hier eine treue Smartphone‑Kundschaft hat, die als Einstiegskanal in die Mobilität dienen soll. © Josep LAGO/AFP
Der Ora Funky Cat.
GWM Ora ist die Elektromarke des chinesischen Herstellers Great Wall Motor und in Europa vor allem durch den Ora Funky Cat (später: Ora 03) bekannt geworden. Die Marke positioniert sich im kompakten bis unteren Mittelklasse‑Segment und zielt damit auf europäische Volumenmodelle wie VW ID.3, Renault Mégane E‑Tech oder auch den heimischen Rivalen MG4 ab. © Ora/GWM
GWM Ora 07
Der Hersteller versucht, sich als preislich zugängliche, designorientierte E‑Alternative zu etablieren – bisher jedoch mit zögerlichem Markterfolg. Dazu machen vermeintliche Kopien die Runde – wie zum Beispiel der GWM Ora 07, als chinesische Ausführung des Porsche Panamera.  © GWM Ora
Der NIO ES6 steht auf einer Messe.
NIO: Der Name des 2014 gegründeten Herstellers ist eine Anspielung auf den Smog über den Großstädten Chinas. NIO, in chinesischen Schriftzeichen „Weilai“, bedeutet übersetzt „Der Himmel wird blau“.  © VCG/Imago
Kombi NIO ET5 Touring
NIO ET5 Touring: Eine Besonderheit der Marke ist die Battery-Swap-Technologie. In fünf Minuten wird der Akku gegen einen neuen ausgetauscht. Ihr Europa-Debüt gab die Marke 2021 in Norwegen. Seit 2022 sind die E-Autos auch in Deutschland erhältlich. © NIO
Der BYD Seal.
BYD: Seit 1995 gibt es das Unternehmen. Autos spielten am Anfang noch keine Rolle, stattdessen baute man wiederaufladbare Batterien. 2003 stieg man durch den Kauf der angeschlagenen Xian Qinhuan Automobile in das Automobilgeschäft ein. Inzwischen ist BYD einer größten Hersteller der Welt. © VCG/Imago
BYD-Schiff mit Neufahrzeugen im Hafen
BYD: In Deutschland sind die Chinesen mittlerweile mit mehreren Modellreihen vertreten. Schlagzeilen macht der Autoriese aus Fernost auch mit seiner Schiffsflotte, welche die Fahrzeuge in großer Stückzahl in verschiedene Weltregionen befördert. © Anadolu Agency/Imago
Denza Z9GT
Denza ist die technologieorientierte Premiummarke von BYD. Im April 2026 wurde das Angebot im Rahmen einer Veranstaltung in Paris als global agierende Marke eingeführt. Dabei gab es auch die ersten Modelle für Europa zu sehen. Im Bild das vollelektrische Coupé Denza Z9GT. © DENZA
Luxus-Van Denza D9
In China hat sich Denza mit Modellen wie dem Van D9 (im Bild) als hochwertige Alternative zu Marken wie Lexus, Mercedes EQ oder BMW i etabliert. In Europa soll der Anbieter schrittweise als gehobenes Premium‑Label eingeführt werden, allerdings nicht sofort in der Breite wie die Hauptmarke BYD. © DENZA
Smart #5
Smart: Einst eine Kleinwagenmarke, ist Smart heute ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen Mercedes-Benz und dem chinesischen Geely-Konzern, wobei die Produktion und technische Entwicklung in China erfolgt. Der Fokus liegt auf SUVs (im Bild #5), die Effizienz und wettbewerbsfähige Preise ermöglichen sollen.  © Mercedes-Benz/Smart
Smart #1
Das erste Modell der neuen Ära ist der Smart #1. Strategisch sieht Smart Europa weiterhin als Kernmarkt, allerdings nicht mehr im klassischen Microcar‑Segment, sondern als kompakte, elektrisch angetriebene Crossover‑Alternative im Premiumbereich. Gleichzeitig hilft die Mercedes‑Designsprache, ein vertrautes Markenimage zu erhalten.  © Mercedes-Benz/Smart

Ein weiterer Aspekt: Für die Industrie wird es künftig einfacher, Konkurrenzmodelle für Vergleichszwecke zu kaufen. Da diese oft zerlegt werden, sind fehlende Service-Möglichkeiten weniger relevant. (PF)

Rubriklistenbild: © NurPhoto/Imago

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